18/01/19: Fusions-Chaos bei Sparkassen, Die Dt. Bank und Cum-Ex, BNP vs. Metzler

Fusions-Frust bei Sparkassen und Volksbanken: Fünf geplatzte Zusammenschlüsse in drei Monaten

Dass die Pläne für eine Super-Sparkassen-Landesbank auf absehbare Zeit Wunschtraum bleiben dürften – geschenkt. Und dass die Helaba und die NordLB nach jetzigem Stand nicht zusammenkommen – abgehakt. Was allerdings auffällt: Selbst auf regionaler Ebene hat sich in den letzten Monaten eine gewisse Fusionsmüdigkeit breitgemacht. Ist jedenfalls unser Eindruck. So sind im vierten Quartal mindestens fünf geplante Zusammenschlüsse von Sparkassen bzw. Volks- und Raiffeisenbanken doch noch geplatzt, zeigen Pseudo-Recherchen von „Finanz-Szene.de“ auf Basis von „Google Alert“. Neben vier Zweier-Bündnissen (davon eine im Sauerland, eine im Landkreis Offenbach, eine im Großraum Oldenburg und nochmal eine im Sauerland) ging es dabei auch um eine Vierer-Fusion (nämlich in Niedersachen), sodass Banken-Deutschland gleich mal mit sieben Kleininstituten mehr ins neue Jahr gestartet ist als eigentlich geplant. Scheitert die vielbeschworene (und in gewissem Maße sicher auch sinnvolle) Konsolidierung letztlich an lokalen Befindlichkeiten?

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News

Ist die Deutsche Bank tiefer in Cum-Ex verstrickt als bislang bekannt? Das größte Geldhaus des Landes habe schon 2007 von den Steuerdeals anderer Finanzdienstleister gewusst, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf interne E-Mails. Doch statt den Fiskus zu informieren, „verdiente die Bank weiter mit“. Süddeutsche

Liebe Banker*innen, Hand aufs Herz, haben Sie sich selber auch schon mal sagen hören, dass die Fintechs doch alle kein Geld verdienen? Jedenfalls: „Finanz-Szene.de“ hat sich dieser Tage mal durch die Abschlüsse praktisch aller einigermaßen bekannten, maximal zehn Jahre alten deutschen Finanz-Startups gewühlt. Und siehe da: Zumindest vier von ihnen haben 2017 (aktuellere Jahresabschlüsse sind nicht verfügbar) Gewinn gemacht. Voilà: Finanz-Szene.de

So, in Sachen NordLB steuern wir dann langsam mal auf das große, womöglich krachende Finale zu – gibt es denn was Neues? Um ehrlich zu sein, nicht wirklich. Das „Handelsblatt“ zitiert heute Morgen aus einem Brief, den Sparkassen-Präsident Schleweis vor dem großen Landesbanken-Sparkassen-Krisengipfel nächsten Montag an die Vorstände der 384 Ortsbanken geschickt hat. Wenig überraschender Tenor: a) Abwicklung unter allen Umständen vermeiden; b) Ziel bleibt eine öffentlich-rechtliche Auffanglösung; c) Teilprivatisierung wäre schlecht, aber kein GAU – denn, siehe oben: Der GAU wäre ja „a“. Bleibt die Frage, wie realistisch das mit der Auffanglösung denn ist. Hierzu Kollege Wittkowski von der „BÖZ“ heute Morgen: „Die Sorge, schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen, ist [innerhalb des Sparkassensektors] evident und die Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren, entsprechend gering.“ Handelsblatt (Paywall), Börsen-Zeitung (Paywall)

Was haben die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank gestern gemacht, nachdem sie vorgestern so fulminant gestiegen waren? Nun, sie haben gemacht, was sie – vorgestern ausgenommen – eigentlich immer machen, jedenfalls fast immer. Blau: minus 4,1%. Gelb: minus 3,4%.

Mit der Implementierung von Kernbanksystemen ist es bekanntlich wie mit dem Bau von Hauptstadt-Flughäfen oder der Errichtung von Elbphilharmonien. Jüngstes Beispiel: Das im Frühjahr 2017 gestartete Gemeinschaftsprojekt der drei  Bausparkassen BHW, Schwäbisch Hall und Wüstenrot. Wie die „Börsen-Zeitung“ berichtet, sollten die ersten grundlegenden IT-Lösungen zum Jahreswechsel 2018/19 fertig sein. Stattdessen drohe nun eine Verzögerung von bis zu zwei Jahren. Der Dienstleister? Das IT-Haus IBS, wobei das Kürzel für „Innovative Banking Solutions“ steht. BÖZ (Paywall)

Und noch ein paar Kurzmeldungen: Die BNP Paribas hat ihr deutsches Private-Banking-Team zum Jahreswechsel mal eben um 40 neue Mitarbeiter erweitert (Private Banking Magazin) +++ Über den auf KMU-Kredite spezialisierten Berliner Marketplace-Lender Funding Circle Deutschland sind 2018 Darlehen im Umfang von 105 Mio. Euro vergeben worden, was einer Wachstumsrate von 91% entspricht +++ Nach Amazon und Google hat sich nun auch Alipay eine europäische E-Money-Lizenz gesichert (Cash-Online, Handelsblatt/Paywall) +++ Die auf Banken spezialisierte Berliner Ratingagentur Scope hat Ralf Garrn, den langjährigen Chef von Euler Hermes Ratings verpflichtet – ein Schritt, der in Richtung eine große deutsche Ratingagentur deutet (Linkedin) +++ Dazu passt, dass Scope jetzt auch eine Zulassung der Schweizer Finma erhalten hat (NZZ) +++ Das Berliner Fintech Forexfix (Geschäftsmodell: Währungsabsicherungen für Mittelständler) hat eine Reihe namhafter Investoren gefunden, darunter den früheren Marketingchef von N26 (Gründerszene)

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Linktipps

Truthahn + Truthahn = Adler? Was gegen eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank spricht. Börsen-Zeitung, Süddeutsche Zeitung

Eine kurze, aber schonungslose Bestandsaufnahme des Status quo bei Paydirekt … zu lesen wiederum bei den Kollegen der Börsen-Zeitung.

Aus der Reihe „Gesichter der Fintech-Branche“ bei unseren Kollegen vom „Paymentandbanking“-Blog: Hartmut Giesen von der Sutor Bank. PAB

Klickfavorit

… war gestern die personelle Fintech-Offensive der DKB. Finanz-Szene.de

Brief an die Leser

Liebe Leserinnen und liebe Leser, manchmal sind Sie ganz schön streng mit uns. Herr K. beispielsweise beschied uns dieser Tage, dass innerhalb des genossenschaftlichen Bankensektors das inoffizielle Copyright für die Filial-Videokabine nicht der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu, sondern der VR Bank Südpfalz obliege. Eine bedauerliche Wissenslücke unsererseits. Frau Sch. und Herr B. wiederum wiesen darauf hin, dass wir in der gestrigen Ausgabe die Wörter „Absender“ und „Adressat“ verwechselt hätten. Auch hier: schuldig im Sinne der Anklage. Herrn A. wollen wir unterdessen versichern, dass „Finanz-Szene.de“ den VÖB und den vdp in Zukunft nur noch ganz selten unterschlagen wird, wenn es um die Aufzählung der unter der riesigen Kuscheldecke der „Deutschen Kreditwirtschaft“ knutschenden Bankenverbände geht (Hashtag #Petting statt PSD2). Noch was? Ja, Herr R. hätte gern „endlich mal wieder eine Ausgabe ohne N26“, ein Wunsch, den wir mal wieder nicht erfüllt haben. Und jetzt zu Herrn Sch.: Wir hatten peinlicherweise wirklich keine Ahnung, dass First-Data-Telecash nicht mehr in Bad Vilbel sitzt, sondern mittlerweile in Bad Homburg. Wobei: Beides ist ja Südpfalz. Ach nee: Ostallgäu.

Bleiben Sie uns gewogen, schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms

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