20/02/18: Erfolg für Elinvar, Jede Menge Robo-News, Wie die ING Diba funktioniert

Wie steht es wirklich um die kleinen Banken in Deutschland?

… auf diese Frage geben die 2017er-Zahlen des Genossenschaftsverbands (der für Volks- und Raiffeisenbanken in 14 Bundesländern steht) eine ziemlich belastbare Antwort. Also, auf geht’s: Das Betriebsergebnis vor Bewertung ist (allen Unkenrufen zum Trotz) um 7,6 % gestiegen, wobei spannenderweise nicht nur der Provisionsüberschuss (um 6,7 %), sondern auch der Zinsüberschuss (um  0,7 %) zulegte. Letzteres lag nicht zuletzt an der Ausweitung des Kreditvolumens (plus 6,7 %), wobei vor allem der Zuwachs bei den langfristigen Krediten (plus 7,2 %) aufmerken lässt. Im Vergleich hierzu stieg das Einlagenvolumen nur um 4,2 %. Und was passierte bei den Kosten? Es gab 28 Fusionen, wodurch die Institutszahl um 6,5 % sank. Die Zahl der Zweigstellen (inkl. SB) ging um 3,8 % zurück, die der Mitarbeiter um 2,8 % – und alles in allem stieg der Aufwand gerade mal um 0,2 %. Fazit: Die Genobanken stehen dank höherer Risiken (so deuten wir jedenfalls das stark gestiegene Kreditengagement) und tiefer Einschnitte immer noch einigermaßen gut da. Wobei K&K, also Konjunktur und Kontogebühren, vermutlich ein Übriges tun. Wie die Sache letztlich ausgeht, wird man sehen.

Charts (PDF), Datenblatt (PDF), Pressemitteilung, Börsen-Zeitung (Paywall), Handelsblatt

News

Santander Deutschland setzt seinen (von Vaamo gebauten) Robo-Advisor „Sina“ außer Betrieb: … jedenfalls vorübergehend und jedenfalls für Neukunden. Die Kollegen von „Fondsprofessionell“ vermuten, das liege daran, dass die Iberobank ihren Robo von reiner Fondsvermittlung auf Finanzportfolio-Verwaltung umstellen wolle (wodurch, bei Lichte betrachtet, der Robo ja eigentlich auch erst zum Robo wird). Fondsprofessionell

Und noch eine News aus der Robo-Republik: Die Stammleser von „Finanz-Szene.de“ werden sich erinnern, dass die ABN Amro hierzulande im Dezember den bemerkenswerten Versuch gestartet hatte, unter dem Namen „Prospery“ einen Hochpreis-Robo-Advisor zu etablieren. Was aus dieser Pricing-Strategie nach nur zwei Monaten geworden ist, wissen wiederum die Kollegen von Fondsprofessionell.

Und Robo, die Dritte: Der Finleap-Ableger Elinvar hat seine B2B-Lösung für eine digitale Vermögensverwaltung nun auch bei Donner & Reuschel untergebracht (nachdem das Berliner Fintech im vergangenen Jahr als ersten bedeutenden Kunden Warburg gewonnen hatte). Interessant: Anders als Warburg will Donner & Reuschel mithilfe der Elinvar-Plattform auch gleich den kompletten Bestand digitalisieren. Klingt mehr nach Transformation als nur nach Einbau eines neuen Tools. Börsen-Zeitung (Paywall)  

Huch, was die denn da bei der HVB los? Peter Buschbeck, der das Privatkundengeschäft der Unicredit-Tochter gefühlt seit den 70er-Jahren leitet (in Wirklichkeit waren es allerdings nur neun Jahre), wird das Institut verlassen, „um sich neuen beruflichen Aufgaben zuzuwenden“, wie es heißt. Ihn ersetzt der Italiener Emanuele Butta, wodurch sich die Milanisierung der Münchner Großbank noch verstärken dürfte.  Dow JonesBörsen-Zeitung (Paywall)

Was bei der Deutschen Börse los ist, sieht dagegen jeder: Denn dort haben die Großaktionäre mal eben gegen den früheren BayernLB-Chef Gerd Häusler geputscht, der eigentlich Aufsichtsrat werden sollte, dies nun aber doch nicht wird. Hat man auch nicht alle Tage, so einen Fall. Handelsblatt (Paywall)

Endlich schwarz: Die UBS hat bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ angerufen, um durchzustecken, dass die notorisch defizitäre Deutschland-Dependance der Schweizer Großbank im vergangenen Jahr endlich, endlich eine „schwarze Null“ erwirtschaftet habe. Wie nachhaltig das Ganze ist, wird sich zeigen: Denn in die 2016er-Zahlen (Verlust: satte 71 Mio. Euro) hatte die UBS ja vermutlich soooo viele Kosten eingerechnet, dass für 2017 gar nicht mehr viel übrig bleiben konnte. Behaupten wir jetzt jedenfalls einfach mal. NZZ

Die Deutsche Bank tut was für die Cost-Income-Ratio: … was für bis zu 500 ihrer Investmentbanker in London und New York bedeutet, dass sie sich demnächst einen neuen Job suchen müssen. Bloomberg, Financial Times (Paywall)

Beyond .de

Was der Lette so macht, ist uns ja normalerweise latte: … aber die Geschichte, wie das lettische EZB-Ratsmitglied Rimsevics Bestechungsgelder von Banken in seiner Heimat erpresst haben soll, klingt so unfassbar, dass wir Ihnen das Ganze nicht vorenthalten wollten. Handelsblatt

Lesetipps

Wie sieht das eigentlich aus, wenn die ING Diba einen Bereich, von dem man nicht wusste, ob er sich wirklich standardisieren/digitalisieren lässt, dann doch standardisiert/digitalisiert? Aus gegebenem Anlass würden wir Ihnen gerne einen Archiv-Artikel aus 2015 empfehlen, der beschreibt, wie die Oranje-Bank die Baufinanzierung in Deutschland revolutionierte. Das soll nicht heißen, dass die angestrebte Digitalisierung des KMU-Geschäfts nun exakt demselben Muster folgen wird. Aber ein paar inhaltliche Parallelen wird es sicherlich geben. Und die strategische Parallele (weiland der Kauf von Interhyp durch die ING Groep, heute der Kauf von Lendico durch die ING Diba) ist ja geradezu augenfällig. Capital

So kommt Oliver Wyman auf die 150: Nach unserer Kritik an der analytischen Substanz der jüngsten Banken-Studie der Frankfurter Consultants geben die Autoren Alexander Peitsch und Thomas Schnarr im Interview mit dem „Bank-Blog“ ein paar hilfreiche Hinweise, wie sie auf die Behauptung kommen, dass es in Deutschland bald nur noch 150 Banken geben könnte. Der Bank-Blog

Was sich aus dem Girokonto wirklich herauslesen lässt: … erklärt der Payment-Experte Maik Klotz. IT-Finanzmagazin

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat einen 50-seitigen Report über die Folgen der Fintech-Revolution für die etablierten Banken vorgelegt: Wir selber haben das Dokument zwar nicht gelesen.  Aber falls Sie, liebe Business-Development-Mitarbeiter, vor Ihrem Chef gut dastehen möchten, dann drucken Sie sich das Konvolut doch wenigstens mal aus und platzieren es so auf Ihrem Schreibtisch, dass der Chef es sieht, wenn er das nächste Mal bei Ihnen vorbeischaut. BIZ (PDF)

Klickfavorit

… war gestern naheliegenderweise der ING-Diba/Lendico-Scoop. Finanz-Szene

Und in diesem Zusammenhang noch eine Anmerkung: Allein über unseren Content-Partner „Manager-Magazin.de“ hat die Geschichte gestern mehr als 50.000 Leser gefunden. Dies nur als winkender Zaunpfahl für die ausgebufften PR-Profis da draußen, die sich immer so dolle ärgern, wenn eine Geschichte zuerst bei „Finanz-Szene.de“ steht, „statt in einem richtigen Medium, wo der Impact ein völlig anderer wäre“.