02/03/18: Bankensterben in Zahlen, Ist die Coba die bessere Sparkasse?, LBBW glänzt

Wie viele Banken sterben in Deutschland wirklich?

… und noch eine Frage: Einmal angenommen, die aktuelle Sterberate ließe sich bis 2030 fortschreiben, gäbe es in Deutschland dann wirklich nur noch 150 bis 300 Banken, wie die Consultants von Oliver Wyman neulich behauptet haben? Wer heute Früh die „SZ“, die frischesten Barkow-Zahlen und einen CAGR-tauglichen Taschenrechner in die Hand nimmt, der kommt zu folgenden Antworten: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Banken um hochgerechnet 4,7 Prozent auf rund 1800 zurückgegangen (warum hochgerechnet? Weil die Zahl auf „nur“ 91 Prozent des Marktes beruht). Diese 4,7 Prozent bedeuteten zwar die höchste Sterberate seit 2003, würden aber bei einer entsprechenden Fortschreibung trotzdem nicht einmal annähernd ausreichen, um auf die Zahlen von Wyman zu kommen. Sondern: Man würde bei rund 960 Banken landen. Wollte man bei 300 Banken landen, dann müsste man stattdessen von einer Sterberate von rund 13 Prozent ausgehen. Und um auf 150 zu kommen, wären es sogar rund 17,5 Prozent. Nun sei hinzugefügt: Der Ausgangswert von Wyman (1600 Banken) ist, warum auch immer, nicht der der Bundesbank (rund 1900 Banken per Ende 2016). Und: Wyman geht – was per se nicht unplausibel ist – von einer „Beschleunigung des Prozesses“ aus. Diese Beschleunigung müsste dann aber i.d.T. seeehr kräftig sein.

Süddeutsche, Barkow Consulting, CAGR-tauglicher Taschenrechner

News

Wie sich die Commerzbank regional als bessere Sparkasse positionieren will … zeigt das Beispiel Stuttgart, wo die Coba 2017 in der Baufinanzierung um 20 Prozent gewachsen ist und im KMU-Bereich mit Kampfkonditionen wirbt. Stuttgarter Zeitung

Ösi-Hedge-Fonds legt nach gegen die Comdirect: Seit dem ersten Brandbrief im vergangenen September sei bei der Tochter nichts passiert, wettert der aktivistische Investor „Petrus Advisers“ in einem Schreiben an Commerzbank-Chef Zielke. „Sie haben unseren Brief sowie die von uns öffentlich bereitgestellten Unterlagen zu den nicht genutzten Potenzialen bei Comdirect ignoriert. Ihr Comdirect-Management-Team brüstet sich mit Erfolgen, die es nicht gibt.“ Handelsblatt (Paywall)

Die großen Beratungshäuser bauen ihre deutschen Banking-Teams wegen des Brexits deutlich aus: Neben den „Big Four“ – also PwC, EY, Deloitte und KPMG – werden auch die klassischen Strategie-Consultants in den nächsten Jahren stark auf das Thema Brexit-Beratung setzen, schreibt das Finance-Magazin.

Frohe Botschaft für die HSH: Moody’s prüft, die Landesbank, die demnächst keine Landesbank mehr ist, heraufzustufen. Begründung: Durch den Verkauf könne sich das Finanzprofil womöglich deutlich verbessern, unter anderem, weil die Ratingagentur davon ausgeht, dass die neuen Eigner die Risiken deutlich abbauen werden. (Falls Sie sich fragen, wo das Rating im Moment steht: Baa3. Also so gerade noch Investmentgrad) Handelsblatt

Und nun noch der Wetterbericht für Süddeutschland: Während das Vorsteuerergebnis der Münchner PBB im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel gesunken ist (auch weil es 2016 einen satten Sonderertrag gegeben hatte), hat sich der Vorsteuergewinn der Stuttgarter LBBW mehr als verdreifacht (auch weil es 2016 Sonderabschreibungen auf die SachsenLB gegeben hatte). Auffällig: Das Kapitalmarktgeschäft trug bei der LBBW satte 194 Mio. Euro zum Ergebnis bei. Vielleicht ein Vorbild für die ein oder andere Bank im Verbreitungsgebiet Hessen? dpa/HB (PBB), Handelsblatt (LBBW), Börsen-Zeitung (LBBW), Finance-Magazin (mit einem kritischen Blick auf das Firmenkundengeschäft der LBBW)

Beyond.de

Credit Suisse und ING Groep feiern sich für geglückte Blockchain-Transaktion: Die beiden Großbanken haben auf Basis der „Distributed Ledger Technologie“ Staatsanleihen  im Wert von 25 Mio. Euro hin- und hergeschoben. Die CS nennt das Experiment „bahnbrechend“. Finews

Lesetipps

Warum sich nicht nur die Credit Suisse … sondern auch die LBBW als Blockchain-Innovationsführer sieht. Stuttgarter Zeitung, Börsen-Zeitung (Paywall), FAZ (Seite 20)

Die Blockchain in 20 Minuten: Der Payment-Experte Kilian Thalhammer gibt eine hilfreiche Einführung ins Thema (dankenswerterweise mit Schwerpunkt auf Kryptowährungen und Anwendungen im Finanzbereich). Paymentandbanking

Die Blockchain an einem Tag: Wer etwas mehr Zeit mitbringt und Zugang zum Research von Berenberg hat (oder jemanden kennt, der Zugang zum Research von Berenberg hat und es mit Copyright-Disclaimern nicht ganz so genau nimmt) …, den wollen wir auf die dieser Tage an ausgewählte Berenberg-Kunden verschickte 75-Seiten-Studie „Blockchain: challenging long power, short payments“ aufmerksam machen.

Kann es sein, dass McKinsey noch gar nicht begonnen hat, seine gestern ins Netz gestellte Fintech-Studie im deutschsprachigen Raum zu vermarkten? Na, dann übernehmen wir das mal. Es geht, kurz gesagt, um den Nutzen von neuer Finanztechnologie in der Kapitalmarkt-Infrastruktur. Wenn das ein Thema ist, von dem Ihr Chef meint, Sie müssten sich damit auskennen … voilà: McKinsey (PDF)

„Wir müssen Ähnliches bieten können wie Google“: Wie Postbank-Chef Frank Strauß sein Institut auf den Kampf mit den Tech-Giganten vorbereitet. Handelsblatt (Paywall)

Und wenn Sie dem inneren Nerd auch an diesem Wochenende wieder nachgeben wollen, … dann haben wir (wie immer freitags und wie immer frisch gebügelt) auch heute wieder die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs für Sie. DZ Bank

Klickfavorit

… war gestern unser Exklusiv-Stück, wie die höheren Kontogebühren die Bilanzen der deutschen Retailbanken retten. Finanz-Szene.de