21/02/18: Das Sparkassen-Fiasko, Immobilienkredite, DWS, Kengeters letzter Kampf

Exklusiv: Digital-Fiasko für die Sparkassen – Haspa zieht sich aus Yomo zurück

Die Yomo genannte „Mobile-Bank“-Initiative der deutschen Sparkassen entwickelt sich zum Fiasko. Wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, hat sich die Haspa – und damit die größte Sparkasse hierzulande – zumindest vorübergehend aus dem Projekt zurückgezogen. Statt auf Yomo wolle man sich zunächst auf die Umstellung des eigenen IT-Systems konzentrieren, bestätigte eine Sprecherin der Instituts gestern Abend per E-Mail. „Vor diesem Hintergrund haben wir entschieden, ein mobiles Konto für die junge Zielgruppe erst ab Mitte 2019 anzubieten.“ Doch selbst ob es sich bei diesem „mobilen Konto“ dann um Yomo handeln wird, ist offenbar  unsicher. Denn parallel hat die Hamburger Sparkasse zuletzt diverse andere App-Projekte vorangetrieben, die sich womöglich zu einem eigenen neuen Konto-Angebot verknüpfen ließen. Und was die Sache für die Yomo-Verantwortlichen noch schlimmer macht: Auch die Bremer Sparkasse könnte möglicherweise ausscheren,  erfuhr „Finanz-Szene.de“ gestern aus zwei Quellen. Eine Sprecherin des Instituts wollte sich dazu nicht äußern, ebenso wenig ein Sprecher von Yomo. Hier weitere Details – und was Haspa-Chef Vogelsang den Yomo-Machern so alles vorwirft:

Finanz-Szene.de

News

Deutsche Bank drückt bei DWS-Börsengang aufs Tempo: Laut „Reuters“ könnte die Emission schon am kommenden Montag offiziell angekündigt werden. Was allerdings noch fehlt, ist der offizielle Vorstandsbeschluss. Börsen-Zeitung

Banken (und Sparkassen), schaut in Eure Kreditbücher! … zumindest wäre dies vermutlich ratsam, nachdem der Chef des renommierten Forschungsinstituts Empirica gestern einen „Rückgang der Kaufpreise insbesondere in München und Berlin und möglicherweise auch in Stuttgart um real ein Viertel bis ein Drittel“ innerhalb der kommenden vier Jahre prophezeit hat. Süddeutsche

Die Deutsche Börse verfehlt ihr Gewinnziel: … erhöht dafür aber die Dividende (fair enough!, finden wir). Gespart werden soll derweil offenbar am Bonus für Ex-Chef Carsten  Kengeter. Laut „SZ“ verhandeln/feilschen dessen Anwälte seit Wochen mit dem Dax-Konzern über die Höhe der Sonderzahlung. Handelsblatt, Süddeutsche

Dombret geht (freiwillig): Der für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vize kämpft nicht länger um eine zweite Amtszeit (falls er diesen Kampf denn überhaupt je geführt hat, was ja spekuliert wurde, nun aber in den Berichten nicht mehr ganz so klingt). Jedenfalls: Damit werden nun gleich zwei Vorstandsposten bei der Buba frei, was die Chancen des guten Burkhard Balz erhöhen dürfte. Manager Magazin, FAZ (Seite 18), Süddeutsche

Smava erweitert sein Geschäftsmodell: Als „Finanz-Szene.de“ Mitte Januar beim Berliner Vergleichsportal anfragte, ob die Information stimme, dass das Geschäftsmodell in Zukunft „stärker Richtung Bank“ gehe, verweigerte der Smava-Chef noch die Aussage. Dafür hat er das Ganze nun gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigt. Als Partner für die Vergabe eigener Kredite baut Smava dabei auf die Solarisbank. Handelsblatt

Und hier eine semi-spannende Personalie: Martin Deckert, lange Jahre Vorstand bei der deutschen UBS (und aktuell u.a. Aufsichtsrat bei unserem neuen Lieblings-Fintech Niiio mit drei „i“), wird Finanzchef bei Merck Finck mit zweimal „ck“. Private Banking Magazin

Und dann noch eine ganz kleine Nachricht, und zwar speziell für die manchmal etwas lebensfremden Payment-Nerds unter unseren Lesern: Die Mitfahr-Plattform Blablacar hat zwei Jahre nach der Abschaffung von Bargeld-Zahlungen ihr Angebot erweitert. Bargeld-Zahlungen sind (zumindest in Deutschland) jetzt  wieder möglich. Computer-Bild

Lesetipps

Die Bafin hat gestern ein „Hinweisschreiben“ zur regulatorischen Einordnung von ICOs bzw. Token veröffentlicht: Weil uns die Yomo-Recherche (siehe oben) nicht nur Nerven, sondern auch Zeit gekostet hat, sind wir nicht zur Lektüre gekommen. Falls Sie es besser machen wollen, voilà: PDF

Wenn die Vorzeige-Filiale auf der falsche Straßenseite liegt: Egal, welche Zeitung Sie lesen – in fast jeder findet sich heute ein Stück zur Zweigstellen-Situation bei der Commerzbank (allgemeiner Tenor: Es geht voran, aber nicht so richtig). Am intensivsten hat sich Kollege Seibel von der „Welt“ mit der Problematik auseinandergesetzt. Welt

Einer unserer Lieblings-Blogger da draußen, nämlich „About Fintech“-Betreiber Tobias Baumgarten, arbeitet im richtigen Leben bei der Haspa. Doch nicht nur deswegen sollten Sie seinen jüngsten Blog-Eintrag lesen, in dem er der eigenen Branche ein „vielfach fehlendes Verständnis für die strategische Bedeutung der Digitalisierung“ vorwirft. Baumgartens Diagnose: „Die in der Branche vorherrschende Hierarchie und Seniorität – bisher eher ein Asset – rächt sich hier.“ About Fintech

Na, da haben die Roland-Berger-Leute ja mal Glück mit dem Timing … und werfen zwei Tage nach der ING-Diba/Lendico-Geschichte eine Studie auf den Marktplatz, die sich mit der freilich auch nicht ganz neuen Frage beschäftigt, ob sich die europäischen Fintechs eher als Herausforderer oder eher als Partner der Banken verstehen (wenig überraschend gilt für die große Mehrzahl Letzteres). Studie zum Download

Wer in Sachen „Deutschlands Banken und ihre IT“ auf den aktuellen Stand kommen will … der sollte sich heute eine FAZ kaufen und die Seite 17 aufschlagen, recht unten. Kein großes Stück. Aber ein vernünftiger Überblick.

Falls Sie überlegen, was Sie nach ihrer Banker-Karriere machen sollen: … Chris Babu, Ex-Chef des „Government-Backed-Mortgage-Bond“-Handels bei der Deutschen Bank, hätte da eine Idee für Sie. Er schreibt nämlich jetzt post-apokalyptische Romane. Bloomberg

Klickfavorit

… war gestern der sperrige 50-Seiten-Report der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich über die Folgen der Fintech-Revolution für die etablierten Banken. Dieses Klickverhalten bestärkt uns übrigens in unserer Vermutung, dass die „Finanz-Szene.de“-Leser von Tag zu Tag beflissener werden, was aber natürlich für die Redaktion genauso gilt. BIZ (PDF)