09/05/18: Das Wurschteln der Commerzbank, Holt Sewing jetzt die Axt raus?, Vergesslicher BdB-Chef

Zur Lage der Commerzbank: Das „C“ steht für Durchwurschteln

Vor lauter Deutsche Bank hätte man zuletzt fast vergessen, dass es in Frankfurt noch eine weitere ehemalige Großbank gibt. Und vor lauter Klaus-Peter Müller hätte man gestern fast vergessen, dass bei der Commerzbank ja nicht nur – schnief! – Abschied genommen, sondern auch noch Geschäft betrieben wird. Dabei war die HV aus inhaltlicher Sicht gar nicht so unspannend. Denn immerhin hat Vorstandschef Zielke den Aktionären  eine grobe Indikation gegeben, wie denn so das erste Quartal gelaufen ist. Die Zahl der Kunden: gestiegen. Der Ertrag pro Kunde: gesunken. Unterm Strich also: Stagnation. So wurschtelt die Coba in bemerkenswerter Richtungslosigkeit vor sich hin, immer in der (vielleicht gar nicht unberechtigten) Hoffnung, dass das Kundenwachstum irgendwann mal in höhere Erträgen mündet, was dann in Kombination mit sinkenden Kosten zu so was Ähnlichem wie einer Rendite führen soll. Könnte natürlich sein, dass bis dahin ein Abschwung dazwischenkommt. Oder eine Übernahme. Börsen-Zeitung (Paywall), HandelsblattCapital (Analyse), Wiwo (Kuscheln zum Abschied), Wiwo (die Vita des neuen AR-Chefs Schmittmann) 

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News

Streicht die Deutsche Bank in den USA nicht nur 10%, sondern sogar 20% der Stellen? Diese Spekulation stellt „Bloomberg“ an – allerdings bestreitet Blaubank-Sprecher Eigendorf, dass ein solcher Plan existiert. Bloomberg

Und nächste Frage: Erfolgt der Teilrückzug der Deutschen Bank aus den USA nicht ganz freiwillig? So lässt sich zumindest eine Geschichte in der „Financial Times“ deuten, wonach die EZB und die Bafin schon vor Monaten haben durchblicken lassen, dass das Amerika-Geschäft aus ihrer Sicht zu groß und damit zu riskant sei. FT (Paywall)

Wie geht es nun weiter in Sachen HSH Nordbank? Klar ist, dass sich im Streit um die Einlagensicherung irgendwer bewegen muss, und der BdB hat nach dem BÖZ-Interview gestern in einer Stellungnahme nochmal klargestellt, dass er es nicht sein wird. Die Erfahrung lehrt, dass Cerberus und Flowers (also die angenommenen künftigen Eigner der Landesbank) auch nicht diejenigen sind, die die ganz große Bewegungslust verspüren. Damit bleibt eigentlich mal wieder nur die öffentliche Hand, sei es in Form der beteiligten Bundesländer oder in Form der Sparkassen. Das „Handelsblatt“ (Paywall) verweist heute Früh schon mal auf den Konzernlagebericht der HSH, wo es heißt: „Sollte ein reibungsloser Übergang [in die BdB-Einlagensicherung] nicht wie geplant gelingen, könnte dies zu einem erheblichen Abfluss von Einlagen und zu einem wesentlichen Anstieg der Fundingkosten führen.“ Dabei streckt sich die HSH bei der Refinanzierung ja schon jetzt, wie ein Blick auf die Einlagenplattform „Zinspilot“ zeigt.

Wo Deutschlands Banken kleckern, da klotzt die Allianz: Als wir kürzlich die Fintech-Beteiligungen der deutschen Kreditwirtschaft aufgedröselt haben, da blieb als Gesamteindruck zurück, dass zwar einige Institute (wie die Commerzbank) in durchaus viele Finanz-Startups investieren – aber nicht in die wirklich großen. Ganz anders geht da die Allianz zu Werke. Sie beteiligte sich neulich mit einer zweistelligen Millionensumme an N26, sicherte sich für 30 Millionen Dollar ein spannendes US-Fintech namens C2FO und führt nun, wie gestern vermeldet wurde, die  20-Millionen-Euro Runde beim Berliner Insurtech Simplesurance an. Dazu passt, dass die Hannover Rück und die Signal Iduna beide Anteile am Berliner Fintech-Inkubator Finleap halten, während die HVB ihre Beteiligung an der Solarisbank kürzlich verkauft haben soll, womit (soweit wir das überblicken) bei den sieben, acht wichtigsten deutschen Finanz-Startups keine einzige wichtige deutsche Bank mehr investiert ist. Kann es sein, dass die Versicherungswirtschaft etwas sieht, was die Kreditwirtschaft nicht sieht? Gründerszene, Versicherungsmonitor (Paywall)

So hat Bankenpräsident Peters in einem Interview auf die Frage geantwortet, wie die ideale Bank aussähe, wenn er heute eine gründen müsste (kleiner Hinweis: irgendwas fehlt …): „Ich würde auf das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung setzen. Schwieriger ist das Firmenkundengeschäft. Da kämpfen schon jetzt zu viele Anbieter um Kunden. Solange die Konjunktur gut läuft, ist das kein Problem. Es gibt keine richtig großen Unternehmenspleiten, wir haben keine Wertberichtigungen. Das kann sich aber wieder ändern.“ Morgenpost

(Tipp: Der Geschäftszweig, der fehlt, beginnt in der deutschen Sprache mit einem „P“, im Englischen mit einem „R“ und wird von einer Hamburger Bank, die mit einem „B“ beginnt, eher nicht betrieben. Kommen Sie drauf?)

Linktipps

Ob wir wollen oder nicht, die DSGVO trifft uns ja irgendwie alle: Insofern verlinken wir einfach mal auf den einführenden Artikel, den die Kollegen vom Paymentandbanking-Blog zu dem Thema erstellt haben. PAB

Wenn eine App der anderen gleicht und die Kreditkarte ohnehin von Visa kommt – wie kann ich mich als Bank dann überhaupt noch von meinen Wettbewerbern abheben? Über den Wert von Storytelling zur Kundengewinnung. Bankinghub

Wie Remigiusz Smolinski, der digitale Vordenker der Comdirect, über die Fintechs denkt … erfährt man beim Kollegen Leichsenring vom Bank-Blog

Aus der Szene

Wie die Investoren aus dem Savedroid-Gründer einen salonfähigen Manager machen wollen: Ein smarter Kerl ist er ja,  der gute Yassin Hankir. Und nett noch dazu. Darum sollen die Investoren (also die richtigen, nicht die kryptomäßigen) auch nicht wirklich böse gewesen sein, als der Savedroid-Chef seinen mittlerweile berühmt-berüchtigten PR-Stunt abzog. Sondern eher verzweifelt: Wird der Junge denn nie erwachsen? Drei Wochen später haben die Beteiligten nun offensichtlich einen Modus Vivendi gefunden: Hankir darf Savedroid-Chef bleiben, muss sich aber einer öffentlichen Läuterung unterziehen, wobei man ihm zu diesem Zweck die internationale PR-Agentur Hill+Knowlton an die Seite gestellt hat. Nachdem wir selber Anfang der Woche keine Zeit hatten (aber danke für die Anfrage), begann Hankirs Mea-Culpa-Tour gestern bei „Handelsblatt.com“, wobei das Interview nicht nur eine starke Überschrift („Müssen uns aufrichtig entschuldigen“) und ein hübsches Foto (mit Bürohund Jewa), sondern auch eine spannende Info hervorbrachte: Seine hochfliegenden Pläne für den Aufbau einer ICO-Beratung muss sich Hankir abschminken. Handelsblatt-Interview (Paywall)

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil

… mir der investigative und satirische Stil sehr gut gefällt – aber natürlich nur, solange er uns nicht selber trifft.“

Erik Podzuweit ist Co-CEO von Scalable Capital – und einer von mittlerweile mehr als 5500 Abonnenten

Klickfavorit

… war gestern unsere Analyse zu den Payment-Plänen der Deutschen Bank. Finanz-Szene.de

Sie mögen uns doch, oder?

Liebe Leserinnen und Leser, was haben Social-Media-Beraterinnen mit kleinen Töchtern gemeinsam? Man kann ihnen keinen Wunsch abschlagen. Und darum sind WIR jetzt bei Facebook. Und darum sollen wir SIE jetzt bitten (von der Social-Media-Beraterin, nicht von den Töchtern), UNS doch bitte bei Facebook zu liken. Denken Sie nicht, dass uns das nicht unangenehm wäre, von wegen Zuckerberg und Daten und Bäääähh und überhaupt.  Aber wir tun es trotzdem. Also bitte: Hier klicken (keine Bange, das ist nur der Link zu unserer Facebook-Seite), dann liken, dann einmal kurz die Hände waschen. Und fertig. Danke!!!