15/08/18: Das Wachstums-Märchen der Coba, Wirecard überholt Dt. Bank, Was macht Herr Ritchie?

Exklusiv: Die Commerzbank gewinnt seit einem Jahr kaum noch neue Kunden

Die Commerzbank setzt im Privatkundengeschäft voll auf Wachstum – das ist die Botschaft, die Vorstand Michael Mandel am Wochenende via „Handelsblatt“-Interview in die Welt gesendet hat. Recherchen von „Finanz-Szene.de“ werfen nun allerdings die Frage auf, wie ernst es der Frankfurter Großbank mit dieser Offensive wirklich ist. Denn: Wie unsere tiefgreifende Datenanalyse zeigt, gewinnt die eigentliche Commerzbank seit nunmehr vier (!) Quartalen kaum noch neue Kunden. Wenn überhaupt, dann kommt frische Klientel über die Tochter Comdirect. Doch selbst wenn man deren Zahlen zu denen der Filialbank hinzurechnet, ist die Wachstumskurve Mitte 2017 spektakulär abgeknickt und dümpelt seitdem flach vor sich hin. Die Gründe hierfür? Schwer zu sagen. Eine Vermutung haben wir jedoch: Kann es sein, dass die Kundenakquise die eigentliche Commerzbank (sprich: die Filialbank) derart teuer kommt, dass Frankfurt seine ursprünglich ja sehr ehrgeizigen Wachstumsziele inzwischen klammheimlich an Quickborn outgesourct hat? Lesen Sie hier unsere große Analyse (inklusive fast genauso großer Grafik): Finanz-Szene.de

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News

Jetzt ist es also soweit, das Ur-Fintech Wirecard hat in Sachen Börsenwert die Deutsche Bank überholt: … und viel fehlt nicht mehr, dann zieht der Münchner Payment-Konzern, dessen Bilanz die meisten Sell-Side-Analysten übrigens schlicht überfordert (was die aber natürlich nicht zugeben dürfen), auch noch an der Deutschen Börse vorbei, womit Wirecard dann hinter der Allianz und der Münchner Rück der drittgrößte deutschen Finanzkonzern wäre. Manager Magazin

Die Wiesbadener „Wir überraschen unsere Aktionäre selten positiv, aber noch seltener negativ“-Bank Aareal hat ihre Aktionäre gestern dann doch mal negativ überrascht: …  denn die Margen sind im zweiten Quartal ein merkliches Stück gesunken. Ansonsten ist beim Immobilienfinanzierer alles so wie immer, also wenig spektakulär. Unterm Strich verliert die Aktie gut fünf Prozent. Börsen-Zeitung, Handelsblatt (Paywall)

Bleibt der Deutsche-Bank-Vize Garth Ritchie nun oder geht er? Ein Sprecher der Blaubank hat hierzu gestern mitgeteilt: „Die Verträge mit unseren Vorstandsmitgliedern sind grundsätzlich befristet, und einige davon laufen im kommenden Jahr aus. Diese Verträge stehen zur Verlängerung an und sind auf der Tagesordnung für das nächste ordentliche Treffen des Aufsichtsrats im Oktober.“ Können Sie sich einen Reim darauf machen? Wir können es nicht. Reuters

Da kann man nur hoffen, dass der strenge Herr Mustier es nicht mitkriegt: Aus den ETF-Dachfonds der Hypo-Vereinsbank sind  im ersten Halbjahr eine dreiviertel Mrd. Euro abgeflossen. Fondsprofessionell

Der deutsche Geldautomatenhersteller Diebold-Nixdorf stellt sich zum Verkauf: Das jedenfalls berichtet CNBC – und wir wollten es Ihnen zumindest nicht vorenthalten. CNBC

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„Fusionen erfolgreich anbahnen und umsetzen“: 44% aller Sparkassen und Volksbanken planen mittelfristig mit einer Fusion oder befinden sich aktuell in einer Fusion. Dies ergab die Horváth & Partners – Fusionsstudie des letzten Jahres. Auch in diesem Jahr führen wir dazu eine Umfrage durch. Nehmen Sie an unserer 5-minütigen Befragung teil und profitieren Sie von den exklusiven Studienergebnissen: https://hrvth.com/2lLWc6J

Linktipps

Unser aller Finanzaufsicht hat kürzlich eine neue Schriftenreihe unter dem Titel „Bafin Perspektiven“ gestartet: Gleich die erste Ausgabe befasst sich (zeitgeistgemäß) mit Big Data, AI und der Blockchain. Vielleicht ja nicht die unergiebigste Lektüre für Sie. PDF

„In der Fintech-Szene passiert so viel, dass man schnell den Überblick verliert“ … schreibt die Ratepay-Chefin und „Welt“-Kolumnistin Miriam Wohlfarth – und gibt einen kleinen Überblick über die Ereignisse der vergangenen Monate. Welt 

Das Wichtigste aus der Sommerpause, Teil II

Aufgrund von Werksferien ist „Finanz-Szene.de“ in den vergangenen zwei Wochen nicht erschienen. Nachdem wir gestern kurz behandelt haben, was in dieser Zeit in der deutschen Bankenbranche passiert, hier nun der Fintech-Rückblick:

  • Warum es bemerkenswert ist, dass Compeon und die Solarisbank jetzt den (ersten?) digitalen Mittelstandskredit launchen: Zur Lektüre in diesem Zusammenhang empfehlen wir nicht nur die offizielle Pressemitteilung, sondern auch unseren Newsletter vom 22. Mai („Beginnt jetzt das Rennen um den digitalen Firmenkunden-Kredit?“). Denn: Damals hatte sich noch Fincompare als Partner von Solaris positioniert (der Solaris-Chef und der Fincompare-Chef stellten sich zur Präsentation der Pläne sogar gemeinsam auf die Bühne …), jetzt ist es plötzlich der Erzrivale Compeon. So schnell wechseln im Open-Banking-Zeitalter bisweilen die Bettgenossen.
  • Einen meinungsfreudigen Abgesang aufs KMU-Crowdlending hat letzte Woche die Beratungsfirma Deloitte veröffentlicht (Tenor: „Das Crowdlending kann sich in einem wichtigen Segment nicht durchsetzen. Mittelständische Unternehmen zeigen wenig Interesse an dieser Finanzierungsform.“). Hierzu vier Anmerkungen unsererseits: 1.) Per se und wörtlich genommen stimmt der Befund, jedenfalls für den Moment. 2.) Gleichwohl ist die Datengrundlage ein bisschen enttäuschend. So beteiligten sich von 60.000 Unternehmen, die angeschrieben wurden, nur 244 an der Befragung. 3.) Smava ist anders als in der Studie beschrieben keine Crowdlending-Plattform. 4.) Vielleicht sollte man statt von Crowdlending in Zukunft ohnehin besser von „Insti-Lending“ sprechen …
  • Denn: Beim wichtigsten KMU-Plattform-Lender hierzulande, nämlich bei Funding Circle Deutschland, kommen inzwischen 85% des vermittelten Volumens von institutionellen Investoren (Quelle: freundliches Telefonat mit dem CEO). Bei der sektorübergreifend größten deutschen Lending-Plattform wiederum, also beim auf Ratenkredite spezialisierten Düsseldorfer Anbieter Auxmoney, stammt ein großer Teil des Geldes  vom niederländischen Versicherer Aegon (Quelle: Das ist allgemein bekannt). Zugleich hat die ING-Diba jüngst den Funding-Circle-Konkurrenten Lendico übernommen, während (siehe oben) Compeon und die Solarisbank gerade einen digitalen KMU-Kredit gelauncht haben. Will sagen: Mag sein, dass „Crowdlending“ wörtlich genommen tot ist. Aber die aus Bankensicht disruptive Gefahr der dahinter stehenden Idee (nämlich digitale Plattform-Kredite unter Umgehung traditioneller Banken) ist damit keineswegs gebannt. Denn ob der Kredit nun im Depot des Crowdanlegers, auf der Bilanz von Aegon oder (via Lendico) auf der Bilanz der ING Diba landet … – auf der Bilanz der Sparkasse von nebenan landet er jedenfalls so oder so oder so nicht mehr.
  • Und noch eine allerletzte Anmerkung: Wie letzte Woche (quasi zeitgleich mit der Deloitte-Studie) bekannt wurde, hat Auxmoney das Volumen der neu ausgezahlten Kredite im ersten Halbjahr um rund 90% auf 255 Mio. Euro (!) gesteigert. Nun ist Auxmoney wie gesagt auf Ratenkredite spezialisiert. Aber warum sollte die gleiche Disruption zumindest bei kleinvolumigen KMU-Finanzierungen nicht ebenfalls möglich sein? Siehe die milliardenschwere Vermittlungsvolumina von Funding Circle im Heimatmarkt Großbritannien.
  • Waaaaas, ein Fintech-Rückblick ohne N26? Nein, natürlich nicht. Unsere „Wir bringen jede Woche ein neues Feature raus“-Freunde aus Berlin haben nämlich letzte Woche ein neues Feature rausgebracht, es heißt „Spaces“ und läuft darauf hinaus, dass der Kunde sein Girokonto in sogenannte „Unterkonten“ aufspalten kann. Klingt jetzt gar nicht mal soooo abgespaced. Pressemitteilung

Klickfavorit

… war gestern unsere große Analyse zur erstaunlich ertragsschwachen Solarisbank. Finanz-Szene.de