11/01/19: Deutsche Bank versus N26, Fintechs im „Filial“-Rausch, Zinsertrag 2.0

Deutsche Bank versus N26: Das Fazit einer Woche, die eine Zeitenwende markieren könnte

Mit 2,3 Mrd. Euro wird N26 nun bewertet. Kommt uns diese Summe nicht irgendwie bekannt vor? Ach ja: Diese Woche ging es ja auch um die Bonuszahlungen der Deutschen Bank. Und wie hoch waren die letztes Jahr? Ebenfalls 2,3 Mrd. Euro. Geld, dass man meint, bezahlen zu müssen, weil sonst die Talente abwandern. Kleines Gedankenexperiment: Was, wenn das größte Geldhaus des Landes die Hälfte der Boni einbehalten hätte, um stattdessen zur damaligen Bewertung das größte Fintech des Landes zu kaufen. Hätte die Deutsche Bank dann heute mehr „Talent“ oder weniger „Talent“ in den eigenen Reihen? Okay, okay, das ist eine bisschen wohlfeil und polemisch. Denn a) Niemand konnte wissen, dass N26 soooo abgeht. Und b) Vermutlich hätten die Eigentümer gar nicht verkauft. Und doch: Krasser als in den letzten Tagen sind die Gegensätze zwischen neuer und alter Finanzwelt noch nie aufeinander geprallt. Auf der einen Seite: ein Newcomer, der so richtig steil geht. Auf der anderen Seite: ein Oldtimer, der unter der Last eines längst überholten Anspruchs (Globale Systemrelevanz, Billionen-Bilanzsumme, Milliarden-Boni) zu ersticken droht. Soll keine Kritik sein. Lediglich eine Beschreibung des Zustands.

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Exklusiv: Düsseldorfer Fintech Compeon will dieses Jahr bis zu zehn „Filialen“ eröffnen

Keine Bange, wir kommen Ihnen jetzt nicht mit der Renaissance der Filiale. Diese These halten wir für Quatsch. Was aus unserer Sicht jedoch kein Quatsch ist: Zur vielbesungenen operativen Exzellenz gehört bei Fintechs mit direktem Kundenkontakt nicht nur die sanft gleitende digitale Antragsstrecke – sondern auch die persönliche Beratung. Die kann am Telefon erfolgen, geht es um üppigere Losgrößen, kann sich allerdings auch die physische Präsenz vor Ort auszahlen (siehe z.B.: die auf Baufi-Vermittlung spezialisierten Ur-Fintechs Interhyp und Dr. Klein). Insofern klingt schlüssig, dass laut exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ nun das nächste junge Fintech mit dem Aufbau eines Quasi-Filial-Netzes beginnt. Nämlich: das Düsseldorfer Startup Compeon, das als Vermittler von KMU-Krediten nicht nur das Kriterium „Losgröße“ erfüllt, sondern auch das Kriterium einer nicht so wahnsinnig digitalaffinen Klientel. Zwei Standorte hatte Compeon schon, zwei Büros sind zum 1. Januar hinzugekommen, weitere sechs bis acht sollen im Laufe des Jahres folgen. Das ist mal ’ne Ansage. Hier die Details: Finanz-Szene.de

News

Apropos Renaissance der Filiale Die privaten Banken wollen in diesem Jahr angeblich weniger Niederlassung schließen als in den vergangenen Jahren. „Mein Eindruck ist, dass da ein erster Durchgang erledigt ist“, so BdB-Geschäftsführer Krautscheid gestern  in Berlin. Er bemerkt angeblich sogar eine „kleine Erkenntniskurve“. Denn anders als vor wenigen Jahren spreche inzwischen niemand mehr von einem „Ende der Filiale“. Ist das wirklich so? dpa-afx/boersennews.de

Deutsche Bank weist Anschuldigungen von Warburg zurück: Nachdem die Hamburger Privatbank in Sachen „Cum-Ex“ Klage gegen den Marktführer eingereicht hat, kommt aus Frankfurt die Replik, „die Steuerpflicht gegenüber dem Finanzamt Hamburg obliegt allein Warburg“. Zum Hintergrund: Der Fiskus verlangt von Warburg wegen der umstrittenen Aktiendeals eine Steuernachzahlung von 46 Mio. Euro – zuzüglich Zinsen. Die Hanseaten verweisen nun aber darauf, dass die eigentliche Schuld bei der Depotbank liege – also: bei der Deutschen Bank. Als Präzedenzfall dient Warburg offenbar eine ähnlich geartete Causa zwischen der Helaba und der Société Générale (siehe unser Newsletter vom 4. April 2018). FAZ (Paywall)

Als wir uns gestern Abend nochmal in Ruhe durch die „Börsen-Zeitung“ von gestern früh gelesen haben (die „BÖZ“ zu lesen, macht ja nicht dümmer …), sind wir in einem Artikel über das 2018-Ergebnis der Hamburger Volksbank auf ein hübsches Detail gestoßen: Erstaunliche 1,6 Mio. Euro hat das hanseatische Institut an den negativen Einlagenzinsen institutioneller Investoren verdient. So geht Zinsertrag heute. Börsen-Zeitung (Paywall)

Und noch ein paar Kurzmeldungen (die ebenfalls z.T. schon leicht abgehangen sind, weil wir wegen N26 vorgestern Nacht zu nix anderem mehr gekommen sind): Nach den niedersächsischen schreiben auch die ostdeutschen Sparkassen ihre NordLB-Beteiligung ab (Handelsblatt, Paywall) +++ Die Fidor Bank, bei der wir manchmal nicht verstehen, was genau sie eigentlich macht, bringt nun eine „datengetriebe Mehrwert-Plattform“ an den Start (IT-Finanzmagazin) +++ In Berlin ist ein neuer Mobile Broker namens Trade Republic an den Markt gegangen. Dahinter steht als Mehrheitseigner die altbekannte Düsseldorfer Sino AG (Gründerszene) +++ Die Helaba öffnet ihre Kommunalkredit-Plattform Komuno jetzt auch für Nicht-Sparkassen und Nicht-Landesbanken (Pressemitteilung)

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Linktipps

Nimmt N26 die Eröffnung von Geisterkonten in Kauf? Das behauptet die „Wirtschaftswoche“ und beschreibt einen „Kniff“, demzufolge die Berliner Fintech-Bank bei der Anwendung des umstrittenen Foto-Identifikations-Verfahrens mit einem britischen Dienstleister namens  SafeNed kooperiere. Dieser unterliege der britischen Aufsicht, weshalb die Bafin, obwohl sie sich an der Praxis störe, die Hände gebunden seien. Eine unserer Meinung nach stichhaltige Kritik, denn Ident-Verfahren sollten (auch außerhalb Deutschlands) sicher sein. Wirtschaftswoche

Hat N26 seine Prozesse nicht im Griff? So liest sich ein aktueller Artikel des „Handelsblatts“ (Datum: 10. Januar 2019), in dem behauptet wird, bei einem Test habe die Eröffnung eines Kontos nicht (wie die Smartphone-Bank behauptet) „weniger als acht Minuten“ gedauert, sondern satte 33 Stunden. Das Problem: Wie man bei Google Cache sieht, stammt der Artikel (der lediglich um ein paar Bezugnahmen zur aktuellen Finanzierungsrunde ergänzt wurde) eigentlich von Juni letzten Jahres. Darauf wird in der recycelten Fassung (jedenfalls bis zu unserem Redaktionsschluss gestern Nacht) aber an keine Stelle hingewiesen. Mithin: Eine unfaire Kritik, denn es kann ja gut sein, dass N26 seine Prozesse verbessert hat und  so eine „33-Stunden-Nummer“ inzwischen nicht mehr vorkommt.

Alles kommt wieder, sogar die gute, alte Videokabine (wenn auch in neuem Kontext): Die VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu setzt nämlich seit rund einem Jahr einen Video-Service ein, der den klassischen Bankschalter ersetzen soll. Tritt ein Kunde vor den Bildschirm, erscheint dort eine (echte!) Bankberaterin, um seine Fragen zu beantworten. Ein Konzept mit Zukunft? Zumindest eine putzige Idee. Süddeutsche

Apropos putzig, was macht eigentlich Kwitt? Die Kollegen des Schweizer Finanzportals „Money Today“ haben die P2P-Payment-Lösung der deutschen Sparkassen mit der eidgenössischen Mobile-Payment-Lösung Twint verglichen. Ganz interessant, wie sich die beiden Konzepte unterscheiden. War uns gar nicht so klar. Money Today

Klickfavorit

… war gestern unser Stück zur surrealen neuen Bewertung von N26. Finanz-Szene.de

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