09/01/19: Boni-Irrsinn bei der Dt. Bank, Fahrenschon geht zu Steuerberatung, Sparkassen-GAU

Die Deutsche Bank steuert angeblich eine Bonus-Pool-Market-Cap-Ratio von 10-12 Prozent an

Auch wenn gestern Abend überall die Meldung aufpoppte, die Deutsche Bank wolle die Boni kürzen – wenn es wirklich um ein Minus von alles in allem 10% geht, wie „Bloomberg“ berichtet, dann wäre das ein Einschnitt, mit dem die Belegschaft vermutlich leben könnte (und für 15-20% gilt unsere Meinung nach dasselbe). Denn, nur zur Erinnerung: Letztes Jahr hatte das seit zehn Jahren fast ununterbrochen im Krisenmodus agierende Institut den Seinen hübsche 2,275 Mrd. Euro in die Umschläge gepackt, was einer Vervierfachung im Vergleich zu den (rekordniedrigen) Boni für 2016 entsprach. Nur mal grob gerechnet: Bei einer Gesamtprämie von 1,5 Mrd. bis 2 Mrd. Euro käme die Deutsche Bank ja immer noch auf eine (wenn es die Kennziffer denn gäbe) Bonus-Pool-Market-Cap-Ratio von 10-12%. Ein Irrsinn, oder? Aber sei’s drum. Das Argument, man dürfe die Talente nicht vergraulen, tötet im I-Banking bekanntlich jede Debatte. Wobei man sich beim Blick auf die Deutsche Bank ja manchmal fragt: Welche Talente? Bloomberg, Financial Times (Paywall), HB (Paywall)

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Also, der Sparkassen-Präsident a.D. Georg Fahrenschon ist uns selber als jemand in Erinnerung geblieben, der in erster Linie schön blöd war und allenfalls in zweiter kriminell. Aber: Ein vorbestrafter Steuerhinterzieher ist er ja nun trotzdem, weshalb wir vermutlich nicht die einzigen sind, die es skurril finden, dass der 50-Jährige nun ausgerechnet bei der großen Münchner Steuerberatung WTS sein berufliches Comeback feiert. Dort kümmert sich der einstige bayerische Finanzminister seit Jahresanfang als „Generalbevollmächtigter“ um den industriellen Mittelstand, wie gestern Abend bekannt wurde. „Georg Fahrenschon genießt nach wie vor einen exzellenten Ruf und hat ein großes Netzwerk an Entscheidern, von dem wir profitieren werden“, begründet der WTS-Chef (ein Mann namens Fritz Esterer) die Personalie. Na denn. FAZ, HB (Paywall)

Das hier kommt zwar nicht überraschend, tut aber natürlich trotzdem weh: Die niedersächsischen Sparkassen wollen ihren Anteil an der NordLB nach Informationen der „Börsen-Zeitung“ auf null abschreiben. Das bringt dem Bericht zufolge eine Belastung von gut 400 Mio. Euro mit sich, was mit stillen Reserven „verrechnet“ werden soll (anders ausgedrückt: Es geht also so richtig ans Eingemachte). BÖZ

Exklusiv: Susanne Krehl, eine der bekanntesten deutschen Fintech-Managerinnen, ist plötzlich – weg. Das geht aus einer „Finanz-Szene.de“ vorliegenden Mail hervor, die die Barzahlen-Geschäftsführerin kürzlich an einen mittelengen Zirkel verschickt hat (grammatikalisch korrekt hat natürlich Frau Krehl die Mail verschickt und nicht umgekehrt die Mail Frau Krehl, aber darauf können wir beim besten Willen nicht auch noch achten). Jedenfalls: Krehl war Mitte 2017 bei Barzahlen, einem Berliner Finanz-Startup, das dafür sorgt, dass wir  im Supermarkt Geld abheben können, von der PR-Chefin zum Managing Director für Österreich und die Schweiz aufgestiegen. Außerdem amtiert sie als „Ambassador“ beim Karrierenetzwerk „Fintech Ladies“. Dem Vernehmen nach nimmt Krehl eine längere berufliche Auszeit.

Das Berliner Fintech Orderbird (Geschäftsmodell: Kassensysteme für die Gastronomie) hat die uns gegenüber schon im November indirekt angekündigte Kapitalerhöhung tatsächlich perfekt gemacht. Zur genauen Höhe äußert sich das Startup zwar nicht, aber die hierzu in der Pressemitteilung und diversen Medienberichten auffindbaren Formulierungen lassen darauf schließen, dass es sich um einen einstelligen Millionenbetrag handelt. Die Bewertung? Angeblich 60 Mio. Euro. Wirtschaftswoche

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Linktipps

Kürzlich hatten wir u.a. auf Basis des Kundenwachstums ja schon mal den Verdacht geäußert, dass die Berliner Smartphone-Bank N26 den britischen Erzrivalen Revolut mittel- und langfristig abhängen könnte (trotz geringeren Fundings): Eine Analyse der „Gründerszene“-Kollegen auf Basis der Download-Zahlen in den großen App-Stores bestätigt aus unserer Sicht nun diesen Verdacht. Achten Sie besonders auf den nicht nur steilen, sondern v.a. auch stetigen Verlauf der N26-Kurve bei iOS. Aus unserer – allerdings laienhaften – Perspektive sieht das sehr viel gesünder aus als die entsprechenden Auf und Abs in der entsprechenden Kurve von Revolut. Gründerszene

Warum  wir vor Weihnachten eigentlich einen Banking- und einen Fintech-Rückblick gemacht hätten, aber keinen Payment-Rückblick, wurden wir gefragt. 1.) Weil wir, elaboriert gesagt, Payment eher so im Kontext von Banking und Fintech sehen. Und 2.) Weil andere das, ehrlich gesagt, viel besser können. Zum Beispiel der Kollege Hanno Bender, der der deutschen Payment-Branche zum Jahreswechsel gleich 100 interessante Fragen gestellt hat. Bargeldlos-Blog

Lässt sich der hochkomplexe Deal, den der Finanzinvestor Cerberus beim Kauf der HSH Nordbank mit deren bisherigen Eigentümern (Hamburg und Schleswig-Holstein) geschlossen hat, eigentlich auf eine einzige Formel bringen? Aus unserer Sicht: Ja. Denn in letzter Konsequenz scheint der „Höllenhund“ einfach nur eine Wette auf die 10-Mrd.-Euro-Garantie eingegangen zu sein, mit der die beiden Bundesländer die ewige Krisenbank einst ausgestattet haben. Wie viel davon noch übrig ist? 5,7 Mrd. Euro, wie SZ-Kollegin Meike Schreiber in ihrer HSH-Analyse herausarbeitet. Nicht die schlechteste Voraussetzung, um die Wette letzten Endes (haushoch?) zu gewinnen. Süddeutsche

Design Thinking? Sei nur noch ein Prozess, „der in vielen Unternehmen eher als Schauspiel statt als ernsthaftes Innovations-Instrument genutzt wird“, kritisiert der Blogger Boris Janek, der im richtigen Leben als Digitalmanager bei der VR Networld arbeitet, also beim IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken. financezweinull.de

Klickfavorit

… war gestern, wie unschwer zu erraten, unsere Analyse, wonach die Sparkasse Aachen ähnlich profitabel arbeitet wie die US-Großbank Citigroup. Finanz-Szene.de

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