01/02/19: Der Deutsche-Bank-Check, Alles zu Wirecard, NordLB-Offerte steht

Auf diese vier Kennziffern sollten Sie achten, wenn gleich die Deutsche-Bank-Zahlen kommen

Liebe Leser*innen, gleich kommen die Deutsche-Bank-Zahlen. Hier vier Kennziffern, auf die Sie vielleicht achten sollten: 1.) Erstmals seit 2014 gibt es wieder Gewinn – aber wie viel? Analysten rechnen im Schnitt mit 332 Mio. Euro nach Steuern, was für Q4 übrigens einem Verlust von 301 Mio. Euro entspräche. 2.) Das Investmentbanking ist im Herbstquartal branchenweit eingebrochen, sodass Analysten für Q4 vor Steuern einen Verlust von 295 Mio. Euro befürchten. Vielleicht ist hier Raum für eine kleine positive Überraschung. Warum? Wir haben uns hierzu nochmal die jüngsten Refinitiv-Zahlen (fürs Gesamtjahr) angeschaut. Eindruck: Soooooo grottenschlecht, wie wir neulich unter Bezug auf die EMEA-Region geschrieben hatten, steht die Dt. Bank global gesehen dann doch nicht da. 3.) Bei den bereinigten Kosten gilt es die Zielmarke von 23 Mrd. Euro schlagen. Hier ist (siehe weiter unten ) vielleicht auch eine etwas größere positive Überraschung drin. 4.) Erträge: An den Konsens von 25,4 Mrd. Euro sollte man schon rankommen. Ansonsten wäre das dann eine negative Überraschung (nachdem, wenn wir das richtig mitgekriegt haben, die Erwartungen ja schon a bissi runtergeguided worden sind)

Linkliste:

  • Ausblick auf 2019: Warum die Deutsche Bank in diesem Jahr rund 26 Mrd. Euro Erträge (und also: ein kleines Wunder) braucht, um das RoE-Zwischenziel von 4% zu erreichen. Spiegel Online
  • Wenn Ihnen unsere Mini-Checkliste oben zu mini war, dann empfehlen wir Ihnen die nicht nur üppigeren, sondern ehrlich gesagt auch fundierteren Checklisten des Manager Magazins, des Handelsblatts (Paywall) und der FT (Paywall)
  • Oder Sie nehmen gleich das Original zur Hand, nämlich den Analysten-Konsens-Report von der Webseite der Deutschen Bank

Sponsored Content

Die Ermittlung der BESTEN BANK für Privatkunden erfolgt künftig auf Basis der DIN 77230. In dem einmaligen Bankentest „BESTE BANK vor Ort“, der sich seit Jahren mit festangestellten Testern u.a. an den Grundsätzen ordnungsgemäßer Testkaufdurchführung orientiert, war es schon immer das Ziel, zu testen, ob ein Kunde nicht nur empfohlen bekommt, was er wünscht, sondern auch, was er objektiv braucht. gepruefte-beratungsqualitaet.de

News

Rein nachrichtlich herrschte gestern die am Vortag von Deutsche-Bank-Zahlen übliche „Jeder muss noch einen Scoop raushauen“-Nervosität: Am überzeugendsten fanden wir (persönlicher Geschmack) hierbei die Geschichte des „Handelsblatts“, in der es heißt, das wichtigste Geldhaus des Landes habe 2018 fast 6000 Stellen abgebaut und sei damit beim Headcount nun unter 92.000 (das Ziel war gewesen: unter 93.000). Inklusive externer Kräfte summiere sich das Minus sogar auf fast 10.000, worauf sich dann auch wiederum (siehe oben) die Vermutung stützt, die Deutsche Bank könnte die bereinigten Kosten auf unter 23 Mrd. Euro gedrückt haben (HB, Paywall) +++ Dann kam „Bloomberg“ mit einer Meldung, die Deutsche Bank könne sich – wenn die Zahlen schlecht bleiben – gezwungen sehen, schon Mitte dieses Jahres in Fusionsgespräche mit der Commerzbank einzutreten. Mal sehen ob’s so kommt (Bloomberg) +++ Die „Süddeutsche“ schließlich kam am Abend noch mit der Geschichte, dass auch die EZB eine bereits intensivere Kommunikation mit Blaubank und Gelbbank in Sachen Fusion betreibt. Fanden wir jetzt aber nicht sooo überraschend (SZ)

Und unser eigener Scoop? Ha! Der ist der spektakulärste von allen! Die Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank, Sewing und Zielke, haben heute Früh nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ die Fusion ihrer Brillen vereinbart (Belegbild). Wundern Sie sich also nicht, wenn die Kurse nach dem gestrigen Debakel (Deutsche Bank minus 4%, Commerzbank minus 7%) heute plötzlich steilgehen sollten.

Kommen wir zu Wirecard – und bringen erst mal ein bisschen Ordnung rein. Bei der medialen Aufarbeitung der heftigen Vorwürfe der „Financial Times“ gegen den bayerischen Zahlungsdienstleister ist gestern nämlich leider ein bisschen was durcheinander geraten. Einem beliebten Missverständnis sind unserer Einschätzung nach zum Beispiel die Kollegen des „Handelsblatts“ aufgesessen. Sie führen die häufigen Angriffe auf Wirecard unter anderem auf den „hohen Auslandsanteil“ des Geschäfts zurück und begründen das dann wie folgt: „Wirecard ist eine deutsche Aktiengesellschaft (…). Mehr als die Hälfte des Geschäfts läuft mittlerweile jedoch in Asien, vor allem in China.“ Diese Darstellung widerspricht fundamental den Ausführungen im  aktuellsten verfügbaren Geschäftsbericht (hier das PDF) des Dax-Konzerns. Denn dort steht auf Seite 124, dass Wirecard „bis dato in einzelnen Teilen der Welt, wie etwa China (…), keine wesentlichen Volumina erzielt.“ (unsere eigene Fettung). Mithin: Wo auch immer Wirecard sein Geld verdient, in China scheint es gerade nicht zu sein, auch wenn der Zirkelschluss Wirecard  = Asien = China = Digital Payments = Wirecard naheliegen mag.

Ein bisschen stutzig machte uns auch der in verschiedenen Medien angeführte Sellside-Analyst von Hauck & Aufhäuser. Der nahm Wirecard gegen die Vorhaltungen der „FT“ nämlich unter anderem mit dem Argument in Schutz, der Zahlungsdienstleister habe in den vergangenen Jahren „Transparenz geschaffen“, zum Beispiel, „indem die Bücher für externe Prüfer geöffnet wurden“. Mit Verlaub: Was will man uns damit denn jetzt sagen? Selbstverständlich legt Wirecard seine Bücher von Gesetzes wegen einem Prüfer vor, nämlich dem Wirtschaftsprüfer, der auf Konzernebene seit vielen Jahren „Ernst&Young“ heißt. Wir haben bei Hauck & Aufhäuser nachgefragt, ob es das ist, was der Analyst meinte, aber keine Auskunft erhalten. Begründung: Mifid II.*

Bevor es jetzt aber so aussieht, als wollten wir uns auf die Seite der „FT“ schlagen – wir schlagen uns auf gar keine Seite: Inhaltlich können wir die Ausführungen in dem Artikel nämlich null beurteilen. Wenn überhaupt, dann haben wir eine Meinung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Klar, als Journalist bringt man seine Geschichten dann, wenn sie fertig sind, einfache Regel. Aber: So eine Story ausgerechnet in ein – weil wenige Stunden zuvor Geschäftszahlen veröffentlicht wurden – sehr sensibles Marktumfeld hinein zu lancieren … Puuuh, liebe „Financial Times“, musste das denn sein?

Letzter Punkt: Trotzdem erachten wir es gelinde gesagt als grenzwertig, dass die zuständige Commerzbank-Analystin die Story gestern einfach mal kategorisch als „Fake News“ bezeichnet hat … Da muss sich jemand sehr sicher sein, was die Faktenlage angeht UND was die Frage angeht, welches Vokabular man in Zeiten wie diesen verwendet. Denn, bevor jetzt auch noch jemand „Lügenpresse“ brüllt: Medienkritik kann man auch üben (tun wir in unserem Newsletter sehr regelmäßig), ohne sich der infamen Schlagwörter der fiesen Verächtlichmacher da draußen (namentlich: Mr. Trump) zu bedienen.

Kurzmeldungen: Die Dinge in Sachen Wirecard nehmen jetzt ihren Gang. Die Bafin geht dem Verdacht der Marktmanipulation nach, die Staatsanwaltschaft München hat wegen des identischen Verdachts Vorermittlungen aufgenommen (FAZ, Handelsblatt/Paywall) +++ Die Sparkassen haben sich gestern erwartungsgemäß auf ein Rettungsangebot für die NordLB verständigt, und zwar zu den Konditionen, die wir in unserer Ausgabe am Mittwoch schon skizziert hatten (Finanz-Szene.de) +++ Die Bafin startet eine erneute Marktuntersuchung zu Mifid II und hat bei 40 Wertpapierdienstleistern Unterlagen zu jeweils zehn Geschäftsvorgängen angefordert (HB, Paywall) +++ Der Sparda-Bank West ist im Jahr der Fusion mit den Kollegen aus Münster der Gewinn weggebrochen (Börsen-Zeitung) +++ Im Vorstand von Hauck & Aufhäuser sind sie jetzt wieder zu dritt. Neu dabei: Holger Sepp, Ex-Caceis (boerse.de) 

Sponsored Content

Die Ermittlung der BESTEN BANK für Privatkunden erfolgt künftig auf Basis der DIN 77230. In dem einmaligen Bankentest „BESTE BANK vor Ort“, der sich seit Jahren mit festangestellten Testern u.a. an den Grundsätzen ordnungsgemäßer Testkaufdurchführung orientiert, war es schon immer das Ziel, zu testen, ob ein Kunde nicht nur empfohlen bekommt, was er wünscht, sondern auch, was er objektiv braucht.
gesellschaft-fuer-qualitaetspruefung.de

Linktipps

Egal ob bei der NordLB die Finanzinvestoren einsteigen oder die (halb-)staatliche Auffanglösung greift – die niedersächsische Landesbank wird in Zukunft eine ganz andere sein als heute. Börsen-Zeitung

Es ist keine hinreichende Bedingung für die Etablierung eines erfolgreichen Plattform-Banking-Modells, einen CDO zu haben, der weiß, was eine API ist: Eine Kritik von Boris Janek. Finance Zweinull

Liebe Leser*Innen, falls Sie aus irgendeinem seltsamen Grund einen Eid abgelegt haben sollten, an diesem Wochenende nur einen einzigen Artikel zu lesen – dann lesen Sie den hier des Kollegen Seibel von der „Welt“. Das Stück handelt von einer (offenbar sehr soliden) Studie, die der Frage nachgegangen ist, welche Bezahlform am Point of Sale wie viel Zeit in Anspruch nimmt. Sehr spannend! Welt

Und falls Sie ihren Eid brechen wollen: Haben Sie als traditionelle/r Banker bzw. Bankerin manchmal auch das Gefühl, dass es ganz schön viele sogenannte „Fintech-Influencer“ da draußen gibt? Eine kleine Polemik unsererseits. Finanz-Szene.de

Klickfavorit

… war gestern die Tabelle zur Kapitalausstattung der niedersächsischen Sparkassen (Finanz-Szene.de). Hierzu noch ein Hinweis: Eigentlich hatten wir für heute ja eine Analyse zum gesamten Sparkassensektor angekündigt. Aber dooferweise ist uns gestern der Tag so ein bisschen ausgegangen. Und: Wir erhielten ernstzunehmende Hinweise, dass wir bei unserer Schätzung der 340f-Reserven der niedersächsischen Institute (sie lautete: 400-500 Mio. Euro) zu niedrig angesetzt hätten – was dann mal Anlass für eine kleine Medienkritik in eigener Sache wäre. Wir klären das auf und machen nächste Woche alles in einem Abwasch.

*noch ein finaler Hinweis zum „externen Prüfer“ des Hauck&Aufhäuser-Analysten: Es gab 2008 – also vor 11 Jahren – mal eine Gemengelage, in der Wirecard angekündigte, der „Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung“  in die Bilanzen gucken zu lassen. Vielleicht meinte er ja das. Wir wissen es nicht.

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!