19/04/18: Fintech-GAU, Moody’s zählt NordLB an, Kirsch vs. Sewing, Hammonds ist weg

Liebe deutsche Fintech-Community, ist es das, wofür Ihr stehen wollt?

Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Das Frankfurter Hype-Fintech Savedroid, das jüngst mittels eines „Initial Coin Offerings“ 40 Mio. Euro eingeworben hat (also echtes Geld von echten Menschen), ist gestern sozusagen verschwunden. Die Homepage bestand nur noch aus dem Bild einer Zeichentrick-Figur (dazu der Text: „Aaand … It’s gone“), das Team war selbst für engste Vertraute nicht mehr zu erreichen, das Twitter-Profil des Chefs zeigte ebenjenen Chef offenbar an einem Flughafen, Daumen hochgereckt, darunter stand: „Thanks guys! Over and out …“ Seitdem sind grosso modo drei Thesen im Umlauf.  1.) Das Savedroid-Team hat sich mit den 40 Mio. Euro aus dem Staub gemacht. 2.) Savedroid ist gehackt worden (wobei: Warum war dann niemand zu erreichen? Gewaltverbrechen?). 3.) Das Ganze ist eine PR-Nummer. Uns erscheint die dritte Variante nicht nur am harmlosesten, sondern auch am plausibelsten. Wobei, was heißt harmlos?  Denn: Savedroid war bis gestern der Vorzeige-Case von Crypto Germany, genoss zudem die explizite Unterstützung prominenter Teile der deutschen Fintech-Community. Was, wenn sich nun herausstellen sollte, dass diese Firma womöglich von Spätpubertierenden geführt wird, in die Tausende arglose Anleger 40 Mio. Euro investiert haben?

 

Sponsored Content

Financial Ecosystems, Banking as a Service und Robo Advisory: Themen, die das finanzielle Leben der Kunden verändern werden. Themen, die sich darauf fokussieren, wie zukünftig Maschine und Berater miteinander agieren. Themen, die enabled werden wollen. Als CPO und Co-Founder (m/w) hilfst Du, Financial Services neu zu erfinden. Bewirb dich jetzt bei uns in München! https://finconomy.de/careers/

Analyse: Was Moody’s der NordLB vorwirft (und das ist nicht wenig …)

Eine Kapitalerhöhung wird sich aufgrund der bekannten Altlasten nicht vermeiden lassen – operativ sieht es aber schon wieder besser aus. Das war so ungefähr die Botschaft, die die NordLB am Dienstag mit der Präsentation ihrer 2017er-Zahlen verknüpfte. Die Ratingagentur Moody’s hat sich besagte Zahlen nun jedoch ein bisschen genauer angeschaut. Und das Ergebnis dieser Analyse kommt einer Ohrfeige für die Landesbank gleich. Ein Auszug: 1.) Lässt man die Einmaleffekte außen vor, dann steht unterm Strich kein Vorsteuergewinn von 195 Mio. Euro, sondern ein fetter Verlust von 333 Mio. Euro. 2.) Die NordLB verliert laut Moody’s erheblich an Ertragskraft. So sei der Zinsüberschuss um 18% gefallen, das Provisionsergebnis sogar um 49%. 4.) Während sich die NordLB zugutehält, die Eigenkapitalquote (CET1) deutlich gesteigert zu haben, weist Moody’s darauf hin, dass sich die Leverage Ratio zugleich auf „schwache“ 3,4 Prozent verschlechtert habe. 4.) Die Risikokosten  seien mit 986 Mio. Euro immer noch viel zu hoch. 5.) Während die ausfallgefährdeten Schiffskredite in Höhe von immer noch 8,2 Mrd. Euro laut NordLB zu 88% abgesichert sind, kommt Moody’s lediglich auf 39%.  Finanz-Szene.de (Dokumentation), Handelsblatt (News)

News

IT-Chefin Kim Hammonds verlässt (wie erwartet) die Deutsche Bank: Das hat das Institut gestern Abend auf seiner Homepage mitgeteilt. Eine Nachfolgerin (oder einen Nachfolger) gibt es noch nicht. DB-Newsroom

Wenn wir es richtig verstehen, erwägt die Apobank, ihr Geschäftsmodell um eine Art Arztpraxen-Leasing  zu erweitern: Statt jungen Medizinern den Aufbau einer eigenen Praxis lediglich zu finanzieren, überlegt das Spezialinstitut für Ärzte und Apotheker, die Praxen selber zu erwerben und sie ihrer Klientel dann zur Miete anzubieten (mit jährlicher Kaufoption). Handelsblatt, FAZ (Paywall)

Falls die Commerzbank im Schweiz-Geschäft wirklich so gut drauf ist, wie sie vorgibt zu sein … dann ziehen wir das Hütli. Finews.ch

Ach, die Deutsche Bank unterhält eine Investor-Relations-Abteilung? Hätten wir nicht gedacht, scheint aber so zu sein. Denn ein IR-Chef namens John Andrews verlässt das Institut und wird ersetzt durch einen neuen IR-Chef, der James Rivett heißt. Marketwatch

Weimer hat die Guillotine noch nicht abgebaut: Nach Vertriebschef Rob Jolliffe und Chefjurist Roger Müller müssen bei der Deutschen Börse nun auch der oberste Produktentwickler Ashwin Kumar und Marketingchefin Simone Reinhold gehen. Berichtet jedenfalls das Handelsblatt.

Kann es sein, dass Andreas Dombret ganz schön viele Abschied-Interviews gibt (oder meinen wir das nur?): Nun denn, der „Süddeutschen Zeitung“ hat der scheidende Bundesbank-Vize jedenfalls etwas sehr Interessantes gesagt, nämlich dass der Lobbyismus „sehr ausgeprägt“ gewesen sei. So hätten manche Bankenverbände in puncto Basel III eine „sehr harte Position eingenommen – so hart, dass sich teilweise sogar deren Mitgliedsbanken davon distanziert haben“. SZ

Aus der Szene

Wolfgang Kirschs heftige Breitseite gegen Christian Sewing: Der scheidende Vorstandschef der DZ Bank hat einen Auftritt gestern Abend in Ostwestfalen (also in der Heimat des neuen Deutsche-Bank-Chefs Sewing) genutzt, um eine „Bonus-Unkultur“ anzuprangern, die „jedes Verständnis von unternehmerischer Verantwortung pervertiert“. Die Transformation von Egoismen in Gemeinwohl durch Boni funktioniere offensichtlich nicht, so Kirsch weiter. Denn: „Wie passt ein Bonus, der gute, ja überdurchschnittliche Leistungen honorieren soll, zu unterdurchschnittlicher Performance? Zu ausfallenden Dividenden? Zu Kapitalerhöhungen? Zum Einspringen des Steuerzahlers?“ Und weiter: „Wenn der Bonus nur noch als Halteprämie funktioniert, sollte man nicht erstens die Motivation des Mitarbeiters hinterfragen und zweitens, ob das Geschäftsfeld noch tragfähig ist?“ Zwar erwähnte Kirsch die Deutsche Bank und deren neuen Chef in seiner Tirade nicht explizit. Wen er treffen wollte, ist aber unschwer zu erraten. Finanz-Szene.de (Dokumentation der wichtigsten Passagen), FAZ (Paywall)

Linktipps

Bundesbank-Vorstand Thiele hat diese Woche einen interessanten Grundsatzvortrag an den Uni Hohenheim gehalten und dabei u.a. folgenden Satz formuliert: „Möglicherweise hat eine Mischung aus Euphorie, fehlendem technischem Verständnis, Angst vor unkontrollierbaren Prozessen und Verfügbarkeit von Finanzmitteln Dritter die hohen Investitionen in Start-ups und Fintechs begünstigt, ohne dass immer ein Mehrwert zu erwarten ist.“ Rede im Original

„Hermeneutisches Banking“: Wie Sprachassistenten (sprich: Alexa & Co.) und humanoide Roboter (sprich: Chatbots & Co.) die Beziehung zwischen den Banken und ihren Kunden verändern werden. Bankstil

Warum die Liaison zwischen N26 und der Allianz die Renaissance des Allfinanz-Konzepts einleiten könnte, erklärt der Finletter.

Wie der stationäre Point of Sale digitalisiert wird: … und wer die wichtigsten Anbieter sind. Paymentandbanking

„Der kulturelle Gap zwischen Banken und Fintechs wird kleiner“, sagt Roland-Berger-Consultant Dominik Löber in Bezug auf den ING-Diba-Lendico-Deal. Finance TV

Klickfavorit

… war gestern das Stück zu der Frage, in welchen Bereiche die Deka-Bank neue Stellen schafft. efinancialcareers