01/06/18: HVB steigt aus Finanz-Startups aus, Deutsche-Bank-Schock, Das Frauen-Fintech

Exklusiv: Hypo-Vereinsbank zieht sich aus deutschen Fintechs zurück

Digitalisierung? Auch bei dem Thema wollte Theodor Weimer immer ganz vorn dabei sein. Unter seiner Ägide stieg die Hypo-Vereinsbank beim Fintech-Builder Finleap ein, beteiligte sich an den Berliner Finanz-Startups Solarisbank und MoneyMap, investierte sogar klammheimlich bei den Samwers und bei Earlybird. Nun allerdings ist Weimer nicht mehr da – und das erste, was die HVB tut: Sie macht sich an die Rückabwicklung  der Weimerschen Fintech-Politik, wie gemeinsame Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ zeigen. So hat sich die Hypo-Vereinsbank nicht nur, wie an dieser Stelle bereits gemutmaßt wurde, aus der Solarisbank zurückgezogen, sondern auch ihren 46-prozentigen Anteil an MoneyMap komplett veräußert. Fintech? Ist in der Post-Weimer-Ära offenbar kein originäres HVB-Thema mehr. Sondern, wenn überhaupt, Sache der Mailänder Mutter Unicredit. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

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US-Aufseher erklären Deutsche Bank zum „Problemfall“ – Aktie kracht auf Rekordtief

Nun weiß man also, was es mit dem ominösen Achleitner-Besuch bei der New Yorker Fed kürzlich auf sich hatte: Wie das „WSJ“ und die „FT“ gestern Nachmittag als erste berichteten, stuft die Federal Reserve die US-Tochter des wichtigsten deutschen Geldhauses schon seit rund einem Jahr als eine Art „Problembank“ („in troubled conditions“) ein – was aber erst diese Woche ruchbar wurde, weil die Blaubank offenbar jetzt auch auf einer vergleichbaren Liste der Einlagensicherung FDIC geführt wird. Die Aktie brach infolge der Medienberichte um gut 7% ein und notierte zum Handelsschluss bei nur noch 9,15 Euro – so niedrig war der Kurs weder in der Finanzkrise noch im Zitterherbst 2016 gewesen. Die Deutsche Bank äußerte sich gestern nur knapp zu den Vorgängen. „Laut“ HB soll man das Statement aber offenbar so interpretieren: Es geht in erster Linie um Managementprobleme, nicht um Kapital- oder Liquiditätsprobleme (frei übersetzt: Unsere US-Tochter ist ein Saustall, aber nicht schwach auf der Brust). Ganz vorsichtige Ad-hoc-Einordnung: Sollte das wirklich so sein, dann mag man die heftige Aktienreaktion für womöglich übertrieben halten. Welt, Financial Times (Paywall), Handelsblatt (Paywall)

News

Will die Commerzbank die Deutsche Bank verklagen? Nachdem die Helaba der Société Générale erfolgreich rund 23 Mio. Euro Schadensersatz abgetrotzt hat (siehe „Finanz-Szene.de“ vom 30. April), versuchen nun offenbar auch andere Cum-Ex-Institute, ihre jeweilige Depotbank haftbar zu machen. So erwägen die Commerzbank und M.M. Warburg laut „Handelsblatt“ Klagen gegen die Deutsche Bank. Unterdessen hat die SocGén Berufung gegen das Helaba-Urteil eingelegt. Handelsblatt (Paywall)

Wo ist Theodor Weimer jetzt nochmal Chef? Ach ja, bei der Deutschen Börse. Und in dieser Funktion hat er jetzt die Existenz einer 270 Mio. Euro schweren digitalen „Kriegskasse“ offenbart (so zumindest die angemessen britische Terminologie unser Freunde von „Financial News“). Das Geld ist für Investitionen in Blockchain, Big-Data-Analysen, Cloud, Robotik und Künstliche Intelligenz reserviert – also in jene Technologien, die die Deutsche Börse für die Schlüssel-Technologien der nächsten Jahre hält. Sonst noch was? Ach ja, der Frankfurter Börsenbetreiber hat für 100 Mio. Euro in den USA zugekauft und will 350 Stellen abbauen. FAZ, Financial News (Paywall)

Und noch ein Blick über den Zaun zu den Versicherungsmenschen: Als nächstes Insurtech hat nun auch Friday (also das von Christoph Samwer geleitete Berliner Spin-Off der Schweizer  Baloise) die Lizenz erhalten – und kann seine eigene, kilometergenaue Autoversicherung nun auch selber vertreiben. Pressemitteilung

Linktipps

Erzählen einem die alerten Retailbanking-Consultants nicht immer, dass die PC-Bildschirme in den Beratungsgesprächen so ausgerichtet werden sollten, dass nicht nur der Berater, sondern auch der Kunde auf den Bildschirm gucken kann, und zwar ohne den Hals zu verrenken? Fragten wir uns, als wir das Foto sahen, mit dem ein übrigens auch sonst ganz interessanter Beitrag von Targobank-Vorstand Jürgen Lieberknecht zur Zukunft der Filiale bebildert ist: Der Bank-Blog

So zeitgemäß die Fintech-Szene auch sein will – der Frauenanteil in der Branche entspricht ungefähr dem der Flensburger Feuerversicherung von 1887: … doch warum ist das so? Hat die Kollegin Niehaus die beiden GeschäftsführerINNEN von Whitebox gefragt. Gründerszene

Nur weil Paypal es macht, muss es nicht unbedingt revolutionär sein: Aber vielleicht klicken Sie ja trotzdem mal auf diesen Artikel hier zu Paypals jüngster Akquisition, es handelt sich um ein „Artificial Intelligence“-Startup. PMNTS.com

Und wie immer freitags und revolutionär wir immer: Die „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… ich hier aus Märkten und Unternehmen oft mehr und Anderes erfahre als in anderen Medien. Gekonnt kühlt dieser Newsletter mit Mut, einem eigenen Blick und viel Hintergrundwissen manche ‚brandheiße‘ Nachricht über bzw. aus Fintechs und Banken wieder auf Betriebstemperatur herunter. Ich teile nicht alle Einordnungen, aber ich schätze sie.“

Andreas Krautscheid ist Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands – und einer von mittlerweile mehr als 6000 Abonnenten.

Hinweis

Liebe LeserInnen, aus zahlreichen Rückmeldungen in den letzten Wochen schließen wir, dass 1.) die Rubrik „Ich lese Finanz-Szene.de, weil …“ bei vielen von Ihnen sehr beliebt ist. Natürlich wissen wir 2.), dass das Tag für Tag eine tolle Referenz für unseren kleinen Newsletter ist. Und 3.) Es ist nicht so, dass uns die vorzeigbaren Leser ausgingen, im Gegenteil.

Jetzt das große Aber: Diese Rubrik jeden Tag zu füllen, verschlingt mehr Ressourcen, als man von außen vielleicht meint. Und spätestens, wenn demnächst das große Sommergähnen beginnt,  wollen wir wieder alle freien Ressourcen in das Ressort „Recherche“ stecken  – denn wenn wir Ihnen wochenlang jeden Morgen um fünf Uhr entgegengähnen, hat keiner was davon. Drum: Die Rubrik wird nicht eingestellt, kommt aber vorerst nicht mehr täglich, sondern nur noch wöchentlich.

Ihnen ein schönes Wochenende! Wir sind turnusgemäß am Dienstag wieder für Sie da. Sollte dem „Ressort Recherche“ allerdings ein Überraschungserfolg gelingen oder sollte irgendwas Großes passieren da draußen – dann schon am Montag.

Herzlichst, Heinz-Roger Dohms