09/10/18: SEC knöpf sich deutschen „Fintech-Star“ vor, H&M/Klarna, Solaris/Bitwala

US-Börsenaufsicht SEC knöpft sich angeblichen deutschen Fintech-Star Michael Gastauer vor

Manchmal werden wir gefragt, was wir eigentlich gemacht haben, als es „Finanz-Szene.de“ noch nicht gab. Nun, wir sind abends zu Bett gegangen, haben acht Kilogramm weniger gewogen (weil wir vor dem Zubettgehen regelmäßig Fußball gespielt haben), und einmal haben wir für die „Süddeutsche“ eine Story recherchiert, die hieß: „Die zweifelhafte Geschichte eines Münchner Star-Unternehmers“. Bei dem Protagonisten  handelte es sich um einen gewissen Michael Gastauer, der angeblich eine der größten Digitalbanken der Welt aufgebaut hatte (Name: WB 21) und der es mit dieser allenfalls bedingt glaubwürdigen Story nicht nur ins „Wall Street Journal“ schaffte, sondern sogar in die große Fintech-Studie der Bundesfinanzministeriums. Jedenfalls: Unser Eindruck war damals schon, dass der gute Herr Gastauer, nun ja, bisweilen ein bisschen zu dick aufträgt. Dieser Vermutung hat sich nun die US-Börsenaufsicht SEC angeschlossen, wie heute in der „Financial Times“ nachzulesen ist. Die SEC wirft Gastauer nämlich die Errichtung eines 165 Mio. Dollar schweren Betrugssystems vor. Financial Times (Paywall), Süddeutsche (Archiv)

Sponsored Content

Können Blockchain-Einträge bestimmten Nutzer zugeordnet werden? Durch Transaktionsregister ist es theoretisch möglich, Transaktionen in einer Blockchain zu de-anonymisieren. Bei der Distributed-Ledger-Plattform Corda erhalten nur Parteien Einblick, welche einen berechtigten Bedarf haben. Corda ist somit ausgezeichnet für den Einsatz in der Finanzbranche geeignet, targens unterstützt Sie bei Ihren Plänen.
Erfahren sie mehr. Und, by the way – we are hiring!

News

Der Modekonzern H&M beteiligt sich am schwedischen Zahlungs-Dienstleister Klarna, was wir aus drei Gründen berichtenswert finden, auch wenn sich der unmittelbare Deutschland-Bezug der Meldung darauf beschränkt, dass Klarna u.a. die Mutter des hiesigen Payment-Fintechs „Sofortüberweisung“ ist. 1.) Für 20 Mio. Dollar kriegt H&M nicht mal 1% der Anteile. Das nennt man mal Unicorn. 2.) Dass Modehändler aus einer E-Commerce-Payment-Logik heraus an Fintechs interessiert sind, zeigt sich z.B. auch am Investment von Zalando beim Berliner Inkasso-Startup Pair Finance. Womöglich erleben wir bald noch mehr Deals dieser Art  3.) … und im Grunde zeigt sich dieselbe Logik auch in der Verbindung von Otto zu Paydirekt, nur dass das Geld hier wundersamerweise in die andere Richtung geflossen ist. Hihi. Financial Times (Paywall), Reuters

Huch, steht schon fest, dass die neuen Investoren die Mehrheit an der NordLB bekommen? Über die (mögliche) Teilprivatisierung der angeschlagenen Landesbank war die letzten Tage zwar viel zu lesen – aber wenig, was Nachrichtenwert hatte. Denn dass der Bieterprozess an diesem Montag starten würde, wusste man ja ebenso wie man einen ungefähren Überblick über die Interessenten zu haben glaubt (Cerberus, Apollo, vielleicht noch 1-2 andere Finanzinvestoren und angeblich ja auch die Helaba und die LBBW …). Zwei Aspekten indes würden wir doch einen gewissen Neuigkeitswert zubilligen. So schreibt „Reuters“, dass die NordLB momentan die Möglichkeit sondiere, große Teile ihre Schiffsportfolios „auf einen Schlag zu verkaufen“ (weil das die Voraussetzung sei, um Investoren überhaupt für einen Einstieg zu gewinnen). Und der zweite Aspekt: Die „FAZ“ stellt es heute Morgen unter Berufung auf „informierte Kreise“ wie  einen Quasi-Fakt dar, „dass die Bieter sich nicht mit einem Minderheitsanteil zufriedengeben dürften“. Das war uns in dieser Deutlichkeit nicht wirklich klar (wenn es denn wirklich stimmen sollte). FAZ (Seite 21)

Der Deutschen Bank winkt offenbar ein fettes VW-Mandat: So zumindest berichtet es „Bloomberg“ (ganz frisch von gestern Abend). Dem Artikel zufolge steht Volkswagen kurz davor, die Konsortialbanken für den geplanten, laut früheren Medienberichten 6 Mrd. Euro schweren Börsengang der Lkw-Sparte zu mandatieren. Neben drei großen US-Banken habe auch der deutsche Marktführer beste Chancen, heißt es. Bloomberg

Im Grunde braucht man sich die Berichterstattung über das Drama, das sich dieser Tage wieder mal in Griechenland und Italien abspielt, gar nicht anzutun. Es reicht, stattdessen die Entwicklung der Commerzbank-Aktie zu beobachten. Stehen im Süden die Zeichen auf Entspannung, dann steigt der Kurs. Doch stehen sie auf Eskalation, dann geht’s aber mal so richtig runter. Gestern war Letzteres der Fall. Minus 4,6%. Autsch. Handelsblatt (Paywall)

Und dann noch ein deutscher Finanzwert, der gestern ordentlich unter die Räder gekommen ist: Bis zu 13% ging es mit der Aktie von Wirecard zwischenzeitlich bergab – bereits das zweite Mal seit dem Dax-Einzug, dass die Papiere des bayerischen Zahlungsdienstleisters ohne erkennbaren Grund einbrechen. Langjährige Wirecard-Beobachter kennen das Phänomen freilich: Wo viel Euphorie ist, da ist auch manchmal ein wenig Misstrauen. Länger als 1-2 Tage hat das Misstrauen freilich noch nie angehalten. boerse.ard.de

Und noch drei kleine Fintech-Meldungen: Die Aareal-Bank beteiligt sich wie zuvor schon die Berlinhyp am Immobilien-Startup Brickinvest (was nach der Partnerschaft mit der Startup-Plattform „Plug & Play“ ein weiterer Beleg ist, dass nun auch der Wiesbadener MDax-Konzern das Thema Fintech für sich entdeckt hat); das Berliner Bezahl-Startup Cringle stellt seinen Betrieb ein; und die von uns schon angedeutete Liaison zwischen Bitwala und der Solarisbank ist jetzt offiziell. BÖZ (Paywall)

Sponsored Content

Kostenfreie Ehrenkarten! Noch 5 Wochen bis zum Start der 21. EURO FINANCE WEEK. Wir laden 25 Leserinnen und Leser von Finanz-Szene.de zur Eröffnungskonferenz am 12. November ein. Sichern Sie sich noch heute eine von 25 kostenfreien Ehrenkarten und melden Sie sich mit dem Code FINANZSZENE_EFW hier an. Treffen Sie auf die Top-Entscheidungsträger aus Banken- und FinTech-Szene und seien Sie Teil der prominent besetzten Eröffnungskonferenz im Congress Center der Messe Frankfurt. Wir freuen uns auf Sie!

Linktipps

„Wir haben Feldbetten angeschafft“: Wie sich die Bafin mit Planspielen auf mögliche Bankenpleiten vorbereitet. Süddeutsche Zeitung

Wenn sich eine der großen angelsächsischen Nachrichtenagenturen die kleinen deutschen Sparkassen vorknöpft, dann erfährt man als deutscher Leser zwar meist nichts Neues (selbst wenn gleich fünf Autoren an der Story beteiligt waren, wie im aktuellen Fall) – aber so cool, das Ganze zu ignorieren, sind wir dann doch nicht. Zumal das in der Geschichte beschrieben Drohszenario (die Zinsen steigen zu schnell, machen also die Einlagen teuer, während die Erträge erstmal niedrig bleiben) ja tatsächlich eines ist, das man fürchten sollte.  Bloomberg

Wer wissen will, warum der IPO von Funding Circle letzte Woche gefloppt ist, dem empfehlen wir einen kleinen Blogeintrag bei den Kollegen von FT Alphaville (die allerdings, muss man sagen, das Thema P2P-Lending schon seit Jahren auf dem Kieker haben). FT Alphaville (anmeldepflichtig)

Klickfavorit

… war am Freitag unsere Grafik „Wie stark Konzern- und Bankgewinn bei der DZ Bank auseinanderklaffen“. Finanz-Szene.de