07/11/18: Scalable eröffnet „Filialen“, Cashlink-Pivot, Paypal vs. Sparkassen

Was hat es zu bedeuten, wenn Scalable Capital jetzt erste Quasi-Filialen eröffnet?

Klar, die Banken müssen digitaler werden. Aber müssen umgekehrt auch die Fintechs analoger werden? Ein Rückblick in die Nullerjahre lehrt, dass der Baufinanzierungs-Vermittler Interhyp erst durchstartete, als die digitalen Kontaktpunkte im Netz durch analoge Kontaktpunkte in Form von Beratungsbüros ergänzt wurden (von denen es übrigens heute immer noch mehr als 100 gibt). Und Check24 hat zwar – soweit wir wissen – nie eine Filiale unterhalten. Allerdings legte das Vergleichsportal schon früh viel Wert auf qualifizierte telefonische Beratung, statt ausschließlich auf die normative Kraft der digitalen Antragsstrecke zu vertrauen. Übersetzt ins Fintech-Zeitalter heißt das: Dass der Kreditvermittler Finanzcheck vor einigen Monaten in Hamburg eine Filiale eröffnete, kommt nicht von ungefähr. Und genauso plausibel klingt es, dass der größte deutsche Robo-Advisor Scalable Capital seine Kunden künftig an vier Standorten tageweise persönlich beraten will. Denn: Auch wenn die Wechselwirkung zwischen digitaler und analoger Welt nicht exakt zu entschlüsseln ist – existieren tut sie zweifellos! Hier die Dokumentation der Scalable-PM: Finanz-Szene.de

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Die erfolgsverwöhnte Hamburger Berenberg-Bank (deren Chef A dem BdB vorsteht und deren Chef B so etwas wie der letzte deutsche Investmentbanker ist) bricht ihre Brachialexpansion ab – und fährt die Zahl der Mitarbeiter im Aktienhandel nach eigener Aussage auf den Stand von Anfang 2017 zurück. Nun sei mal dahingestellt, ob dieser Vorgang auf die Streichung von rund 100 Stellen (so „efinancialcareers“ und „Reuters“) oder auf die Streichung von 50 Stellen (so das „Handelsblatt“ und die „BÖZ“) hinausläuft – ein Schock ist es so oder so. Die Begründung? Im Umfeld des Instituts wird auf „Mifid II“ verwiesen, was sich aus unserer Sicht nach einer etwas dürren Erklärung anhört. Zugegeben: Besser wissen tun wir es nicht. Allerdings wollen wir an dieser Stelle dann doch einmal an unsere Recherchen zu Berenbergs GuV-Kosmetik bei den 2016er-Zahlen erinnern. Ist halt ein bisweilen sehr volatiles Geschäft, das die Hanseaten da mit aller Überzeugung und allen Risiken betreiben. Da kann es auch mal Rückschläge geben. Reuters

Also, mit welcher Taktung die US-Techkonzerne mittlerweile ihre Angriffe auf die deutschen Banken ankündigen, da kann einem als hiesiges Kreditinstitut fast schon angst und bange werden: Mitte Oktober zunächst die Triple Entente aus Google Pay, Mastercard und Paypal (die Letzterem den Vorstoß an den stationären Point of Sale ermöglicht), Anfang dieser Woche dann die Nummer mit Apple Pay – und gestern nun: teilte wiederum Paypal mit, seinen in der angelsächsischen Welt bereits erprobten Händlerkredit („Paypal Working Capital“) unter dem Namen „Paypal Businesskredit“ künftig auch in Deutschland anzubieten. Uff. Süddeutsche Zeitung

… und ganz nebenbei beißen sich dann ja auch noch die hiesigen Fintechs an Paypal die Zähne aus: Denn wie sonst soll man erklären, dass nach Avuba, Cookies, Lendstar und Cringle jetzt schon der fünfte P2P-Payment-Anbieter aufgibt, nämlich Cashlink, wie heute Früh bei „Gründerszene“ nachzulesen ist.  Wobei: Von „Aufgabe“ will der CEO nichts wissen, statt auf P2P-Zahlungen konzentriere man sich jetzt eben auf den Aufbau einer „Blockchain-Plattform für Startup-Anteile“. Mit Verlaub und wohlwissend, dass es wieder böse Lesermails hageln wird: Das klingt nach einem, gelinde gesagt, ziemlich wilden Pivot. Gründerszene

Waren das Zeiten, als die Frankfurter Investmentboutique Mainfirst noch von ihrem legendären Gründer Patrick Bettscheider geführt wurde … Dagegen heutzutage? Macht Bettscheider irgendwas mit Infrastruktur-Finanzierung (gäääääääääähn). Während Mainfirst, wie wir gestern lesen mussten, an irgendwelche Amis verhökert wird, deren Namen man noch nie gehört hat. Ganz schön trist, das alles. Reuters

Sonst noch was? Ja, die Kollegen von „Reuters“ gehen mal wieder der Frage nach, wie viele Jobs bei der HSH Nordbank letztlich übrig bleiben werden. Neueste Schätzung: 1300 oder sogar noch weniger (zur Einordnung: Mitte dieses Jahres waren es noch 1760). Reuters/Wiwo

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Linktipps

Erinnert sich noch jemand an die Deutsche-Bank-Initiative „Global E“? Natürlich tut Bernd Wittkowski das, der unendlich erfahrene Kollege von der „Börsen-Zeitung“. Mit dieser Initiative, so lernen wir, habe sich das damals wie heute größte Geldhaus des Landes im Jahr 2000 (!) auf den Weg in die „Digitale Ökonomie“ (sic!) gemacht. „Von gemeinsamen Marktplätzen im Internet war die Rede und von zahlreichen Partnerschaften mit Nichtbanken“, schreibt Wittkowski. Und dann? Habe man von „Global E“ nie mehr was gehört. Börsen-Zeitung

„Dieses Startup will es mit Paypal aufnehmen“: Angesichts der jüngsten Entwicklungen bei Cashlink ist es zwar einerseits ziemlich wohlfeil, andererseits aber vielleicht auch nicht ganz uninteressant, nochmal auf einen Cashlink-Artikel aus dem Mai 2017 zu verweisen. Denn schon damals (sprich: als alles begann) klang die Geschäftsidee irgendwie ein bisschen esoterisch. Gründerszene

Klickfavorit

War gestern unser großer Check „Wie digital ist die Deutsche Bank wirklich“. Finanz-Szene.de

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