20/04/18: Die Wutrede des Finleap-Chefs, 28-Mrd.-Panne bei der Dt. Bank, Erfolg für Berliner Immo-Fintech

„Mit dieser Aktion hat Savedroid nicht nur sich selbst, sondern allen Fintechs geschadet“

Die Fintech-Community hat gestern die Antwort auf unsere boulevardeske Schlagzeile („Liebe deutsche Fintech-Community, ist es das, wofür Ihr stehen wollt?“) gegeben – und sich von der PR-Aktion von Savedroid fast schon so brutalstmöglich distanziert, dass es einem beinah schon wieder leidtut. Wir selber erwischten den vielleicht einflussreichsten Vertreter der Fintech-Szene, nämlich Finleap-Chef Ramin Niroumand, am Telefon, als der sich gerade auf den Weg von New York nach San Francisco machte (wir vermuten: Investoren-Gespräche). Savedroid habe mit der Aktion nicht nur sich selbst, sondern allen deutschen Fintechs geschadet, meinte Niroumand. Ähnlich äußerte sich Figo-Chef André Bajorat, der gegenüber dem „Handelsblatt“ meinte, das Vertrauen, das die Branche seit Jahren aufgebaut habe, drohe durch die „egoistische Aktion“ erodiert zu werden. Und die Nachrichtenlage? Geschäftspartner von Savedroid sind „zum Teil regelrecht pissed“, wie uns zugetragen wurde (die Ausdrucksweise ist nicht unsere eigene, wir geben nur wider). Und: Die Staatsanwaltschaft interessiert sich jetzt auch für den Fall. Finanz-Szene.de (Niroumand-Protokoll), Handelsblatt (Bajorat mit Paywall), Süddeutsche (News)

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Kann ja mal passieren: Die 28-Milliarden-Euro-Panne der Deutschen Bank

Liebe LeserInnen, wundert sie eigentlich noch irgendetwas da draußen? Uns hier jedenfalls wundert nichts mehr,  auch nicht, dass die Deutsche Bank mal eben versehentlich in einer einzigen Transaktion 28 Mrd. Euro auf ein Konto der Derivate-Börse Eurex überwiesen hat, wie „Bloomberg“ berichtet. Kann ja mal passieren. Zumal: Was sind schon 28 Mrd. Euro? Ist ja nur unwesentlich mehr als die Marktkapitalisierung der Blaubank. „Es handelte sich um einen operationalen Fehler bei der Überweisung von Sicherheiten zwischen den Hauptkonten der Deutschen Bank und dem Eurex-Konto der Deutschen Bank“, erklärte ein Sprecher gegenüber „Bloomberg“. Sprich: Alles halb so wild. „Der Fehler wurde binnen Minuten identifiziert und behoben. Wir haben die Gründe für diesen Fehler gründlich geprüft und Maßnahmen ergriffen, um eine Wiederholung zu verhindern.“ Na bitte. Ereignet haben soll sich die kleine Panne kurz vor Ostern, also in einer Zeit, in der die Deutsche Bank genügend andere Sorgen hatte, was aus unserer Sicht als zusätzlicher entlastender Umstand zu werten ist. Ein finanzieller Schaden soll nicht entstanden sein. Warum auch? Bloomberg

News

Wie gut die Deutsche Bank operational aufgestellt ist …, ist ja bekannt (siehe oben). Insofern scheint nur folgerichtig, dass das wichtigste Geldhaus des Landes offenbar überlegt, den durch das Ausscheiden von Kim Hammonds freiwerdenden IT-Vorstandsposten gar nicht mehr neu zu besetzen, sondern die Verantwortlichkeit einem anderen Vorstand zuzuschlagen und stattdessen ein IT-Chefchen unterhalb des Boards zu installieren. Frage eins: Macht die Aufsicht das mit? Frage zwei: Gibt es irgendeinen Deutsche-Bank-Vorstand, der sich mit IT auskennt? (der Diplom-Informatiker Neske ist ja nicht mehr da, oder?) Wirtschaftswoche

So, Ironie-Modus aus, jetzt wird es ernst: Das Eigenkapital der Deutschen Bank ist IFRS-9-bedingt gesunken, und zwar offenbar stärker, als die Blaubank gedacht hatte. Börsen-Zeitung (Paywall), Handelsblatt

Die Deutsche Bank bekommt einen neuen Aufsichtsrats-Vize …, und zwar vermutlich Herrn Polaschek, schreibt das Manager Magazin.

Ertragserosion bei den Sparkassen? Sollte irgendwer im öffentlich-rechtlichen Lager (oder überhaupt unter den deutschen Retailbankern) glauben, die Sache mit dem Zinsschock sei letztlich halb so wild … dann empfehlen wir die Einschätzung von Markus Schnabel, seines Zeichens Vorstandschef der Sparkasse Münsterland-Ost. Der sagt nämlich: „Unsere Zinserträge werden in den kommenden Jahren weiter und zudem schneller (!!!) als bisher sinken.“ Pressemitteilung (PDF), Börsen-Zeitung (Paywall)

Deutsche Bank und Commerzbank beteiligen sich an 4-Mio.-Euro-Funding-Runde von „vermietet.de“: … was man ungestraft als Achtungserfolg für das Berliner Immobilien-Fintech werten darf, das bei der Verwaltung von Wohnungen und speziell bei der Synchronisierung von Buchhaltung und Bankkonto hilft. Wiwo

5000 bis 10.000 abzüglich Dublin, Paris, Amsterdam, Madrid etc. pp ist weniger als 10.000: Laut britischer Notenbank wird der Brexit die Londoner Finanzindustrie weniger Jobs kosten als bislang befürchtet, nämlich nur 5000 bis 10.000. Sollte das so sein, dann wird es (rein mathematisch und auch sonst) schwer mit den erhofften 10.000 Brexit-Jobs für Frankfurt. (kleine Einschränkung: Wir sind uns nicht ganz sicher, ob sich die Einschätzung der BoE auf einen kurzen oder einen langen Zeitraum bezieht, wobei, auf lange Sicht sind wir ja eh alle …). Handelsblatt

Linktipps

Mal jenseits persönlicher Grabenkämpfe und der aus unserer Sicht ein bisserl aufgebauschten „dysfunctional“-Affäre: Wie fällt eigentlich das Fazit der „Ära Hammonds“ aus, gemessen an ihrer eigenen  Zielsetzung, die Zahl der IT-Systeme innerhalb der Deutschen Bank von 45 auf vier zu reduzieren. Süddeutsche (3. Absatz)

Kleines Zugeständnis an die Grammatik-Fetischisten unter unseren Lesern: Ja, wenn wir von „ihren eigenen Zielsetzungen“ reden, dann ist das womöglich missverständlich, weil wir ja die „Zielsetzungen der Frau Hammonds“ meinen, nicht die „Zielsetzungen der Ära“. Sorry!!! Kommt nicht wieder vor.

Wer sich für die Tiefenrecherche der „Financial Times“ in Sachen Deutsche Bank und HNA interessiert … voilà (ist aber wirklich nur was für Connaisseure, wir selber sind ehrlich gesagt schon ausgestiegen bei dem Thema): FT Alphaville (anmelde-, aber nicht kostenpflichtig)

Warum Amazon womöglich doch nicht ins Bankgeschäft einsteigt … weil, in unseren eigenen Worten, das Bankgeschäft so wenig abwirft, dass es sich für Amazon gar nicht wirklich lohnt. IB Times

… dazu zumindest ein ganz klein bisschen passend ein Traktat von Fintech-Vordenker Chris Skinner, … der sich wieder einmal ausführliche Gedanken zum Thema „Open Banking“ gemacht hat, dabei aber letztlich zu dem Schluss kommt, dass die „Big Banks“ in 2025, trotz aller Veränderungen da draußen, immer noch die „Big Banks“ sein werden. The Finanser

Und für alle Leser, die es ein bisschen handfester mögen: Hier sind ein paar konkrete Anwendungs-Szenarien für die Blockchain im Bankbetrieb. Bankinghub

Und für alle Leser, denen das noch nicht genug intellektueller Input für ihr privat finanziertes Fortbildungs-Wochenende in einem nicht zu teuren Landschaftshotel im Vordertaunus ist … hier noch, wie immer freitags, die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ Innovationsblogs

Klickfavorit

… war gestern die Savedroid-Homepage, wobei wir nicht wissen, was passiert, wenn Sie heute nochmal auf denselben Link klicken: Savedroid.de