22/02/18: Der leise Tod eines deutschen Fintechs, Giromatch, Billomat, Sparkassen-Kommentar

Exklusiv: Der leise Tod des Frankfurter Fintechs Fintura

Wenn ein neues Fintech startet – dann geht die Nachricht binnen kürzester Zeit durch die Community. Bei Twitter wird geshared, bei Xing und Linkedin geliked („Congrats!!“), die Newsletter berichten, die Startup-Medien berichten, häufig bringen sogar das „Handelsblatt“, die „Börsen-Zeitung“ oder die „Frankfurter Allgemeine“ eine kleine Geschichte.  Doch was passiert, wenn plötzlich eine diese Firmen wieder vom Markt verschwindet? Und zwar keines dieser kleinen, kaum wahrgenommenen Nischen-B2B-Fintechs. Sondern das prominente Frankfurter Startup Fintura, das sich in den vergangenen Jahren unter beachtlicher medialer Anteilnahme darangemacht hatte, zum Check24 für Unternehmens-Kredite zu werden? Kaum einer kriegt es mit. Oder soll es mitkriegen. Könnte ja ein negatives Licht auf die Fintech-Szene werfen. „Finanz-Szene.de“ hat den Fall rekonstruiert – und nennt fünf Gründe für das Scheitern.

Finanz-Szene.de

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Sind wir bei „Finanz-Szene.de“ nicht mal mit dem Anspruch angetreten, nicht gleich jede diffuse Banken-Fintech-Kooperation und nicht gleiches jedes bescheidene Funding zu vermelden? Ach, was soll’s: Giromatch macht jetzt irgendwas mit der weltberühmten Degussa Bank, während Billomat ein bisserl was gefunded hat. Handelsblatt, Wiwo-Gründer

Postbank steigert Provisionsüberschuss um 12 Prozent: Leider beziffert das Bonner Geldinstitut nicht, welchen Anteil die höheren Kontogebühren daran haben. Es scheint allerdings so, als würde das Kalkül, das Zinstief durch höhere Provisionen auszugleichen, für den Moment aufgehen – und zwar nicht nur bei der Postbank (Beispiel: Die Sparkasse München, die gestern ebenfalls Zahlen vorlegte, hat den Provisionsüberschuss sogar um 17 Prozent gesteigert) . Pressemitteilung, Reuters (mit allen wichtigen Kennziffern zur Postbank), Börsen-Zeitung (die gleichen Zahlen, aber negativer gedeutet), Börsen-Zeitung (zu Sparkasse München, Paywall)

Goldman Sachs watscht die Deutsche Bank ab: Selbst wenn die Erträge im Investmentbanking in diesem Jahr um 50 Prozent steigen sollten, werde sich die Blaubank schwertun, auf eine Eigenkapitalrendite von zehn Prozent zu kommen, schreiben die Analysten der US-Investmentbank. Bloomberg

Das hier ist Ulrike Brouzi, … die bisherige Finanzchefin der NordLB, die die gleiche Position künftig bei der DZ Bank bekleiden wird (und die damit zu einer der wichtigsten Frauen in der deutschen Finanzbranche aufsteigt). Handelsblatt

Wie kommt es eigentlich, dass bei der Hamburger Sparkasse Jahr für Jahr unterm Strich ein Gewinn von 80 Mio. Euro steht … während alle anderen Kennziffern munter in Bewegung sind? Naja, vielleicht will man das so genau ja auch gar nicht wissen. Jedenfalls, um unsere nachrichtliche Pflicht zu erfüllen: Die größte deutsche Sparkasse hat 2017, richtig geraten: genau 80 Mio. Euro verdient, genauso wie 2014, 2015 und 2016 auch schon. Pressemitteilung, Statista

Kommentar: Hoffentlich weiß der neue Sparkassen-Präsident, wie Recht er vermutlich hat

Bei Twitter entspann sich gestern tatsächlich ein Streit, ob man in Sachen Yomo von einem „Fiasko“ sprechen könne. Mit Verlaub: Wie soll man es denn sonst nennen, wenn ein technologisch eigentlich händelbares Projekt zweieinhalb Jahre nach dem Start noch immer in der Beta-Phase steckt, wenn sich zwei von zehn Sparkassen, darunter die größte, zumindest vorübergehend aus der Nummer verabschieden, wenn öffentliche Aussagen darauf schließen lassen, dass es hinter den Kulissen ordentlich gekracht haben muss? (Übrigens: Warum setzt die Frankfurter Sparkasse mit „1822Mobile“ eigentlich auf ein eigenes „Yomo“?). Und es ist ja nicht nur Yomo. Bei Paydirekt trugen die Sparkassen durch ihr anfängliches Zögern zu den heutigen Problemen bei, mit Kwitt machten sie wiederum Paydirekt (und damit sich selbst) Konkurrenz, und während die Deka für den Verbund den Robo-Advisor Bevestor aufbaut, legt sich die Haspa mit dem Bevestor-Konkurrenten Investify ins Bett. Zusammengefasst: Kann es sein, dass sich die analogen Strukturprobleme des Sparkassensektors in der digitalen Welt fortsetzen? Der neue DSGV-Chef Schleweis jedenfalls sagt heute Früh im „Handelsblatt“-Interview, die Strukturen der Gruppe seien „nicht zukunftsfähig“. Ob er weiß, wie Recht er vermutlich hat?

Lesetipps

Wer die Vermutung hegt, die PR-Strategen der Deutschen Börse könnten geneigt sein, den neuen Vorstandschef Weimer (grundbescheiden) als totalen Gegenentwurf zum ehemaligen Vorstandschef Kengeter (geldgeil) zu positionieren, … der findet für diese These heute im Handelsblatt (Seite 28) und in der FAZ (ebenfalls Seite 28) sicherlich ein bisschen Nahrung.

Leser B. (im richtigen Leben Consultant für Finanzierungsfragen) … hat die dieser Tage von uns verlinkte „Krypto-Wegleitung“ der Schweizer Finanzaufsicht Finma mit dem ebenfalls von uns verlinkten „Krypto-Hinweisschreiben“ der Bafin verglichen. Er kommt zu dem Schluss, das Finma-Schreiben sei „für jeden verständlich, der sich ein wenig mit der Materie auskennt“. Dagegen verstecke sich die Bafin „hinter einem Gestrüpp von Vorschriften, die sie in Schachtelsätze packt, in denen sich jeder verheddern muss, der auf Aufklärung hofft“. Vielleicht lesen Sie ja nochmal in die beiden Aufseher-Dokumente hinein. Dann werden Sie feststellen, dass der Leser B. so falsch nicht liegt. Finma (PDF), Bafin (PDF) 

Klickfavorit

… war gestern unser Yomo-Scoop. Finanz-Szene.de