11/07/18: Ein Neben-CEO für die Deutsche Bank, Quo vadis Comdirect?, ING Diba ändert ihren Namen

Die Deutsche Bank und ihr neuer Neben-CEO: Zumindest gefühlt ein beispielloser Vorgang

Dass eine Private-Equity-Gesellschaft ihre Restrukturierer in ihre Portfoliounternehmen entsendet – das ist das normalste der Welt. Bloß: Seit wann haben wir es an der Börse mit „Private Equity“ zu tun? Und was sagen eigentlich die übrigen Aktionäre (die für bis zu 97% des Aktienkapitals stehen) dazu, dass die Deutsche Bank ihr Schicksal jetzt in die Hände eines einzigen, gar nicht mal sooooo großen Aktionärs legt? Nämlich in die von Cerberus (Anteile: gut 3%)? Jedenfalls: Zur allgemeinen Verblüffung hat die Deutsche Bank gestern mitgeteilt, künftig auf die explizite Hilfe der Beratungssparte des US-Finanzinvestors zu setzen (nachdem zuvor das „WSJ“ bereits über den Fall berichtet hatte): „Die anerkannte Expertise der Cerberus Operations Advisory Company wird uns auf dem Weg unterstützen, wieder attraktive Renditen für unsere Aktionäre und Investoren zu schaffen“, heißt es in einer Mitteilung. An der Spitze des Beratungsteams soll Cerberus-Mann Matt Zames stehen, einst ein hohes Tier bei J.P. Morgan Chase und vor einiger Zeit auch mal – je nach Medium – als möglicher Nachfolger des Deutsche-Bank-CEOs (als dieser noch nicht Sewing, sondern noch Cryan hieß) bzw. als Blaubank-Aufsichtsrat gehandelt. Gefühlt haben wir es mit einem beispiellosen Vorgang zu tun. Aber (nicht nur) gefühlt ist die Deutsche Bank ja auch ein beispielloses Unternehmen. WSJ (Paywall), Börsen-Zeitung, Bloomberg, Manager Magazin

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Was hat der gute Herr Mandel denn nun mit der Comdirect vor?

Wer mit unbedarften Augen auf die Welt blickt – der sieht dieser Tage in der Comdirect einen wahnsinnig dynamischen Player: Die Commerzbank-Tochter aus Quickborn verkauft sich als fintechgewordene Onlinebank und hat eine dazu passende Geschichte zu erzählen („Unser Robo ist von allen Banken-Robos der größte.“). Damit nicht genug, arrondiert die Comdirect auch mal ein bisschen herum (Kauf von Onvista), und bei entsprechender Opportunität schlägt sie auch mal ein bisschen was los (wie der gestern verkündete Verkauf der B2B-Tochter Ebase zeigt, womit ganz nebenbei eine Forderung des Aggro-Investors Petrus erfüllt wird). Was man bei alldem freilich nicht vergessen darf: Letztlich ist die Comdirect eine Division der Commerzbank (personifiziert durch ihrem Privatkundenchef Mandel). Und sollte man sich in Frankfurt denn tatsächlich dazu durchringen, das Projekt einer europäischen Digitalbank anzugehen – dann wird es bei der Frage, wer eine Zukunft unter dem hohen gelben Zeltdach hat, nicht mehr um ein kleines Asset wie Ebase gehen.

News

INGa-INGa-Gu: Nur noch wenige Monate, dann wird das Diba-Diba-Du Geschichte sein. Denn die ING Diba hat gestern mitgeteilt, von November an in Deutschland (und überall sonst in der Welt) nur noch als ING aufzutreten. Eigentlich ein krasser Vorgang, wenn man bedenkt, dass wir es bei der ING Diba mit einer eingeführten (und mit reichlich positiver Konnotation) besetzten Marke zu tun haben (sieht man mal ab vom legendären Wurst-GAU anno 2012). Indes: Der niederländische Mutterkonzern, nämlich die ING Groep, wird schon wissen, was er da tut. Und die Marketingfrau bei der Noch-Diba in Frankfurt sagt: „Wir haben unseren ING-Anteil in den vergangenen Jahren in Deutschland positiv aufgeladen.“ Nun denn. Horizont

Hieß es nicht neulich noch, die Sparkassen würden nicht mitmachen bei Google Pay? Nun, für die zweifellos zum öffentlich-rechtlichen Sektor zählende BW-Bank (eine 100-prozentige Tochter des Paydirekt-Großgesellschafters LBBW) scheint das offenkundig nicht zu gelten. Caschys Blog, BW-Bank-Homepage

Nochmal Deutsche Bank: Glaubt man der Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua (und warum sollte man ihr in diesem Fall nicht glauben?), dann soll die Frankfurter Großbank als eines von nur wenigen ausländischen Geldinstituten die Erlaubnis erhalten, Anleihe-Emissionen von Nicht-Finanzunternehmen in China zu begleiten. Reuters

N26 featured weiter vor sich hin: Laut Pressemeldung launcht die endhippe Berliner Smartphone-Bank mal wieder ein paar „neue Funktionen“ (diesmal, so heißt es, „auch für die Nutzung im Webbrowser“), wobei „zu den neuen Features“ auch ein „Discreet Mode“ und ein „Dark Mode“ gehören und so weiter und so weiter und so weiter … Um ehrlich zu sein: Wir, die wir dachten, ein Konto bestehe aus einem Konto, kommen schon lange nicht mehr mit und verweisen darum auf die ungleich beflisseneren und auch begeisterungsfähigeren Kollegen von Techcrunch.

Die Grenzen des Provisionswunders: Es gibt einen ersten Indikator, wie denn bei Deutschlands Kleinbanken im ersten Halbjahr das Geschäft gelaufen ist – nämlich (wenn man das Neugeschäftsvolumen für ein ausreichendes Kriterium hält) ganz gut. So haben Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken ihre Kreditvergabe an Unternehmen von Januar bis Juni um 4,2% ausgeweitet. Trotzdem rechnen Bayerns Genobanken fürs Gesamtjahr mit sinkenden Ergebnissen. Grund: Der steigende Überschuss bei den Provisionen könne den sinkenden Überschuss bei den Zinsen nicht länger kompensieren. Börsen-Zeitung (Paywall)

Und noch die Mai-Zahlen des BVI: Hohe Zuflüsse für die Union, hohe Abflüsse für Amundi und die DWS (wobei Letzteres in erster Linie an Geldmarktfonds lag, was den Anbietern wegen der ohnehin schwachen Margen nicht ganz so weh tut). Fondsprofessionell

Linktipps

Die Commerzbank ist in Sachen Blockchain ja erstaunlich umtriebig. Aber was macht sie genau? Das hat der großartige Leo Bosankic einfach mal aufgedröselt. leobosankic.com

Ebbt die Fintech-Euphorie im Factoring schon wieder ab? Das zumindest wollen die (in solchen Fragen meist kundigen) Kollegen vom Finance-Magazin diagnostiziert haben. Finance

Warum KMU-Kreditvermittler wie Compeon oder Fincompare unter der teuren Vorqualifizierung ihrer Leads leiden … und warum Scoring-Plattformen helfen könnten, dieses Problem zu lösen (schreibt jedenfalls der Chef einer dieser Plattformen). Paymentandbanking

 Klickfavorit

… war gestern das Interview mit Deutsche-Bank-Digitalchef Markus Pertlwieser zum Thema Verimi. FAZ/db.com