07/05/18: Finanz-Startups kosten dt. Banken 1,5 Mrd. € Ertrag, Lea entzaubert N26, Erstes Islam-Fintech

Exklusiv: Fintechs kosten deutsche Retail-Banken schon jetzt bis zu 1,5 Mrd. Euro Ertrag pro Jahr

Wie weh tun die Fintechs den deutschen Banken wirklich? Zu dieser Frage gab es bislang kaum belastbare Zahlen. Entsprechend bedeutsam ist eine neue, „Finanz-Szene.de“ exklusiv vorliegende Oliver-Wyman-Studie. Die kommt nämlich – aus unserer Sicht plausibel hergeleitet – zu dem Ergebnis, dass die Fintech-Revolution die hiesigen Institute in deren Retail-Geschäft schon jetzt bis zu 1,5 Milliarden Euro Ertrag pro Jahr kostet. Der größere Teil dieser Erträge, nämlich an die 900 Millionen Euro, wechselt sozusagen die Seite – landet also nun bei den Fintechs. Bei den übrigen bis zu 600 Millionen Euro geht es um indirekte Effekte z.B. in dem Sinne, dass durch erhöhte Transparenz und Konkurrenz die Margen bröckeln. In diesem Falle profitieren also nicht die Fintechs, sondern die Kunden. Bleibt zu fragen: Wie kommt Oliver Wyman auf diese Zahlen? Wo genau fallen die Erträge weg? Welche Finanz-Startups profitieren? Und wie dürften sich die Zahlen in den nächsten Jahren entwickeln? Hier alle Details: Finanz-Szene.de

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News

Exklusiv – Erstes Islam-Fintech unmittelbar vor Deutschland-Start: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ will die türkische Scharia-Bank Albaraka hierzulande mit einem rein digitalen Produkt an den Start gehen. Das „Insha“ getaufte Mobile-Angebot soll zunächst nur aus einem Girokonto, einer Debitkarte sowie den grundlegenden Zahlungsfunktionen bestehen. In einer späteren Entwicklungsstufe sind dann aber auch Kreditangebote geplant (womit die Sache spannend wird, weil islamisches Banking ja auf dem Prinzip der Zinslosigkeit beruht). Eine Bafin-Lizenz braucht die Albaraka-Bank anscheinend nicht. Stattdessen bedient sich „Insha“ in regulatorischer und technologischer Hinsicht einer Kooperation mit dem Berliner White-Label-Anbieter Solarisbank. Und falls uns irgendein Leser die Geschichte aus welchen Gründen auch immer nicht abnimmt – hier ist die noch etwas beta-phasen-mäßig anmutende Landing-Page: https://www.getinsha.com/de#

Sparen aus Leidenschaft, Vol. I: Die Deutsche Bank demonstriert jetzt, wie ernst ihr die Sache mit den Kürzungen ist, und schließt ihr Büro in Houston. Von dort aus bediente die Bank bislang Corporate-Finance-Kunden aus der Öl- und Gasindustrie. Wall Street Journal (Paywall), Bloomberg/Welt

Sparen aus Leidenschaft, Vol. II:  Zudem will die Deutsche Bank bis 2021 ihr langjähriges New Yorker Hauptquartier (das mitten im Finanzviertel liegt) aufgeben, um sich stattdessen auf kleinerer Fläche mitten in Manhatten anzusiedeln. Bloomberg

Sparen aus Leidenschaft, Vol. III: Diesem Investmentbanker braucht die Deutsche Bank schon mal nicht mehr zu kündigen (wobei fraglich ist, ob sie den denn überhaupt hätten loswerden wollen) – Thomas Piquemal, bislang weltweit für das M&A-Geschäft verantwortlich, wechselt nämlich zur französischen Holding-Firma Fimalac, sprich: zu der Gesellschaft, die jahrelang hinter Fitch stand, sich nun aber von ihren restlichen Anteilen an der Ratingagentur trennt. Angeblich will die Deutsche Bank Piquemals Posten nicht neu besetzen. Bloomberg/Welt

Die „Roten“ drücken bei Instant Payment aufs Tempo: Dass die Frankfurter Sparkasse zu den Vorreitern bei Echtgeld-Überweisungen gehört, hatten wir Ihnen kürzlich ja schon mitgeteilt. Das „Handelsblatt“ gibt nun einen Überblick, was die anderen öffentlich-rechtlichen Institute machen – und vor allem: wo der neue Service wie viel kostet. HB

Aus der Szene

Nachdem wir Fintech-PR in diesem Newsletter schon so oft kritisiert haben, hier mal ein Beispiel, wie gute Fintech-PR funktioniert: Wenn man a) inhaltlich was Belastbares zu berichten hat, dann ist es nicht unclever, das Ganze b) entsprechend zu tranchieren, um ein Maximum an Aufmerksamkeit zu erzielen. Genau so exerziert das dieser Tage der  Online-Versicherungsmakler Clark, der am 19. April seine White-Label-Lösung präsentierte, der am 25. April seine 24-Mio-Euro-Finanzierung verkündete (aber natürlich „in Dollar“, weil das nach mehr klingt), und dem dann am 4. Mai einfiel, dass er für seine 14 Tage vorher präsentierte White-Label-Lösung ja sogar schon einen Kunden hat (und nicht den schlechtesten). Bevor andere Fintechs jetzt aber auf die Idee kommen, aus einer Pressemitteilung drei zu machen und die ohnehin schon üppigen Etats bei Hering Schuppenbär, Edelmann Aggro oder Fakekontor entsprechend zu verdreifachen … – entscheidend bleibt das „a“. Und bei dem kann der Schuppenbär leider nicht helfen.

Linktipps

Wenn aus „weniger als 8 Minuten“ 33 Stunden werden: Die junge Kollegin Lea Nischelwitzer hat versucht, ein Konto bei N26 zu eröffnen – und dabei eine kleine Odyssee erlebt. Handelsblatt Orange

Was steckt hinter dem Abgang von Donata Hopfen bei Verimi? Wie aus einem Gerangel um Kompetenzen ein Zerwürfnis wurde (so jedenfalls die kolportierte Darstellung). Süddeutsche, Handelsblatt (Paywall)

Wer sich schon mal auf die Commerzbank-HV am morgigen Dienstag einstimmen will, der sollte heute Morgen nicht „Finanz-Szene.de“ lesen, sondern das „Handelsblatt“: Die Kollegen aus der schönsten aller Stadt zwischen Neuss und  Mettmann haben sich nämlich zum einen mit der Bilanz der Gelbbank auseinandergesetzt (Tenor: Bei den Kosten geht’s in die richtige Richtung, bei den Erträgen nicht) und wagen zum zweiten die analytisch unterfütterte Behauptung, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Commerzbank übernommen werde. Anm.: Beide Artikel verbergen sich hinter der Paywall.

„Eine ‚Sparkasse Bayern‘ wird es nicht geben“: Am Beispiel des hessischen Genosektors hatten wir ja neulich bereits skizziert, wie lokale Institute allmählich zu regionalen Instituten mutieren. Das soll aber nicht heißen, dass aus Volksbanken und Sparkassen bald neue „Landesbanken“ werden – betont jedenfalls für seinen Sprengel und seine Institute der Präsident der bayerischen Sparkassen. Handelsblatt

Warum JP Morgan sein Investmentbanking nicht mit einem Investmentbanker verstärkt …, sondern mit einer AI-Forscherin von der Carnegie Mellon University. Trib Live

Und erinnern Sie sich noch, wie wir letzte Woche beklagt haben, dass sich niemand findet, der die (vermutete) Megarelevanz der Blockchain für die Zukunft des Bankings einfach mal infrage stellt (und sei es nur um der Antithese selber willen?): Unsere wunderbare Leserschaft wäre nicht unsere wunderbare Leserschaft, hätte sich nicht umgehend ein Leser gefunden (in diesem Fall: Herr F. von der Consultingfirma B.), der uns mit einem entsprechenden Link versorgt.  Konkret geht es um einen Mitte März bei Linkedin erschienenen Beitrag von Patrick McConnell zum Ende des Blockchain-Experiments bei Swift. Linkedin

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter so „to the point“ geschrieben ist, dass ich ihn auch wirklich regelmäßig lese, um einen umfassenden Überblick zu erhalten, was in Deutschland Spannendes läuft.“

Andreas Kubli ist „Head Multichannel Management & Digitization“ bei der UBS Schweiz – und einer von mittlerweile mehr als 5500 Abonnenten

Klickfavorit

… war am Freitag unser Beitrag über das „Erdbeben“ bei Kreditech (wobei sich, was wir nicht verschweigen wollen, weil wir, ohne Habermas je im Original gelesen zu haben, den deliberativen Diskurs natürlich megacool finden … ähem, wo war noch mal der gedankliche Faden? Ach ja: wobei sich einige unserer liebsten Leser bei Twitter einig waren, dass wir mit der Kreditech-Geschichte und ihrer reißerischen Verkaufe mal wieder weit übers Ziel hinausgeschossen sind).

Und übrigens: Falls Ihnen unser kleiner diskursiver Newsletter über die deutsche Banken- und Fintech-Branche heute früh weitergeleitet wurde und Sie uns morgen wieder lesen möchten – die Anmeldung zur kostenlosen Original-Quelle finden Sie hier. Mit zwei Klicks sind Sie dabei. Und mit einem Klick können Sie sich jederzeit wieder abmelden.