21/09/18: Der neue deutsche Fintech-VC, Finlab/Awamo, Dt. Bank „verliert“ 2 Mio. Kunden

Mythos Kundenwachstum: Dichtung und Wahrheit am Beispiel der Hamburger Sparkasse

Wer die deutsche Bankenbranche verstehen will, der muss die Hamburger Sparkasse verstehen. Denn die Haspa ist Deutschlands größte Kleinbank. Und Deutschlands kleinste Großbank. Ein lokaler Player. Aber mit überregionalem Anspruch. Wenn sich die Finanzszene also dieser Tage fragt, wie es sein kann, dass fast alle Banken wachsen (oder dies zumindest vorgeben), die Branche insgesamt aber stagniert – dann hilft ein Blick auf die Haspa, um die Dinge besser einordnen zu können. Also: Folgt man den offiziellen Aussagen, dann erlebt die Hamburger Sparkasse imposante Zuwächse. Satte 436.000 Neukunden hat sie seit 2012 gewonnen – trotz regionalen Begrenzung. Noch beeindruckender: Die Zahl der Joker-Konten (ein Haspa-spezifisches Giroprodukt) hat sich in 15 Jahren fast verdoppelt, saldiert wohlgemerkt. Doch dann guckt man in den Geschäftsbericht. Und liest, dass die Zahl der Girokonten seit Jahren stagniert. Wie passt das zusammen? Hier das Ergebnis unserer Recherchen: Finanz-Szene.de

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News

Nachdem wir uns im heutigen Aufmacher mit dem Beispiel einer stagnierenden Bank beschäftigt haben, wollen wir Ihnen nun auch noch eine schrumpfende Bank vorstellen – nämlich die Deutsche Bank …: Ist Ihnen mal aufgefallen, dass im Zuge der Verschmelzung von Deutscher Bank und Postbank jetzt immer von „20 Mio. Privatkunden“ die Rede ist (alternativ findet sich die Formulierung „mehr als 20 Mio. Privatkunden“). Das ist mathematisch insofern bemerkenswert, als auf der 2016er HV in Bezug auf die Deutsche Bank noch von „über acht Millionen Privatkunden“ (hier als Beleg das entsprechende Redemanuskript als PDF) die Rede war, während es in Bezug auf die Postbank noch vor wenigen Jahren hieß, das Bonner Institut komme „nach eigenen Angaben“ auf 14 Millionen Kunden. (hier ein entsprechender Wiwo-Artikel aus 2012 und ein MM-Artikel aus 2016). Schlicht gefragt: Seit wann sind 8 plus 14 gleich 20? Noch so eine Frage, für die gestern ganz schön viel Recherchezeit draufgegangen ist. Aber es hat sich gelohnt: Finanz-Szene.de

Hä? Zählt „Finanz-Szene.de“ jetzt nur noch Bankkunden, statt sich auf die eigentliche Nachrichtenlage zu konzentrieren? Nein, wir machen beides: Also, wie die endtoughen Kollegen von „Bloomberg“ berichten, hat bei der NordLB jetzt auch offiziell die Investorensuche  begonnen – und zwar mit einer kleinen Überraschung. Zu den Interessenten soll nämlich neben den üblichen Verdächtigen (Cerberus, Apollo) auch die LBBW gehören (und, wie man heute Früh in der „Süddeutschen“ nachlesen kann, zusätzlich noch die Helaba). Bahnt sich da eine Sensation an? Eher nicht, wie die SZ-Kollegin Schreiber schreibt. Sie vermutet, dass es sich beim „Interesse“ von LBBW und NordLB eher um einen Akt der schwesterlichen Verbundenheit als um echte Kaufambitionen handelt. Sähe ja doof aus, wenn ausschließlich Heuschrecken (und vielleicht noch 1-2 China-Banken) an der NordLB schnuppern würden. Bloomberg/Welt, Süddeutsche

Short-Gerüchte lassen Wirecard-Aktie um bis zu 10% einkrachen: … dabei stellt die angebliche Research-Firma, die angeblich einen angeblich kritischen Bericht zum Dax-Aufsteiger veröffentlichen wollte, klar, dass sie mit der Sache nichts zu tun habe. FT Alphaville (anmeldepflichtig)

Da hatten wir uns gerade daran gewöhnt, dass „CDO“ nicht mehr für Giftpapiere, sondern für „Chief Digital Officer“ steht, da biegt die Deutsche Bank ums Eck und stellt einen „Chief Data Officer“ ein (und zwar fürs globale Transaction Banking). Der Mann heißt David Gleason, kommt von JP Morgan – und ist, wie so vieles, was da draußen momentan passiert, ein Bote der neuen Zeit. „Chief Data Officer“. Auch daran wird man sich vermutlich bald gewöhnen. Financial Times (Paywall)

Bevor wir es vergessen (bewusst unterschlagen würden wir es ohnehin nie): Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben an der Börse dieser Tage einen regelrechten Lauf. Blau: plus 9% seit Mitte letzter Woche. Gelb: plus 13% seit Mitte letzter Woche.

Ach, und noch was: Zum Abschluss der Nachrichtenwoche ein großes „Sorry“ an die 42% unserer Abonnenten, die sich schwerpunktmäßig für Fintech-Themen interessieren – ja, zugegeben, wir hatten Sie diese Woche nicht so auf dem Zettel, wie wir das sonst immer haben. War keine böse Absicht.

Als Zeichen unseres guten Willens: Der börsennotierte, semi-schillernde Frankfurter Risikokapitalgeber Finlab, der mit seiner Deposit-Solutions-Beteiligung  ein überaus glückliches Händchen bewies und ansonsten ein eher mittelspannendes Fintech-Portfolio unterhält (Authada, Kapilendo, Fastbill), ist mit einem siebenstelligen Betrag beim ebenfalls Frankfurter Finanz-Startup Awamo eingestiegen. boerse.de

Und in dem Zusammenhang haben wir dann vielleicht doch noch was Spannendes: Wussten Sie, dass es neben Finlab inzwischen einen zweiten börsennotierten Fintech-VC hierzulande gibt? Das Unternehmen sitzt in Jena, trägt den wunderbaren Namen „Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG“ (kurz: DEWB), blickt auf eine fast 150-jährige Geschichte zurück, hält einen zweistelligen Prozentanteil am Berliner Factoring-Startup Decimo, ist überdies mit rund 25% am sich gerade digitalisierenden Hamburger Asset Manager Lloyd Fonds beteiligt, will angeblich (reines Gerücht!) auch beim Fintech Niiio einsteigen und so weiter und so fort. Wir hatten diese Woche ein spannendes Telefonat mit dem CEO, sind aber schlicht nicht dazu gekommen, die Geschichte der DEWB mal aufzuschreiben. Vielleicht ja nächste Woche.

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Linktipps

Wenn es eine Gattung Fintechs gibt, von der wir sagen würden, dass sie unseren Alltag wirklich erleichtert hat, dann sind das die „Barzahlens“ dieser Welt (also die, die dafür sorgen, dass man an der Supermarktkasse Geld abheben kann). Der Kollege Dominik Reintjes von der „Wirtschaftswoche“ empfindet offenbar ähnlich. Denn er geht  so weit, den klassischen Geldautomaten zum Auslaufmodell zu erklären. Wiwo

Wer hat beim Wettlauf „Banken gegen Fintechs“ eigentlich momentan in der Schweiz die Nase vorn? Eine Bestandsaufnahme von Finews.ch.

Sind die Kollegen vom „Paymentandbanking“-Blog aus Ihrem Sommerschlaf erwacht? Sieht so aus. Denn Jochen Siegert hat einen länglichen Artikel unter der Überschrift „6 Key Learnings von Dotcom-Unternehmen im Umgang mit digitalen Veränderungen“ geschrieben (nebenbei: erstaunlich, mit welcher bilingualen Selbstverständlichkeit die Kollegen mitten in der Überschrift die Sprache wechseln.) PAB-Blog

Und wer nach gestern und heute noch immer nicht genug vom Thema Girokonto hat, dem empfehlen wir zur Lektüre noch die Oliver-Wyman-Studie „The Current Account Conundrum“ (speziell die Seite 4 und 5). PDF

Klickfavorit

… war gestern, um ehrlich zu sein, gar nichts. Auch solche Tage gibt es. Bleiben Sie uns bitte trotzdem gewogen – und empfehlen Sie uns, wenn Sie mögen, gern fleißig weiter. Denn wie der Abonnentenstamm momentan  über die „Mund-zu-Mund“-Schiene wächst, das ist der helle Wahnsinn.

Schönes Wochende, Heinz-Roger Dohms

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