18/09/18: Das Zins-Massaker, Sinkt die Zahl der Girokonten?, Was wird aus Herrn Reuther?

Das Zinsmassaker und neun weitere Grafiken zum Zustand der deutschen Kreditwirtschaft

Eine Überraschung ist es nicht. Aber wenn man es dann schwarz auf weiß sieht, schaudert’s einen doch kurz: Von 95,9 Mrd. auf nur noch 85,5 Mrd. Euro ist der Zinsüberschuss der deutschen Kreditwirtschaft zwischen 2015 und 2017 gesunken – ein Minus von 11% binnen zwei Jahren, wie aus dem gestern veröffentlichten großen Bankenbericht der Buba hervorgeht. Und das, obwohl (so lässt es sich zwischen den Zeilen herauslesen) viele Banken die Kreditvolumina weiter hochgefahren haben und manche mittlerweile die Fristen transformieren, dass sich die Balken zu biegen beginnen. Dabei  sind die 85,5 Mrd. Euro nicht die einzige alarmierende Zahl in dem Report: Infolge der fehlenden Zinseinnahmen sind die Gesamterträge der deutschen Banken auf nur noch 123,1 Mrd. Euro gesunken. Und sonst so? Lebten die Kleinbanken 2017 von steigenden Provisionen und immer noch niedriger Risikovorsorge. Und die Großbanken? Erlebten ein Desaster, und zwar in quasi jedweder Hinsicht. Hier die zehn wichtigsten Grafiken (mit Langzeitvergleich) auf einen Blick: Finanz-Szene.de

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News

Noch ein Spin-Off des heutigen Aufmachers: Wie aus dem Buba-Bericht ebenfalls hervorgeht (wobei hier nicht alle Banken untersucht wurden, sondern nur ein Ausschnitt von 223 Instituten), berechneten Ende vergangenen Jahres bereits gut 50% (!) der deutschen Geschäftsbanken  einem Teil ihrer Kunden Negativzinsen. Betroffen waren vor allem großvolumige Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft. Der Umfang der mit Strafzinsen belegten Gelder stieg im Laufe des vergangenen Jahres von übrigens 9% auf gut 40%. Auch nicht schlecht! Buba-Bericht (PDF; Seite 39)

Ohne jetzt gleich das Ende des Girokontos ausrufen zu wollen … Aber: Ebenfalls höchst interessant fanden wir einen Fund, den „Capital“-Kollege Christian Kirchner in einem anderen dieser Tage veröffentlichten Buba-Bericht gemacht hat – nämlich in der Zahlungsverkehrsstatistik. Demnach ist die Zahl der Giro- und Tagesgeldkonten 2017 nur noch um 0,3% gestiegen (2015 waren es noch 1,8%), bei den Zahlungskonten allein gab es  sogar nur noch ein Nullwachstum (2015 war es noch ein Plus von 2,9%). Kirchner deutet das so, dass immer mehr Banken die alte Berater-Theorie (mehr Konten = mehr Geschäft) infrage stellen. Klingt plausibel. Twitter

Und was wird jetzt aus Herrn Reuther? Nachdem das „Handelsblatt“ gestern Früh berichtete, dass die Commerzbank die Verträge von Privatkundenchef Michael Mandel und Personalvorstand Bettina Orlopp verlängert habe, wirft die „Süddeutsche“ (Seite 18) heute Morgen die Frage nach der Zukunft von Firmenkundenvorstand Michael Reuther auf. Dessen Vertrag läuft noch bis Herbst 2019, über eine Verlängerung (oder auch Nicht-Verlängerung) soll demnach Anfang Januar entschieden werden.

Mal 2-3 Gedanken zur Geschäftsverbindung zwischen Paydirekt und dem Otto-Konzern: Der Paypal-Klon der deutschen Banken verkündete dieser Tage, als neuen Kunden Bonprix gewonnen zu haben, also die stark wachsende Modetochter von Otto (nachdem zuletzt schon die Akquise zweier weiterer Otto-Töchter, nämlich Baur und Sportscheck, vermeldet worden war). Kenner der Materie werden erinnern, dass sich Paydirekt die Zusammenarbeit mit „Otto.de“ einst eine Mitgift von mutmaßlich wenigstens 10 Mio. Euro kosten ließ. Man interpretiert sicherlich nicht zu viel in die Dinge hinein, wenn man die drei neuen Kooperationen in diesen Kontext stellt. Was man sich dabei vor Augen führen muss:  94% der Otto-Kunden nutzen weiterhin den Kauf auf Rechnung oder Ratenzahlung, erklärte ein Otto-Manager im Frühjahr beim EHI-Kartenkongress. Bleibt für Paydirekt also ein 6%-Kuchen. Und um den rangelt man mit den Visas, Mastercards und Paypals dieser Welt. Mal sehen, ob sich die Investition in Otto wirklich rentieren wird. Pressemitteilungen

Zwei Kurzmeldungen aus den Doppeltürmen: Zum einen plant die Deutsche Bank im Zuge des Brexits angeblich eine umfangreiche Verlagerung von Vermögenswerten von London nach Frankfurt, die Rede ist von mittelfristig rund 600 Mrd. Euro (Financial Times, Paywall); zudem soll eine scheidende Topmanagerin der Blaubank in den Milliardenskandal um den malaysischen Staatsfonds „1MDB“ verwickelt sein (Bloomberg).

Und drei kurze Meldungen aus der übrigen deutschen Bankenwelt: Die Berenberg-Bank verkauft ihre Schweiz-Dependance (Finews), UBS-Chef Ermotti hat noch einmal bekräftigt, dass Frankfurt zum neuen europäischen Drehkreuz der Schweizer Großbank werden soll (Manager Magazin), und die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben ihre Kredite  im ersten Halbjahr ausgeweitet (Pressemitteilung/PDF).

Nichts Neues aus der Fintech-Ecke? Doch, aus Gründen der Chronistenpflicht vermelden wir, dass das Kredit-Vergleichsportal Smava jetzt sogar bei einem Darlehensbetrag von 10.000 Euro einen negativen Zins von 0,4% anbietet. Den üblichen Beipackzettel (es handelt sich in erster Linie um eine PR-Aktion, Verbraucherschützer warnen, nicht jeder Interessent kriegt den Kredit etc. pp.) lassen wir einfach mal stecken, Sie kennen das alles ja längst. Manager Magazin

That’s not news

Wie gewohnt immer dienstags unser kurzer Rückblick auf die Nachrichten vom Wochenende:

  • Die DZ Bank will ihren ersten „Green Bond“ begeben. Volumen: 200 bis 250 Mio. Euro. Börsen-Zeitung
  • Der bislang größte einzelne Immobiliendeal des Jahres: Die Commerz Real kauft für 700 Mio. Euro den im Bau befindlichen Omniturm (nachdem zuletzt schon zwei weitere Frankfurter Wolkenkratzer den Besitzer gewechselt hatten, nämlich Pollux und Garden Towers). Property Magazine

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Linktipps

Erinnern Sie sich noch an den „Anti-Plattform-Banking-Gastbeitrag“ von Andreas Buschmeier von letzter Woche? Jedenfalls: Der Artikel hat bei „Linkedin“ eine lebhafte Debatte ausgelöst, an der sich u.a. vier CEOs (darunter der von Paydirekt) und ein Topmanager der Axa beteiligt haben. Falls Sie die Diskussion interessiert: Linkedin

Bloß nicht über Geld reden: Die Social-Media-Strategien der deutschen Banken. Manager Magazin

Warum eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank eher gefährlich als sinnvoll wäre … jedenfalls nach Ansicht der Süddeutschen Zeitung.

Was, Sie können keinen Tag mehr ohne Wirecard sein? Was machen wir denn da? Vielleicht ja auf das kurzweilige Interview verlinken, das CEO Markus Braun dem „Spiegel“ gegeben (oder besser: gewährt) hat. Spiegel (Paywall)

Und wer sich fragt, was denn unsere Bausparkassen so machen … Die plündern munter ihren Notfallfonds. Capital

Klickfavorit

… war am Freitag unser Stück „Wie viele Mitarbeiter hat das Berliner Fintech WebID Solutions wirklich?“. Finanz-Szene.de

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