1000, 155 oder 38: Wie viele Mitarbeiter hat das Fintech WebID wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms

Als wir die größeren deutschen Fintechs neulich fragten, wie viele Mitarbeiter sie denn haben, gab es in dem Ranking (das wir  auf Basis der offiziellen Angaben erstellten) eine kleine Überraschung: mit rund 500 Beschäftigen auf Rang zwei landete der eher mäßig prominente Berliner Identifizierungsspezialist WebID Solutions.

Einige Leser – bei denen es sich genau genommen um die CEOs anderer Fintechs handelte – meldeten daraufhin uns gegenüber per Mail ein paar Zweifel an der Zahl an. Worauf wir dreigeteilt antworteten: 1.) „Das Ranking basierte nun mal auf den offiziellen Angaben.“ 2.) „Wir können uns ja schlecht vor das Werkstor stellen und die Leute zählen“ (zumal manche Finanz-Startups ja seltsamerweise überhaupt kein Werkstor haben!!!). Und 3.) „Ruhig Blut, Genosse Fintech-Chef. Wir kriegen die Sache schon irgendwie aufgeklärt.“

Also, auf geht’s:

  • Wenige Tage nach Erscheinen unserea Artikels veröffentlichte die WebID Solutions GmbH im Bundesanzeiger ihren Geschäftsbericht für 2017. Darin heißt es wörtlich: „Im Geschäftsjahr wurden insgesamt durchschnittlich 155 Mitarbeiter beschäftigt.“
  • Die Diskrepanz zwischen den 155 und den 500 erklärte WebID-Solutions-Chef Frank Jorga daraufhin uns gegenüber weniger mit zwischenzeitlichen Einstellungen, sondern in erster Linie damit, dass „die Anzahl der Mitarbeiter im Geschäftsbericht FTE (= Full Time Equivalent) sind“. Bei der gegenüber „Finanz-Szene.de“ genannten Zahl handele es sich hingegen um sämtliche Beschäftigte
  • In der Tat hatten wir bei unserer Umfrage explizit nach den einzelnen Beschäftigten (und eben nicht nach einer FTE-Zahl) gefragt. Punkt für Herrn Jorga also. Trotzdem stellten wir uns die Frage, ob es denn sein kann, dass bei WebID Solutions überwiegend Leute mit halben Stellen oder gar Drittel- oder Viertelstellen arbeiten (wobei wir natürlich wissen, dass es für Kunden-Identifizierungen sog. Servicecenter braucht, in denen  Teilzeitmodelle alles andere als ungewöhnlich sind)
  • Jedenfalls: Laut Jorga arbeiten viele WebID-Solutions-Leute im „operativen Identcenter-Betrieb“ tatsächlich in Teilzeit, dabei gebe es zum Beispiel durchaus auch 25%-Stellen
  • Gehen wir also mal davon aus, dass die 500 stimmen – dann lässt sich trotzdem darüber streiten, ob WebID Solutions ein „Fintech mit 500 Mitarbeitern“ ist. Denn, so Jorga: Nur rund die Hälfte der Leute sei mit Identifizierungen für Finanzdienstleister beschäftigt, bei den übrigen Kunden handele es sich unter anderem um Mobilfunkanbieter oder Anbieter digitaler Produkte. Freilich: Dieser methodische Fehler (wenn man darin denn einen methodischen Fehler sehen will) müsste sich „Finanz-Szene.de“ selber zuschreiben
  • Es ist aber sogar alles noch komplizierter: Zum Beispiel in der Schweiz (etwa bei Swisscom und der Schweizer Post) oder in Dubai arbeiten Jorga zufolge auch viele Identifizierungs-Spezialisten, die WebID zwar ausgebildet und lizensiert habe, die aber bei den jeweiligen Unternehmen angestellt seien. „Wenn wir diese Leute mitzählen würden, dann hätten wir nicht nur 500, sondern sogar 1000 Mitarbeiter“, sagt Jorga
  • Gleichwohl, wenn man versucht, von der Mitarbeiterzahl auf die (technologische) Schlagkraft einzelner Fintechs zu schließen, dann ist es vermutlich am sinnigsten, auf Linkedin zu gehen. Denn dort (sorry, wenn das jetzt ein wenig vorurteilsbeladen klingt) stellt sich der selbstgewisse „Ich will 90.000 brutto plus Mitarbeiteraktien“-Programmierer tendenziell eher zur Schau als die im Vergleich eher mäßig bezahlte 25%-Kraft aus dem Servicecenter. Jedenfalls: Diese Woche spuckte Linkedin für die WebID Solutions GmbH exakt 38 Mitarbeiter aus.

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