14/03/18: Der neue deutsche Payment-Champion, Funding Circle vs. Auxmoney, Investify

Exklusiv: Bain und Advent machen ernst mit ihrer Attacke auf den deutschen Payment-Markt

Die spannendsten Firmen sind manchmal die, die man nicht sieht – wie die Eagle Eschborn GmbH. Bei dieser Firma handelt es sich um jene Holding, unter der die US-Finanzinvestoren Bain und Advent ihre 2017 erworbenen deutschen Payment-Aktivitäten angesiedelt haben (also vor allem Concardis, daneben aber u.a. auch Ratepay und Simplepay). Wie ernst es den Amerikanern mit ihrem Angriff auf den hiesigen Markt ist, verrät jetzt eine Personalie, die „Finanz-Szene.de“ exklusiv in Erfahrung gebracht hat: Neuer Chef dieser Holding wird nämlich Robert Hoffmann, der frühere CEO des Internet-Unternehmens 1&1. Gemeinsam mit Concardis-Chef Marcus Mosen soll er aus „Eagle Eschborn“ offenbar einen neuen Payment-Champion schmieden – mit durchaus internationalen Ambitionen, wie  eine weitere Exklusiv-Info von „Finanz-Szene.de“ zeigt: Zum Concardis-Eagle-Reich zählt nämlich neuerdings auch ein großer osteuropäischer Payment-Anbieter. Und verbürgt ist überdies das Interesse von Bain und Advent an der milliardenschweren Schweizer SIX Payment. Lesen Sie hier die Reportage über den Angriff des Adlers – und was das alles über die deutschen Banken aussagt, die Concardis ja unbedingt loswerden wollten:

Finanz-Szene.de (Reportage), Finanz-Szene.de (News-Fassung)

News

Jetzt gibt es endlich mal konkrete Zahlen, wie das Kräfteverhältnis zwischen den (nach unserer Wahrnehmung) beiden größten Marketplace-Lendern hierzulande wirklich aussieht – und zwar: Nachdem Auxmoney neulich mitgeteilt hat, 2017 Kredite im Volumen von 316 Mio. Euro vermittelt zu haben, verrät der Deutschland-Chef von Funding Circle nun, was er entgegenzusetzen hat: 55 Mio. Euro. Gründerszene

Und noch ganz schnell zwei kleine Fintech-Meldungen, die uns erst wieder eingefallen sind, als die Mailchimp-Maschine um kurz vor 5 Uhr schon zu rattern anfing, und die wir darum einfach nur noch kurz eingeschoben haben: Der Robo-Advisor Investify kooperiert künftig beim Vertrieb mit einem Immobilienspezialisten namens Poll (was insofern News-Charakter haben könnte, als das der erste oder einer der ersten Fälle ist, dass ein Robo-Produkt über einen Partner vermittelt wird, der sonst nichts mit dem Thema Geldanlage zu tun hat) … und die andere News? Ach ja, der deutsche Crowdinvesting-Markt hat 2017 die 200-Mio-Euro-Marke geknackt. ETF Funds (Investify), Crowdfunding.de (PDF)

Die drei wichtigsten Zahlen aus der gestern vorgestellten Bilanz der Volks- und Raiffeisenbanken (und in Klammern jeweils zum Vergleich das Ergebnis der Sparkassen): 1.) Anders als die Roten schaffen die Blauen es auch weiterhin, den Immobilienboom in einen höheren Absatz bei den Baufinanzierungen umzumünzen, wobei wir nicht wissen, welches Risikokosten damit womöglich verbunden sind. Jedenfalls, das private Baufi-Volumen stieg um 5,2 Prozent (-1,8%); .2) Das Provisionsergebnis legte um 8,1 Prozent zu, was nur unwesentlich weniger war als bei den Sparkassen (8,4%); 3.) Und anders als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz vollbrachten es die Volks- und Raiffeisenbanken tatsächlich, mit dem Plus bei den Provisionen den Rückgang bei den Zinsen überzukompensieren, auch wenn das Zinsergebnis um 1,6 Prozent schrumpfte (-3,0%). Ertragsentwicklung (PDF), Geschäftsentwicklung (PDF)

Die ETF-Sparte der Commerzbank geht voraussichtlich an Société Générale: … schreibt jedenfalls das „Handelsblatt“, und gefühlt würden wir sagen, dass wir, hätten wir die Zeit gefunden, gestern Abend noch schnell bei der Coba anzurufen, um nachzufragen, ob das denn auch stimmt, jetzt vermutlich schreiben dürften, dass die Informationen „in Finanzkreisen bestätigt“ worden seien. Handelsblatt (Paywall)

Warum die Deutsche Bank beim DWS-Börsengang die in unserer gestrigen Ausgabe skizzierten Abschläge macht: Wohl auch, weil die DWS laut Prospekt für dieses Jahr mit einer leichten Eintrübung der Geschäfte rechnet (was dann doch erstaunt angesichts des Boheis, der neulich PR-seitig um die angeblich so duften 2017-Zahlen gemacht wurde). Zudem ist die Blaubank offenbar auf den Trichter gekommen, dass die gewählte KGaA-Struktur womöglich nicht bei jedem Investor in London, New York oder Singapur zu Jubelstürmen führt. Handelsblatt (zu den 2018er-Zahlen), Financial Times (Paywall, zur KGaA-Struktur)

Oha, dreht jetzt sogar die ING Diba an der Gebührenschraube? Naja, zumindest so ein gaaanz klein bisschen, wenn wir es richtig deuten. So bezahlt der Wertpapierkunde (der dies dieser Tage per Post mitgeteilt bekam) z.B. bei einer Order von 3000 Euro künftig 2,50 Euro mehr als bislang (bei kleineren Käufen allerdings bezahlt er dafür auch etwas weniger). Die Gebühr für den Wertpapierservice steigt von 9,90 Euro auf 14,90 Euro.

Liebe Leser, die Sparkassen dürfen Ihre Kundinnen auch weiterhin Kunde nennen, hat der BGH entschieden. Manager Magazin

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Wie lassen sich die Betrugsrisiken im Online-Zahlungsverkehr reduzieren? Darüber hat Jochen Siegert vom Paymentandbanking-Blog mit Roberto Valerio, dem CEO von RiskIdent, gesprochen. PAB (Podcast)

Warum 2018 das „Jahr der Entscheidung“ für P2P-Lender werden könnte … erklärt Patrick Jenkins von der „Financial Times“ (Paywall)

Klickfavorit

… war gestern Christian Kirchners wunderbares Stück über die Original-Schauplätze der „Bad Banks“-Serie. Capital