09/04/18: Der neue Deutsche-Bank-Chef, Paukenschlag bei Paydirekt, Fintech-Rekord

Achleitner setzt sich durch: Christian Sewing wird neuer Chef der Deutschen Bank

Der neue Chef der Deutsche Bank heißt Christian Sewing. Wie das Geldhaus um kurz vor Mitternacht mitteilte, ersetzt der 47-Jährige mit sofortiger Wirkung den bisherigen CEO John Cryan, der sich mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner überworfen hatte und das Institut deswegen verlassen muss. Sewing, der bislang das Privat- und Firmenkundengeschäft leitete, bekommt zwei Stellvertreter an die Seite gestellt, nämlich den bisherigen Co-Chef des Investmentbankings Garth Richtie und Personalvorstand Karl von Rohr. Dagegen kehrt Marcus Schenck (der bislang mit Ritchie das Investmentbanking leitete und ebenso wie Sewing als Stellvertreter Cryans firmierte) der Deutschen Bank den Rücken. AR-Chef Achleitner hatte den übrigen Aufsichtsräten die Sewing-Lösung gestern bei einem kurzfristig einberufenen Treffen präsentiert; zuvor hatte sich der Österreicher nach übereinstimmenden Medienberichten vergeblich um eine externe Nachfolge-Regelung bemüht. Dass das Ergebnis erst nach stundenlanger Sitzung offiziell bekanntgegeben wurde, deutet auf kontroverse Debatten innerhalb des Aufsichtsrats hin.

Pressemitteilung, Süddeutsche (mit Porträt Sewing), Manager Magazin (was das neue Personaltableau zu bedeuten hat), FAZ (Kommentar zur Frage, wie angeschlagen Achleitner nun selber ist)

News

Paukenschlag bei Paydirekt Wie „Finanz-Szene.de“ am Freitagmittag exklusiv berichtete (und wie später offiziell bestätigt wurde), wechselt die für den Zahlungsdienstleister Paydirekt zuständige Sparkassen-Tochter GIZS ihren Geschäftsführer aus. Frank Schwab, der bei seiner Berufung Anfang 2016 noch als digitaler Hoffnungsträger des öffentlich-rechtlichen Lagers galt, wird abgelöst durch den bisherigen „Chief Operating Officer“ Henning vorm Walde.  Pikant: Vor vier Wochen hatte der Deutsche Sparkassenverlag (DSV) gegenüber „Finanz-Szene.de“ und der „Süddeutschen Zeitung“ noch dementiert, dass Schwab vor der Ablösung stehe – auch wenn die Personalie im Sparkassen-Lager da bereits die Runde machte (und zwar nicht nur gerüchteweise). Schwab geht laut einer vom DSV am Freitag herumgeschickten Pressemitteilung „auf eigenen Wunsch“ und um sich „neuen Herausforderungen“ zu stellen. Nun denn. Hier weitere Details: Finanz-Szene.de

LBBW findet neue IT-Chefin, und zwar bei der Commerzbank: Christiane Vorspel (hier ihr mutmaßliches LinkedIn-Profil) wird den Job zum 1. Juni antreten, dabei allerdings nicht als richtige Vorständin firmieren, sondern lediglich als „Bereichsvorständin für Informationstechnologie“, was damit zusammenhängt, dass die  Landesbank den Posten des IT-Vorstands jüngst abgeschafft hat. Das wiederum liegt daran, dass Vorstandschef Rainer Neske (ein studierter Informatiker, man glaubt’s kaum) die Digitalisierung zur CEO-Sache machen will. Die Informatikerin Vorspel (die wie Neske in Karlsruhe studiert hat) wird folglich an Neske berichten. Bei der Commerzbank war die 52-Jährige zuletzt CIO fürs Investmentbanking (die Coba macht nämlich immer noch Investmentbanking, auch das glaubt man kaum). Pressemitteilung, Computerwoche (Mini-Porträt von Vorspel aus 2015)

Der faktische Deutsche-Bank-Großaktionär darf den vorgeschobenen übernehmen – oder anders ausgedrückt: Die österreichische Finanzaufsicht hat ihr Plazet für die mehrheitliche Akquisition des Wiener Vermögensverwalters C-Quadrat durch HNA gegeben. Hintergrund: C-Quadrat hält für die Chinesen deren rund neunprozentigen Anteil an der Blaubank. Vielleicht wird aus HNA ja doch noch mal so etwas Ähnliches wie ein einigermaßen normaler Investor.  Handelsblatt

Neuer Finanzierungs-Rekord für hiesige Finanz-Startups: In unserer Analyse über das „Erwachsenwerden“ der deutschen Fintech-Branche kürzlich hatten wir ja schon gemutmaßt, dass die aggregierten Funding-Zahlen für das erste Quartal sehr gut ausfallen würden. Nun kommt die Bestätigung seitens der Datenexperten von Barkow-Consulting. Demnach pumpten VC-Gesellschaften und strategische Investoren von Januar bis März rund 295 Millionen Euro in die Fintech-Industrie (was angesichts der üppigen Finanzierungen für N26 und die Solarisbank nicht verwundert). Das war sogar mehr als in Q1 2016, dem bisherigen Rekordquartal. Damals sammelten die deutschen Finanz-Startups binnen drei Monaten 264 Millionen Euro ein. dpa/Onvista, Barkow

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