06/07/18: Traumgehälter bei Naga, „Dieses Fintech ist mir unbekannt“, Null-Frauen-Quote

Sieh mal einer an: Die Commerzbank hat für ihre Digitalbank sogar schon eine GmbH gegründet …

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – dieses Motto gilt dieser Tage  bei der Commerzbank in Bezug auf ihr digitales Geheimprojekt „Copernicus“ (an dem die Coba zurzeit gemeinsam mit der polnischen Tochter mBank tüftelt, siehe unsere gestrige Ausgabe). Selbst Gelbbanker, die sonst zu fast allen Themen was zu sagen haben, winken diesmal ab: „Ich weiß nichts.“ Handelt es sich bei den Plänen zum Aufbau einer paneuropäischen Digitalbank am Ende vielleicht um ein Hirngespinst unbekannter polnischer Wirtschaftszeitungen bzw. halbseidener deutscher Finanz-Newsletter? Wir würden weiterhin behaupten: Nein!  Denn ein Blick ins Handelsregister verrät, dass die Commerzbank schon vor Monaten eine „Copernicus Germany GmbH“ gegründet hat. Gegenstand: „Vorbereitung der Gesellschaft auf die künftige Erbringung von Bankgeschäften …“ Zwei Geschäftsführer und drei Prokuristen hat die Firma. Und zwar nicht irgendwelche Strohleute. Sondern eine kleine Auslese hochrangiger Coba- und mBank-Digitalbanker (btw: Wo sind eigentlich die Comdirect-Leute???). Hier alle Details: Finanz-Szene.de

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News

„Dieses Fintech ist mir unbekannt“: In einer Studie der Beratungsfirma Consileon sind wir auf ein kleines Fundstück gestoßen. Demnach kannten lediglich 42% der befragten SME-Banker die Finanzierungsplattform Creditshelf, der Multibanking-Service Figo sagte nur 33% etwas, und der Cashflow-Optimierer Traxpay kam gar bloß auf 17%. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, aber vielleicht ja doch ein kleines bisschen bezeichnend. Studie (PDF)

Zwei Banken, ein Problem: Hieß es nicht unlängst noch, viele Kreditinstitute drohten in vorzeitigen Tilgungen zu ertrinken? Naja, die KfW und die Aareal sind jetzt jedenfalls vom gegenteiligen Phänomen betroffen. Bei der Förderbank hat das zur Folge, dass der Refi-Bedarf in diesem Jahr um stolze 5 Mrd. Euro steigen könnte, der Wiesbadener Immobilienfinanzierer wiederum sorgt sich (jedenfalls so ein bisschen) um seinen Zinsüberschuss. Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. Reuters/HB (Paywall), Börsen-Zeitung

Der Deutsche Sparkassenverlag übernimmt den Marketingdienstleister S-Direkt komplett: … was außerhalb des öffentlich-rechtlichen Bankenbiotops vermutlich niemanden interessiert. Aber wir sind ja auch (und übrigens sehr gerne) für die Sparkassen-Menschen da.  Börsen-Zeitung (Paywall), Pressemitteilung

Aus der Szene

Die Naga AG (also das gelistete Hamburger Fintech, das mit Fosun, Hauck & Aufhäuser sowie der Deutschen Börse verbandelt ist) hat nun doch einen Jahresabschluss für 2017 vorgelegt (den Sie hier mithilfe des Passworts „naga2017“ herunterladen können): Auch wenn uns für eine eingehende Analyse die Zeit fehlte, empfehlen wir Ihnen, einfach mal auf Seite 13 des Berichts zu scrollen. Da sehen Sie nämlich, welch wohltuende Wirkung der Naga-ICO über den Umweg einer kleinen Beratungsleistung offenbar auf das Naga-Ebitda hatte. Einen Blick wert ist auch die vorletzte Seite. Da erfährt man nämlich, dass die drei Vorstände ein Fixgehalt von jeweils 240.000 Euro erhielten, was im Vergleich zum Vorjahr fast einer Verdreifachung entsprach. Da werden andere Fintech-C-Level-Menschen vor Neid erblassen. In formeller Hinsicht ist schließlich interessant, dass dem Abschluss ein Testat fehlt. Nach eigener Aussage braucht die Naga AG ein solches auch nicht. Trotzdem will man zeitnah einen Prüfbericht vorlegen und veröffentlichen, heißt es.

Linktipps

Warum Kooperationen zwischen Banken und Fintechs in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt sind – so jedenfalls die These dieses Artikels hier: Payments Source

Warum deutsche Banken durch Basel IV übermäßig belastet werden: Erklärt der (in dieser Frage natürlich nicht völlig neutrale) BayernLB-Chef und VÖB-Präsident Johannes-Jörg Riegler. Der Bank-Blog

Warum das noch nicht alle Linktipps für heute waren: Weil wir in tiefer genossenschaftlicher Verbundenheit wie immer freitags auf die „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs verweisen.

Karriere

Wie sich die Schiffskrise auf die Gehälter der NordLB-Mitarbeiter auswirkte: Die Hannoversche Landesbank brachte 2017 keinen einzigen Einkommensmillionär hervor – und kam auf einen Bonuspool von 32.516 Euro. Wohlgemerkt für die gesamte Belegschaft. efinancialcareers

Die schwedische SEB stellt zwar jeden Monat gut 100 Leute ein – darunter aber kaum noch Banker. Bloomberg

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über das Commerzbank-Geheimprojekt „Copernicus“. Finanz-Szene.de

Back-End

Als neues Diversity-Medium Ihres Vertrauens freut sich „Finanz-Szene.de“, Ihnen heute mitteilen zu dürfen, dass die BMW-Bank ihr ambitioniertes Quotenziel zur Förderung von Frauen in Top-Positionen souverän erreicht hat. Aber lesen Sie selbst:

„Bei der Zusammensetzung der Geschäftsleitung und des Aufsichtsrats ist Diversity ein weiterer Aspekt, dem die Gesellschafterin Beachtung schenkt. Die Gesellschafterin strebt eine angemessene Vertretung von Frauen in beiden Gremien an und hat (…) Zielgrößen für beide Gremien festgelegt (…). Die gesetzten Zielgrößen von einer Frau im Aufsichtsrat und keiner Frau in der Geschäftsführung wurden erreicht.“

Quelle: Offenlegungsbericht der BMW-Bank für 2016, Seite 11

Ihnen, liebe Leserinnen, trotzdem ein schönes Wochenende. Und Ihnen, liebe Leser, natürlich auch. Heinz-Roger Dohms