15/02/19: Das Grundübel der Commerzbank, Unsere 2 Cents zu Wirecard, Dt. Bank

Was bleibt hängen nach 1,5h Bilanz-PK und 1,5h Coba-Zahlen-Studium? Ertragsproblem …

Die Commerzbank hat die löbliche Angewohnheit, ihre Geschäftszahlen in einigermaßen lesbare Präsentationen zu kleiden. Manchmal hat man bei der Lektüre daher einen regelrechten Aha-Effekt. Bisweilen ist es aber auch so, dass man die Präsentationen rauf und runter und kreuz und quer und vor und zurück lesen kann, und am Ende bleibt doch nur das hängen, was man eh schon wusste: Diese Bank hat (trotz allem) ein riesiges Ertragsproblem! Warum „trotz allem“? Weil Finanzchef Engels bei der gestrigen Bilanz-PK mit  Recht betont hat, dass im vergangenen Jahr 1.) die bereinigten Erträge um 5% und 2.) der Zinsüberschuss sogar um 10% gestiegen sind. Was man jedoch entgegnen muss: Das geschah vom niedrigst vorstellbaren Niveau aus, und ausgerechnet im so wichtigen Firmenkunden-Geschäft ging’s 2018 weiter runter (zudem hat die Coba das Geschäft mit Ratenkrediten auf die eigene Bilanz geholt, gewinnt also bei den Zinsen auf Kosten der Provisionen). Conclusio: Dass sich die Coba gestern fast schon resignativ von ihrem Cost-Income-Ratio-Ziel (66% bis 2020) verabschiedet hat, auch das liegt nicht an den Kosten – sondern selbstredend: an den Erträgen.

Linktipps zur Coba:

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Die deutsche Fintech-Branche hat ihren Goldgräber-Moment erreicht

Das Jahr ist noch jung, und doch überschlagen sich in der deutschen Fintech-Branche die Ereignisse. Alles ging los mit der Mega-Finanzierung für N26 (260 Mio. Euro Funding; 2,3 Mrd. Euro Bewertung) Mitte Januar. Dann folgte vergangene Woche die 100-Mio.-Euro-Runde von Weltsparen, zu der wir Ihnen heute übrigens die Bewertung liefern können. Sie dürfte unseren Berechnungen zufolge bei rund 670 Mio. Euro liegen (hier ein „Kurz gebloggt“ zu der Frage, warum wir auf diese Zahl und andere Medien auf andere Zahlen kommen). Als nächstes überraschten am Dienstag die krassen Wachstumszahlen von Auxmoney. Und schließlich wurde diese Woche via „Reuters“ auch noch das Berliner Ur-Fintech Smava zum Verkauf gestellt. Angestrebter Preis, angeblich: umgerechnet 440 Mio. Euro. Was folgt aus alldem? Die deutsche Fintech-Branche hat ihren Goldgräber-Moment erreicht! Wer jetzt nicht funded oder den Exit hinlegt, der ist schön blöd … (mehr zu Smava übrigens weiter unten)

News

Apropos Goldgräber-Stimmung: Wie gestern angerissen, platzte diese Woche mitten in die immer neuen Funding-Rekorde eine KPMG-Studie, wonach die Investitionen in deutsche Finanz-Startups 2018 um gut 40% eingebrochen sind.  Wir hatten ja versprochen, der Sache nachzugehen. Also: In aller Zurückhaltung möchten wir behaupten, dass KPMG da so ein bisschen auf dem Holzweg ist. Der 2018er-Einbruch war nämlich eine Folge der auffällig hohen Investitionen in 2017 (umgerechnet 1,7 Mrd. Dollar). Diese wiederum beruhten zu einem beträchtlichen Teil auf einem Sonderfaktor in Q3, nämlich dem Concardis-Verkauf. Diese Transaktion sah aber nun so aus, dass da die hiesigen Banken „ihren“ alteingesessenen Zahlungsdienstleister (also Concardis) an zwei US-Private-Equity-Firmen verkauft haben. Ist das (siehe auch unser Newsletter vom 14. Februar letzten Jahres) eine Investition in ein deutsches Finanz-Startup? Und wenn ja, hätte man dann den zwischenzeitlichen Weiterverkauf (bzw. den Merger) von Concardis nicht in die 2018er-Zahlen aufnehmen müssen?

Kommen wir, wie weiter oben angekündigt, nochmal zum Berliner Kredit-Vergleichsportal Smava: In der „Reuters“-Meldung wird unter Bezugnahme auf anonyme Quellen (könnte es sein, dass es sich dabei um Smava bzw. Smava-Investoren handelt?) wie gesagt über einen Preis von 500 Mio. Dollar spekuliert, also in hiesiger Währung 440 Mio. Euro. Das klingt nicht illusorisch, aber doch nach einem Goldgräber-Aufschlag, denn zur Erinnerung: Der in Größe und Geschäftsmodell sehr gut vergleichbare Hamburger Smava-Doppelgäner Finanzcheck ist letzten Sommer für 285 Mio. Euro weggegangen. Sonst noch was? Dass wir ein paar Zweifel haben, ob Smava über all die Jahre von Investoren wirklich 135 Mio. Dollar erhalten hat, wissen Sie ja (ansonsten können Sie es hier nachlesen). Und dann haben wir noch kurz die Gesellschafterliste hervorgekramt, um Ihnen zu zeigen, wer denn von einem Verkauf oder IPO am meisten profitieren würde. Soviel vorab: Die Gründer sind’s eher nicht. Sondern: in erster Linie eine deutsche Venture-Capital-Firma (die wir diese Woche schon mal lobend erwähnt hatten): Finanz-Szene.de

Noch ein hübscher Schnipsel aus den Coba-Zahlen: Die Commerzbank hat 2018 bei Ratenkrediten ein Neugeschäftsvolumen von 1,9 Mrd. Euro erzielt und somit also rund 4-mal so viel Umsatz gemacht wie der Düsseldorfer Marketplace Lender Auxmoney (etwa 500 Mio. Euro). Wir finden nicht, dass diese Erkenntnis für oder gegen einen der beiden Player spricht – sondern dachten einfach nur, die Relation ist ganz spannend und könnte Sie vielleicht interessieren.

Kurzmeldungen: Laut „Financial Times“ fordern mehrere große Investoren von der Deutschen Bank härtere Einschnitte im US-Investmentbanking (FT/Paywall, Manager Magazin) +++ Die Deutsche Börse rechnet nach guten Zahlen für 2018 für dieses Jahr mit einem Gewinnplus von weiteren 10% (Börsen-Zeitung) +++ Der ID-Dienstleister Verimi, hinter dem u.a. die Deutsche Bank steht, hat eine ZAG-Lizenz erhalten (Pressemitteilung)

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Wirecard

Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist (oder auch nicht), haben wir uns beim Thema Wirecard diese Woche weitgehend zurückgehalten. Warum? Weil wir glauben, dass viele vermeintliche „News“ der letzten Tage vom Kern der Sache (stimmen die „FT“-Berichte oder stimmen sie nicht???) wegführen. Beispiel: Wenn jetzt irgendein Wirecard-Manager gefühlte zwei Monatsgehälter in Aktien seiner eigenen Firma investiert – dann soll uns das was bitteschön sagen? Genauso irrelevant: Ob irgendsoein Hedge-Fonds, den niemand kennt, seine Leerverkaufsposition diese Woche um 0,26 Promille aufgestockt oder abgebaut hat. Ebenfalls fragwürdig: Plötzlich ganz aufgeregt zu vermelden, wenn Herr Braun zwitschert, die Geschäfte im Januar seien gut gelaufen. Oder wenn umgekehrt Herr McCrum (das ist einer der „FT“-Reporter) zwitschert, eine australische Zeitung schreibe jetzt dasselbe wie er selber auch. Unserer bescheidenen Meinung nach ist das alles Non-Core, wie Sie, liebe Banker*Innen, zu sagen pflegen.

Spannend fanden wir dagegen einen Nebensatz-Hinweis in einigen Medien, wonach die Untersuchungen der asiatischen Anwaltsfirma Rajah & Tann noch bis zu sechs Wochen dauern sollen. Denn: In sechs Wochen ist was? Ende März! –  Und was kommt nach Ende März? Anfang April! – Und was soll laut Wirecards IR-Seite am 4. April veröffentlicht werden? Der 2018er Abschluss! – Das wiederum heißt, dass irgendjemand von Ernst & Young (das ist der Wirecard-WP …) allerallerspätestens  im Laufe des 3. April eine sehr, sehr, sehr wichtige Unterschrift zu leisten hat, zumal danach ja vielleicht auch der AR nochmal kurz drüberlesen soll. Will heißen: Mag sein, dass die ganze Causa noch ein paar Wochen vor sich hinbrutzelt. Aber der 4. April ist D-Day. Spätestens dann wissen wir mehr.

[Anm.: Die Linktipps haben wir heute aus Platzgründen – und weil wir diese Woche ohnehin nicht sooo viel gelesen haben, von dem wir dachten, Sie müssten das unbedingt auch lesen – ausfallen lassen. Das wird aber die absolute Ausnahme bleiben, keine Bange!]

Klickfavorit

… und sogar meistgeklickter Artikel in der bisherigen Geschichte von „Finanz-Szene.de“ war der N26-Scoop gestern. Finanz-Szene.de

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