07/09/18: Finleap gibt B2C auf, Holländer kapern deutsche Fintechs, 14 Mio. € für Crosslend

Jetzt auch noch Crosslend: Wie die Niederländer peu à peu den deutschen Fintech-Markt kapern

Sorry, dass wir Ihnen jetzt zum dritten Mal diese Woche mit „Oranje“ kommen. Aber kann es sein, dass die niederländischen Banken beim Blick auf den deutschen Markt mehr Fantasie entwickeln als die deutschen Banken selber?  Im Onlinebanking haben sich die Holländer ja schon vor Jahren breitgemacht, und zwar nicht nur die ING Diba, sondern auch die Rabobank (Rabodirect), die ABN Amro (MoneyYou) oder z.B. Leaseplan. Das ist aber freilich nicht alles, denn im hiesigen Firmenkundengeschäft zeigen sich die Nachbarn ja ebenfalls ambitioniert (->ING Diba, -> ABN Amro), und im Private Banking ist in den vergangenen Jahren kaum ein Player so kraftvoll expandiert wie die (wiederum zur ABN Amro gehörende) Bethmann Bank.  Äh, und warum erzählen wir Ihnen das alles? Weil gestern verlautbarte, dass die ABN Amro massiv in das Berliner Kredit-Startup Crosslend investiert. Wenn wir uns nicht verrechnet haben, dann handelt es sich um das mittlerweile sechste (!) strategische Großinvestment eines niederländischen Finanzkonzerns in ein deutsches Finanz-Startup. Glauben Sie nicht? Dann haben wir hier als Beleg den entsprechenden Überblick: Finanz-Szene.de

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Berenberg düpiert die DWS – und holt nach Henning Gebhardt auch noch Tim Albrecht

Wie läuft das eigentlich, wenn der BdB-Präsident Peters (im Hauptjob: Berenberg-Chef) dem BdB-Präsidiumsmitglied Sewing (im Hauptjob: Deutsche-Bank-Chef) eine tendenziell unangenehme Nachricht zu überbringen hat? Klingelt man da mal durch? Schickt man eine SMS („Sorry, haben uns mal wieder einen Eurer besten Leute geschnappt, mit der Bitte um Verständnis verbleibt …“)? Oder lässt man’s einfach bleiben? Wird er ja auch so mitkriegen, der Sewing … Wir wissen’s nicht. Was wir hingegen wissen: Die endkecke Gel-Banker-Bank Berenberg hat mal wieder einen  Coup gelandet und der Deutsche-Bank-Tochter DWS deren Star-Manager Tim Albrecht weggeschnappt (der zuletzt über 15 Mrd. Euro wachte …). Und das wohlgemerkt, nachdem 2016 schon der DWS-Star-Manager Henning Gebhardt vom Main an die Alster rübergemacht hatte. Nun sind Fondsmittel viel zu träge, als dass jetzt gleich die großen Abflüsse bei der DWS und die großen Zuflüsse bei Berenberg einsetzen würden. Zweierlei lehrt die Personalie dennoch: 1.) Herrn Peters ist es mit seiner Asset-Management-Offensive augenscheinlich ernster als ernst. Und 2.) Geht’s so weiter, dann kann die DWS ihre Börsenstory endgültig in den Eimer kloppen. Die Aktie gestern: mal wieder ordentlich im Minus

News

Finleap zieht sich de facto aus dem B2C-Banking zurück: Der größte deutsche Fintech-Inkubator hat seine Anteile an der Immo-Crowdinvesting-Plattform Zinsbaustein verkauft. Ob die Berliner mit dem Erlös wirklich „sehr zufrieden“ sind, wie eine Sprecherin mitteilte, sei mal dahingestellt. Fest steht: Nach dem Einlagenvermittler Savedo (an den übermächtigen Konkurrenten Zinspilot „verkauft“) und dem Vertragsmanager Moneymap (ins Finleap-Schwesterunternehmen Finreach hineinabgewickelt) ist Zinsbaustein nun schon das dritte B2C-Venture, das aus dem Finleap-Portfolio verschwindet. B2B verstehen die Hauptstädter offenkundig besser. Gründerszene

Apropos Finleap-B2B-Ventures: Sehr, sehr bemerkenswert fanden wir, dass zu den Crosslend-Investoren (siehe oben) nicht nur die ABN Amro, sondern auch die Solarisbank gehört (von der wir fälschlicherweise dachten, sie sei lediglich der Banking-Partner von Crosslend, siehe unser Artikel vom 21. August). Heißt mithin: Die Solarisbank nützt ihre üppigen Fundingmittel jetzt nicht mehr nur zur internationalen Expansion und zur Verbesserung ihrer Technologie, sondern erstmals auch, um sich bei einem Partnerunternehmen (vulgo: bei einem Kunden) einzukaufen. Was hat das nun wieder zu bedeuten? Finanz-Szene.de (Dokumentation der Crosslend-Pressemitteilung)

Noch zwei Fintech-Kurzmeldungen: 1.) Schön schräg: Da gründet ein früherer Tesla-Manager ein deutsches Investment-Fintech, lesen wir heute Früh bei „Gründerszene“. 2.) Die Öko-Bank Triodos beteiligt sich an der Öko-Crowdinvesting-Plattform Bettervest, siehe die entsprechende Pressemitteilung.

Wenn Sie irgendwann mal die 2019er-Ausgabe des „Guinness-Buchs der Rekorde“ aufschlagen und dort dann was zum deutschen Paypal-Klon Paydirekt lesen … wundern Sie sich nicht! Der entsprechende Eintrag wird nämlich von der „langwierigsten Finanzierungsrunde aller Zeiten“ handeln. Zur Erinnerung: Am 26. Oktober 2017 vermeldeten „Finanz-Szene.de“ und die „Süddeutsche Zeitung“: „Exklusiv: Sparkassen planen irres Funding für Paydirekt“. Nun ist man zehneinhalb Monate weiter, und wenn wir DZ-Bank-Vorstand  Ullrich richtig verstehen, dann ist die Finanzierung zwar mittlerweile irgendwie im Werden, aber noch immer nicht perfekt. dpa-afx

Das klingt jetzt zumindest beim ersten Drüberlesen so, als seien bei der größten deutschen Sparkasse die Sonnendeck-Tage vorerst vorüber: Denn: Bei der Haspa ist der Zinsüberschuss im ersten Halbjahr um 11% (!) gesunken, entnehmen wir der heutigen Ausgabe der „Börsen-Zeitung“. Und weiter unten in dem Artikel heißt es: „Für das Gesamtjahr 2018 stellt die Sparkasse ein Betriebsergebnis vor Bewertung deutlich unter dem Vorjahresniveau (…) in Aussicht.“ Autsch. BÖZ (Paywall)

Und wer folgt jetzt bei der DWS auf Tim Albrecht? Also, die Leitung der Equities-Plattform übernimmt Petra Pflaum (wobei, satzbautechnisch korrekt muss es natürlich heißen, dass Frau Pflaum die Leitung übernimmt, nicht die Leitung Frau Pflaum …). Und um die bisherigen Albrecht-Fonds werden sich Christoph Ohme und Hansjörg Pack kümmern. Hübsch übrigens, dass DWS-CIO Stefan Kreutzkamp die entsprechende Mail an die Mitarbeiter gestern Früh mit dem Satz „Ich freue mich, Sie heute über Veränderungen in unserem Equities-Geschäft zu informieren“ einleitete. Ob die Freude wirklich sooooo groß war? Nach allem, was wir hören, hat bei der DWS gestern niemand ein Party-Hütchen aufgesetzt. Eher war das Gegenteil der Fall.

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Linktipps

Während der frühere Tesla-Manager ein Fintech gründet, ist das des früheren Strenesse-Chefs inzwischen ein Jahr alt. Das „MM“ erzählt die Geschichte des auf Devisenhandel für Privatleute spezialisierten Startups: Manager Magazin

So, jetzt ist aber auch wirklich mal gut mit Gründerfolklore. Hier was Handfesteres: EZB-Direktor Mersch hat dieser Tage in einer Art Grundsatz-Rede  skizziert, wie das Banking im digitalen Zeitalter aussehen könnte. Die Rede im Original: ecb.europe.eu

Trotz Apple Pay, trotz Google Pay und trotz der „Mobiles Bezahlen“-App der Sparkassen: Die meisten Deutschen werden auch in Zukunft an der Ladenkasse lieber das Portemonnaie zücken, glaube der Technologieberater Bernd-Josef Kohl – und erklärt warum: FAZ

Und wer noch immer nicht genug hat, denn verweisen wir heute zur Abwechskung mal wieder auf die „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs

Klickfavorit

… war gestern das Kundenraster der ING Diba. Finanz-Szene.de

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