06/02/18: Bitcoin-Crash, Deposit Solutions, Penta, Angst vor den Gafas

Bundesbank-Studie: Können höhere Gebühren die Sparkassen retten?

Was können Deutschlands Sparkassen tun, um in Zeiten sinkender Zinseinnahmen die Erträge zu stabilisieren? Dieser Frage hat sich in bemerkenswerter Tiefe ein Forscherteam der Bundesbank gewidmet. Dazu griffen die Ökonomen auf einen anonymisierten Datensatz zurück, der sämtliche Jahresabschlüsse von 416 Sparkassen zwischen 2002 bis 2013 enthielt. Die Ergebnisse? Sind nicht spektakulär, aber interessant: So lernt der Leser, dass bei manchen kommunalen Geldhäusern mehr als 70 Prozent aller Gebühren aus dem Zahlungsverkehr (spricht: Konto und Karte) stammen – und das war wohlgemerkt vor der großen Gebührenerhöhungswelle. Andere Provisionen hingegen, etwa aus dem Aktiengeschäft oder der Vermittlung von Versicherungen, Fonds und Bausparverträgen, spielten bei diesen Instituten kaum eine Rolle. Die Autoren kommen letztlich zu dem Ergebnis, dass Sparkassen mit hohen Gebühreneinnahmen profitabler sind als Institute, die sich in erster Linie auf das Zinsgeschäft verlassen. Dabei gehen die Forscher auf eine Frage allerdings nicht ein: Wie lange machen die Kunden das mit?

Bundesbank-Studie (PDF)

News

Deposit Solutions zündet die nächste Ausbaustufe: Das Hambuger „Wir sind mehr als 200 Mio. Euro wert“-Fintech eröffnet in gleich sechs europäischen Ländern bzw. Regionen eigene Dependancen. Dabei betont der Einlagen-Spezialist („Zinspilot“), dass es sich bei den lokalen Gebietsdirektoren nicht um irgendwelche Startup-Bürscherl handele, sondern um gestandene Manager, die zuvor „u.a. bei Goldman Sachs, RBS, Unicredit, Barclays, Julius Baer und Accenture“ gearbeitet hätten. Lustig ist das: Banken wollen jetzt wie Fintechs rüberkommen. Und Fintechs wie Banken. Pressemitteilung

Challenger-Bank Penta sammelt 2,2 Mio. Euro ein: Damit können die Berliner jetzt endlich mal zeigen, ob sie mehr als cleveres Marketing beherrschen. Gründerszene

Die Naga AG für Connaisseure: Wenn Sie nichts Besseres zu tun haben heute Früh, dann vergleichen Sie doch mal die „vorläufigen ungeprüften 2017er-Zahlen“ des Hamburger Supi-Fintechs mit den „korrigierten vorläufigen ungeprüften 2017er-Zahlen“ des Hamburger Supi-Fintechs. Und dann ziehen Sie als Sekundärquelle noch diesen Bericht hier hinzu.  Und wenn Sie sich dann immer noch keinen Reim drauf machen können – dann geht es Ihnen so wie uns.

Berenberg rehabilitiert sich für das schwache Vorjahr: Na, schau an, die letzte deutsche Gel-Banker-Bank kann es ja doch noch. Nachdem der Provisionsüberschuss (und auf den kommt es bei Berenberg an) 2016 eingebrochen war, hat er 2017 wieder deutlich auf 343 Mio. Euro zugelegt. Der Lohn: Eine Eigenkapitalrendite von 43 Prozent, und das diesmal, soweit ersichtlich, ganz ohne Einmaleffekte. Wenn trotzdem ein kleiner Kritikpunkt erlaubt ist: Das verwaltete Vermögen vermehrte sich schon wieder nur in homöopathischer Dosis, nämlich von 40,7 Mrd. Euro auf 41,5 Mrd. Euro. Pressemitteilung, Reuters/HB

Die KfW gewinnt immer: Ach, Staatsbanker müsste man sein. Steigert die KfW ihr Ergebnis, dann freuen sich alle, weil der Bundeshaushalt profitiert. Und sinkt der Gewinn, dann freuen sich alle, weil die Förderbank es in edler Selbstbescheidung schafft, ihr Mandat nicht zu überdehnen. Was 2017 der Fall war? Letzteres. Reuters

Beyond Banking

Die Banken geben dem Bitcoin den Rest … Die Krypto-Währung ist gestern Abend erstmals seit November unter die Marke von 7000 Dollar gerutscht – und hat damit im Vergleich zu ihrem Höchststand im Dezember ziemlich genau zwei Drittel ihres Werts verloren.  Zum neuerlichen Absturz trug auch bei, dass verschiedene Großbanken ihren Kunden den Bitcoin-Kauf per Kreditkarte  untersagt hatten. Bloomberg, Manager Magazin

… und in den USA crasht der Dow: Zugegeben, was an der Börse so vor sich geht, interessiert uns bei „Finanz-Szene.de“ normalerweise nicht die Bohne. Aber lesen Sie doch mal, was gestern Abend im späten US-Handel passiert ist … Manager Magazin

Lesetipps

Warum die Digitalisierung für viele traditionelle Banken in Wirklichkeit ein Glücksfall ist … erklärt Thomas Dapp, der Fintech-Vordenker der KfW. Der Bank-Blog

Europas Großbanker fürchten die Gafas: Techkonzerne wie Amazon oder Facebook schicken sich an, die herkömmlichen Banken zu ersetzen, warnt BBVA-Chairman Gonzales – und ruft die Politik zu Hilfe. ING-Chef Ralph Hamers sieht die Dinge ähnlich. Financial Times (Paywall)

Warum die Deutsche Bank im Grunde gar nicht anders kann, als Ihr Schicksal in die Hände der Boni-Banker zu legen … erläutert Christian Kirchner. Capital

Ohne erkennbaren Anlass … porträtiert die „Frankfurter Allgemeine“ einfach mal das Finanz-Startup Mybucks. Diese beneidenswerte Unbekümmertheit in der Themenauswahl möchte wir mit einem Link belohnen: FAZ

Karriere

Wo Berenberg überall neue Stellen schafft: Vielleicht ist ja auch für Sie was dabei … efinancialcareers

That’s not news

Weil wir samstags, sonntags und montags nicht erscheinen (und auch nicht vorhaben, das künftig zu tun), finden Sie immer im Dienstags-Newsletter einen kurzen Rückblick auf das, was Sie vermutlich gar nicht verpasst haben, weil Sie ja auch andere Medien nutzen.

  • Ehemalige Postbank-Aktionäre piesacken das Topmanagement der Deutschen Bank mit Strafanzeige. Spiegel
  • Nachdem die 2017er-Zahlen noch schlimmer ausgefallen sind als befürchtet, wächst der Druck auf Deutsche-Bank-Chef Cryan. Handelsblatt

Klickfavorit

… war am Freitag die mittlerweile berühmt-berüchtigte Oliver-Wyman-Studie. PDF