13/04/18: Scalable-Capital-Scoop, „Ein N26 für Ökos“, Das Fintech-Dilemma in einem Satz

Exklusiv: Schon jetzt kommen mehr als 50% der Scalable-(Bestands!!!-)Kunden von der ING Diba

Dass Scalable Capital (also Deutschlands größter Robo-Advisor) schon mehr als 20.000 Kunden hat, wird Eingeweihte nicht überraschen – schließlich wurde die Zahl vor ein paar Wochen mal öffentlich kommuniziert. Was aber nie kommuniziert wurde: Wie viele dieser Kunden kommen von Scalables prominentem Kooperationspartner, der ING Diba? Nun, wir wollen kein Rätsel draus machen, sondern sagen es Ihnen einfach. Es waren, als die 20.000 kommuniziert wurden, rund 10.000, sagen unsere Quellen. Und jetzt sind es, wenn man die beiden Dynamiken einfach fortschreibt, merklich mehr als 10.000 von merklich mehr als 20.000. Und das, obwohl Scalable ja 2015 gegründet wurde, die ING Diba aber erst Mitte September 2017 ins Boot stieg. Was folgt daraus? 1.) Manche Fintech-Produkte sind tatsächlich massentauglich. 2.) Um den Massenmarkt schon heute und nicht erst in Zukunft zu erreichen, braucht es aber tendenziell die Vertriebskraft bzw. die Kundenbasis einer Bank. 3.) Die Bank muss die Sache pushen anstatt zwar lauthals „Kooperation“ zu rufen, den Kooperationspartner dann aber lediglich klein links unten auf der vierten Unterseite der eigenen Homepage zu integrieren. Mehr zum Thema in unserem üppigen Archiv

News

Das „N26 für Ökos“ kündigt Start für Juni an: Die neue Fintech-Bank heißt Tomorrow, wird technologisch und regulatorisch von Solaris unterstützt und hat einen Chef, der sich wie folgt zitieren lässt: „Wir schaffen ein zeitgemäßes Konto für alle, die in der Hand ein Smartphone und im Inneren einen gesunden moralischen Kompass tragen.“ Uff. Und das Geschäftsmodell? Fasst Kollege Drost im „Handelsblatt“ schön prägnant zusammen: „Vereinfacht könnte man sagen, dass Tomorrow eine Mischung aus N26 und dem Ökoinstitut GLS Bank ist“ Handelsblatt

Muss die Geschichte der Deutschen Bank oder wenigstens die der Ära Cryan neu geschrieben werden? Diesen Eindruck gewinnt zumindest, wer heute Morgen die „FAZ“ aufschlägt. Die berichtet nämlich, die britische Barclays Bank, die sich diese Woche mit dem US-Justizministerium auf eine Vergleichszahlung von 2 Mrd. Dollar geeinigt hat, hätte im Herbst 2016 ursprünglich 14 Mrd. Dollar zahlen sollen (was aber nie öffentlich geworden sei). 14 Mrd. Dollar? Bei dieser Zahl klingelt es natürlich. Denn exakt so hoch war jene Forderung, mit der das US-Justizministerium ebenfalls im Herbst 2016 die Deutsche Bank (nachdem die Zahl öffentlich wurde) in einen 7,2 Mrd. Dollar. teuren Vergleich getrieben hatte. Kurzum: Die „FAZ“ sagt bzw. behauptet bzw. insinuiert: Die Deutsche Bank hat 7,2 Mrd. Dollar gelatzt, wo sie hätte mit 2,0 Mrd. Dollar davonkommen können. Das mag reißerisch bzw. simplifizierend sein bzw. der komplexen Situation des Herbstes 2016 nicht gerecht werden. Und doch: Es bleibt zumindest ein ungutes Gefühl (ach ja, was wir ganz vergessen haben zu schreiben: Es geht in der ganzen Angelegenheit natürlich um die krummen US-Hypotheken-Geschichten, worum sonst?). FAZ (Paywall)

S&P prüft Herabstufung der Deutschen Bank … Kam gestern am späten Abend noch rein. Handelsblatt

Das Erbe des Ulrich Schröder: Die KfW hat 2017 zwar nicht mehr so viel Gewinn gemacht, wie es vor zwei, drei Jahren noch der Fall war – andererseits: 1,4 Mrd. Euro? Eine Förderbank? In zinslosen Zeiten? Wer wird sich denn da beschweren. Zugleich ist die KfW aber auch jene Bank, der der Schweiß auf der Stirn steht, weil ja neuerdings immer die Aufseher vor der Tür stehen und mit dem KWG wedeln. (Übrigens, dieser Gedanke kam uns natürlich nicht selber, sondern den haben wir heute Morgen schamlos bei Herrn Wittkowski von der BÖZ geklaut). Dazu passt, was Kollegin Osman im „Handelsblatt“ über die personelle und sonstige Aufrüstung der Innenrevision schreibt (nämlich: dass die Bafin gerade hier ordentlich Druck macht). Und: Frau Kehr wird dann wohl doch nicht ganz so schnell IT-Chefin, wie es (jedenfalls für uns) Anfang der Woche noch klang.  Grund: Erst mal muss sie sich die Bafin-Zulassung verdienen. Ob die KfW geahnt hat, was da auf sie zukommen würde, als sie sich (noch unter dem kürzlich verstorbenen Vorstandschef Schröder) freiwillig der Aufsicht unterwarf? Handelsblatt (Geschäftszahlen), Börsen-Zeitung (Wittkowski), Handelsblatt (Paywall, zur Innenrevision)

Wirecard bleibt kompliziert: Die Gewinne sprudeln, die Aktie steigt, der Chef entwirft beeindruckende Visionen – und die Kritiker werden sich in den nächsten Tagen wieder mal in die kaum zu dechiffrierende Bilanz vertiefen und sich dann z.B. fragen,  was denn „Sonstige M&A bedingte Vermögenswerte“ in Höhe von 32 Mio. Euro sind. Ach, das hier könnte es sein: „Hierbei handelt es sich um rechnungslegungsspezifische Regelungen zur Bilanzierung von verschiedenen vertraglichen Rechten und Vermögenswerten nach IFRS 3.“ Kurzum, alles so wie immer. Geschäftsbericht

Ein Bekenntnis zum „Weiter so wie bisher“: „Unser Mandat ist es, die Investmentbank profitabel zu machen“ – und nicht, den Bereich  zusammenzustutzen. So hat es Garth Ritchie, der bisherige Co-Chef und künftige Allein-Chef des Deutsche-Bank-Investmentbankings, der „Financial Times“ gesagt.  Und da er diese Losung mit Herrn Sewing abgestimmt haben wird, wissen wir jetzt also ungefähr, woran wir sind. Financial Times (Paywall), Handelsblatt

 

Beyond Banking

Wenn der Bitcoin verrücktspielt, heißt das nicht unbedingt, dass er fällt … Denn gestern ist er zum Beispiel ohne offenkundigen Grund binnen einer Stunde um 16% gestiegen. Manager Magazin

Linktipps

Reden Banken-Menschen und Fintech-Menschen, Bürokraten und Kryptokraten, Regulierer und Persiflierer eigentlich absichtlich aneinander vorbei? Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Erlebnisbericht, den Herr Emminger von der „Bafin Tech 2018“ verfasst hat (wobei es dann am Ende völlig  überraschend heißt, es sei eine „gute Veranstaltung“ gewesen. Hörte sich, ehrlich gesagt, nicht so an).  IT-Finanzmagazin

Wer ein „Financial Times“-Abo hat, ist heute klar im Vorteil: … denn die Kollegen haben sich in einer ausführlichen Analyse dem Thema „Künstliche Intelligenz im Banking – die Realität hinter dem Hype“ gewidmet. Financial Times (Paywall)

Dass die nordischen Länder in Sachen „Cashless Society“ weit voraus sind, ist natürlich nicht neu … Das Ganze aber mal detailliert erklärt zu bekommen, und das auch noch grafisch ein bisserl aufbereitet, macht nicht dümmer. Paymentandbanking

Wie weit sind eigentlich die Robos von Sparkassen und Genobanken? Ein Update: Fondsprofessionell

Dass Paypal ins US-Retailbanking vordringt …, hat einige Kollegen dazu bewogen, die Gemengelage mal ein bisschen zu analysieren. Wir verweisen auf die Artikel von Herrn Nestler in der FAZ und von Herr Keuper im Bankstil-Blog

Und bevor die Stammleser nervös werden und sich brabbelnd fragen: „Wann kommt denn endlich der Link zur ‚Was wir lesen‘-Liste“, „Wann kommt denn endlich der Link zur ‚Was wir lesen‘-Liste“ … „Und kommt er überhaupt???“ Hier ist er: DZ-Innovationsblog

Klickfavorit

… war gestern unser Hinweis auf die unnatürliche Häufung des Attributs „bodenständig“  in Zusammenhang mit dem Wort „Sewing“. Finanz-Szene.de

Zitat des Tages

… ist die blödeste Newsletter-Rubrik, die je ersonnen wurde, weshalb es bei „Finanz-Szene.de“ auch niemals ein „Zitat des Tages“ geben wird. Als wir in einem Artikel des Bloomberg-Kollegen Matt Levine allerdings folgende Passage lasen …

„This is a frequent lesson in fintech. A tech person looks at a thing that banks do and says: ‚I could do that better. I am smarter and faster than a bank, and more trustworthy, and I do not have the legacy issues that the bank has.‘ And then she builds an amazing product, and goes out and pitches it to clients, and learns that an amazing product is not what the clients want.“

… dachten wir: Zitat des Tages.

Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie uns weiter, und: Gehen Sie doch am Wochenende einfach mal wieder schwimmen. Warum? Warum nicht!

Herzlichst, Heinz-Roger Dohms