15/05/18: Sparkasse vs. Goldman Sachs, Dt. Bank schrumpft Führung, Plattform-Banking

Wer ist der wahre Herausforderer der deutschen Banken: Amazon, Tencent, N26 – oder Goldman?

Bei „Finanz-Szene.de“ haben wir (zugegebenermaßen)  eine gewisse Routine darin entwickelt, jede Woche einen neuen Herausforderer für die etablierte deutsche Kreditwirtschaft auszurufen. Mal sind es die Gafas (sprich: Google, Amazon, Facebook und Apple), mal die BATs (sprich: die chinesischen Gafas), gelegentlich führen wir die Allianz ins Feld, und wenn uns gar nichts mehr einfällt, dann N26. Wobei: Vielleicht sind die größte Gefahr für die etablierten Banken ja auch – die etablierten Banken. Allerdings jene, die keine achtstelligen Summen in ihre Digitalisierung investieren. Sondern zehnstellige. Und zwar seit Jahren. Womit wir bei Goldman Sachs wären. Denn das die US-Investmentbank gestern angekündigt hat, mit ihrem digitalen Retail-Angebot „Marcus“ nach Deutschland zu kommen, sollte man  nicht als Skurrilität abtun. Es dürfte sich eher um einen wohlgesetzten Angriff handeln in Zeiten, in denen es zur Gründung einer Bank nicht mal mehr eine grüne Wiese, sondern nur noch eine Cloud braucht. Dazu passt übrigens eine fast identische Meldung vom Wochenende, man braucht nur die Bank und das Land auszutauschen. Denn Santander will (ebenfalls unter „falscher“ Brand) eine digitale Stand-Alone-Bank in UK hochziehen. Planungshorizont? Ein paar Monate. Da wird man bei Yomo aufhorchen. Denn die Smartphone-Bank der deutschen Sparkassen hat ihren Launch bekanntlich gerade erst um ein weiteres Jahr verschoben. Financial Times (Goldman/Paywall), The Telegraph (Santander), Handelsblatt (Yomo/Paywall), Finanz-Szene-Archiv (Yomo wird zum Fiasko)

 

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News

Deutsche-Bank-Kunden sollen HSH Nordbank liquide halten: Niemand wird behaupten, dass das wichtigste Geldhaus des Landes seine Einlagenplattform „Zinsmarkt“ im Eiltempo hochzieht. Aber immerhin: Anders als bei Yomo geht es bei der Blaubank wenigstens voran. So tummelt sich auf dem „Zinsmarkt“ nach der Pfandbriefbank und der französischen Money Bank nun ein weiteres Hochzinsinstitut, dem die Deutsche-Bank-Kunden ihre Ersparnisse anvertrauen sollen, nämlich die HSH Nordbank. Natürlich hat dieses Arrangement ein Geschmäckle – schließlich ist unklar, welcher Einlagensicherung das Nordinstitut in den nächsten Jahren angehören wird. Bei der Deutschen Bank sieht man das allerdings eher locker. Immerhin gibt es ja noch den gesetzlichen Einlagenschutz. Und: Wer will sich auf dem Weg zur „Plattformbank“ schon mit solchen Kleinigkeiten beschäftigen? Süddeutsche Zeitung

Apropos Deutsche Pfandbriefbank: Vor ein, zwei Jahren sah es ja so aus, als bräuchte man sich um die Ex-HRE und ihr besser beleumundetes Pendant, also die Aareal, erstmal keine Sorgen mehr zu machen. Nun allerdings wird „das Umfeld“ doch wieder „herausfordernder“, um es mal im Rhetorikseminardeutsch der Bankvorstände zu sagen. Bleibt nur zu hoffen, dass die beiden Immobilienbanken nicht auf dumme Gedanken kommen – denn das tun Immobilienbanken in schwierigen Zeiten ja leider öfter. Immobilien-Zeitung

Und nochmal zurück zur Deutschen Bank: Ausweislich eines internen Memos, das freilich nicht so intern war, als dass die PR-Leute es gestern Abend nicht großzügig hätten herumreichen können, wird das „Executive Committee“ der Privatkundensparte von 24 auf 16 Mitglieder verkleinert. Wie die FAZ feststellt, kommen die (bisherigen) Postbank-Manager bei der Straffung der Führungsstruktur allerdings auffällig ungeschoren davon. Schon am Freitag hatte die Blaubank mitgeteilt, auch das „Executice Committee“ des Investmentbankings um ein Drittel einzudampfen. Börsen-Zeitung

Und ein letztes Mal Deutsche Bank für heute: Standard & Poor’s hat die Wahrscheinlichkeit eines Downgrades gestern auf „mindestens 50 Prozent“ beziffert. Eine Entscheidung soll noch im Laufe des Monats fallen. Reuters

Linktipps

„Das weiß ich leider nicht“: Alexas Finanzen-Skills scheitern mitunter an einfachsten Aufgaben. Warum setzt die deutsche Kreditwirtschaft dann trotzdem auf Voice-Banking? DZ Innovationsblog

Gehört dem Open Banking wirklich die Zukunft? … fragt Kollege Leichsenring und erklärt am Beispiel von Uber, warum die Unternehmen, die am lautesten „Plattform“ rufen, oftmals ein ganz anderes Konzept verfolgen. Der Bank-Blog

So funktioniert Bitbond: … also das Berliner Fintech, das weltweit Kredite via Bitcoin vermitteln will. Reuters

Ist das wirklich noch zu rechtfertigen … wenn die Trading-App Robinhood in einer Finanzierungsrunde 363 Millionen Dollar einsammelt? Robinhood-Blog

Und falls Sie heute blaumachen, die Entscheidung aber bereits bereuen, weil Ihnen langweilig ist: Dann tun Sie sich doch mal diese rund 90-minütige Youtube-Debatte hier zu der ewig jungen Frage an, warum der Bitcoin vielleicht doch mehr ist als eine Blase.  Youtube

Ich lese Finanz-Szene.de, weil

… ich mit dieser Morgenlektüre einen exzellenten Überblick über die spannenden Entwicklungen aus Fintech-Szene und Finanzindustrie bekomme. Obendrein macht die Lektüre Spaß, weil unterhaltsam geschrieben. Eine echte Inspiration.

Tomas Peeters ist Vorstand bei Interhyp – und einer von mittlerweile mehr als 5500 Abonnenten

Klickfavorit

… war am Freitag unsere Analyse zur Digitalisierung des Firmenkunden-Geschäfts. Finanz-Szene.de