05/04/19: Große HVB/Coba-Analyse, Commerzbank kappt IT-Budget, N26-Shitstorm

Ist die Unicredit so stark ist, wie sie tut? Unsere Analyse zu den (angeblichen) HVB/Coba-Plänen

War gestern nicht der Tag, an dem die Commerzbank-Aktie mal so richtig durch die Decke hätte gehen müssen? Das gelbe Entlein, umgarnt nicht mehr nur von der Dt. Bank, sondern auch von der Unicredit, die überlegt, ihre hiesige Tochter HVB mit der Coba zu verschmelzen … So zumindest berichtete es gestern Morgen die „Financial Times“ (Paywall), und es las sich so, als könnte an der Geschichte wirklich was dran sein. Doch was tat die Commerzbank-Aktie? Stieg gerade mal um 2,7%, was angesichts der Gemengelage dann doch ein dürrer Aufschlag war. Warum so wenig? Erste These: Die Investoren sehen in den HVB/Coba-Spekulationen bloß ein (von wem auch immer inszeniertes) Manöver. Zweite These: Die Investoren sind von der Kombi nicht wirklich überzeugt. Denn auch wenn das Bündnis auf den ersten Blick seinen Reiz hätte (zwei führende Player im Firmenkunden-Geschäft bündeln ihre Kräfte …) – wäre die Unicredit wirklich der starke Partner, der die Coba wieder flottmacht? Unsere Analyse: Finanz-Szene

Weitere Links zum Thema

  • Deutschland-Karte mit den (historisch bedingt auf den Süden und den Norden konzentrierten) Filialen der HVB: Finanz-Szene.de
  • Auf einen Blick: Die wichtigsten Kennzahlen von Deutscher Bank, Commerzbank und Unicredit im direkten Vergleich: Finanz-Szene.de
  • Warum der Coba-Vorstand ein Übernahmeangebot der Unicredit als „feindlich“ erachten würde. Süddeutsche
  • Die „BÖZ“ sieht die Unicredit (und damit auch eine Kombi HVB/Coba) deutlich positiver als wir. Im Sinne der Meinungsvielfalt: Börsen-Zeitung

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News

Das Mea Culpa des Valentin Stalf: Erinnern Sie sich noch ans Frühjahr 2016? Auch damals sah sich die Berliner Smartphone-Bank N26 massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt (weil hunderten offenbar unliebsamen Kunden das Girokonto gekündigt worden war) – doch so schnell, wie der Shitstorm gekommen war, zog er auch wieder vorüber. Die Auswirkungen auf die geschäftliche Entwicklung? Mehr oder weniger gleich Null. Und diesmal – nachdem letzte Woche massive Probleme bei der Sicherheit und im Kundenservice bekannt wurden und die Kritik auch jetzt wieder heftig ausfällt, selbst in der eigenen Community?

… glaubt man N26-Chef Stalf, dann kann auch der neuerliche Shitstorm seinem Unternehmen nichts anhaben. „Die Diskussion schlägt sich nicht durch auf unsere Anmeldezahlen“, sagt er heute Morgen im Interview mit „Gründerszene“. Ein Unterschied zwischen 2016 und 2019 lässt sich allerdings dann doch erkennen: Stalf gibt sich heute deutlich zugänglicher für Kritik („Unsere Kommunikation war nicht gut“, „Der Kundensupport hat in einigen Fällen sehr schlecht funktioniert“) als damals. Gründerszene

Im heutigen FAZ-Stück zu Unicredit-Commerzbank findet sich eine (wenn sie denn stimmt …) interessante Randinformation: Demnach hat eine interne Cost-Cutting-Kommission die Be­reichs­vor­stän­de und Bereichslei­ter auf­ge­for­dert, zu­sätz­li­che Spar­vor­schlä­ge zu ma­chen. Dabei gehe es vor allem um die IT-Budgets, die letztes Jahr noch bei rund 1 Mrd. Euro gelegen hätten, wohingegen für dieses Jahr bislang erst 0,7 Mrd. Euro eingeplant seien. FAZ (Paywall)

Und nochmal Coba, diesmal im Fintech-Kontext: Die Immobilientochter Commerz Real hat sich mit 24,9% an der Crowdinvesting-Plattform Bergfürst beteiligt. Muss man darin nun einen Ritterschlag für den Berliner Anbieter sehen (wie es Gründer Guido Sandler verständlicherweise tut)? Naja, zumindest ist es ein Achtungserfolg für das (von vielen Banken lange Zeit skeptisch betrachtete) Immo-Crowd-Modell als solches. Ein paar eilig recherchierte Fakten zu Bergfürst: Laut dem (vertrauenswürdigen) „Marktreport Crowdinvesting“ waren die Berliner im vorigen Jahr mit einem vermittelten Volumen von 13,1 Mio. Euro und einem Marktanteil von 6,2% die Nummer fünf im deutschen Markt (klare Nummer 1 mit rund 60%: Exporo). Laut dem jüngst veröffentlichten Jahresabschluss erlitt Bergfürst 2017 einen Bilanzverlust von 5,2 Mio. Euro, wobei auf das Jahr selber nur ein Fehlbetrag von rund 350.000 Euro angefallen sein dürfte. Wiwo 

Viel Wirbel um Nichts: Hach, waren das schöne Spekulationen, die da in den letzten Wochen zur Nachfolge von Deka-Chef Rüdiger kursierten (der Union-Investment-Chef Reinke könne es werden, schrieb gleich mehrmals die „BÖZ“) … stattdessen: Ist es nun doch die 0-8-15-Lösung geworden, von der man ursprünglich dachte, die würde es eh werden: Georg Stocker steigt vom Vize zum Chef auf. Ein (überlebens?)wichtiger Erfolg übrigens für den DSGV-Präsidenten (und Deka-AR-Vorsitzenden) Schleweis, um dessen Standing man sich (noch mehr) Sorgen gemacht hätte, wenn er diese (vom ihm eindeutig favorisierte) Personalie nicht hätten durchsetzen können. Spon

Kurzmeldungen: So, jetzt steht auch fest, wie viel Verlust die NordLB im vergangenen Jahr genau gemacht hat, es waren 2,4 Mrd. Euro (Welt/Bloomberg) +++ Ehre, wem Ehre gebührt: Der bankeneigene Bezahldienst Paydirekt (dessen unbändige Innovationskraft auch wir hier von „Finanz-Szene.de“ in unserer Berichterstattung immer wieder positiv hervorheben) ist als „Innovator des Jahres“ ausgezeichnet worden (IT-Finanzmagazin) +++ Die BayernLB verzichtet (wenn wir es richtig verstehen) auf einen kleinen Teil ihrer Forderungen gegenüber der Heta, könnte dafür aber von dem größeren Teil (2,4 Mrd. Euro) mehr wiedersehen als bislang gedacht (SZ) +++ In dem weiter oben angeteaserten N26-Interview findet sich noch eine spannende News: Diana Schröter, langjährige „Head of Customer Service“, hat das Fintech Ende März verlassen. Laut ihres mutmaßlichen Linkedin-Profils arbeitet sie jetzt für die Kommunikations-Plattform Twilio (Linkedin) +++ Der Main-Incubator (also der Frühphasen-Investor der Coba) investiert ins Abrechnungs-Fintech Circula (Gründerszene)

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Linktipps

Wie die neuen Payment-Dienste den Banken den Rang ablaufen. Eine Bestandsaufnahme von Edel-Blogger Dirk Elsner. Capital

„Hab mir jetzt die zweite Karte gesperrt, weil …“: Noch ein knapper, aber relevanter Gedanke zu Apple Pay. Twitter

Laut „Bloomberg“ haben die 16 größten westlichen Banken seit der Finanzkrise rund 800.000 Stellen gestrichen. Zugleich schufen neun dieser Geldinstitute aber auch 76.000 neue Jobs. Wer und warum? Bloomberg

Wenn es Banken im digitalen Zeitalter nur noch auf dem Desktop bzw. auf dem Handy-Bildschirm gibt – steigt dann in Krisenzeiten womöglich die Gefahr von Bank-Runs? FT Alphaville (registrier-, aber nicht bezahlpflichtig)

Klickfavorit

… waren gestern unsere gesammelten Leser-Blogs zur „Deutschen Commerz“. Finanz-Szene.de