23/03/18: Bankaktien im freien Fall, Das Tafelsilber der Coba, BayernLB – wie geht das denn?

Bis zu 26 % Minus in nur zwei Monaten: Gibt die Börse die deutschen Banken auf?

Nach dem Kurseinbruch der Deutschen Bank am Mittwoch hat es gestern auch die Commerzbank erwischt. Die Papiere der Gelbbank verloren 6,2 % an Wert und notierten zum Handelsschluss bei nur noch 11,19 Euro – der schwächste Kurs seit sechs Monaten. Für die Blaubank ging es derweil weiter bergab, sie verlor nochmals 3,0 % an Wert, die Pfandbriefbank büßte 3,8 % ein, die Aareal 2,0 %.  Zum Teil sind diese Verluste  der allgemeinen Unsicherheit an den Märkten dieser Tage zuzuschreiben (Handelskonflikt, Konjunktursorgen). Doch davon abgesehen drängt sich der Eindruck auf, dass viele Investoren der Deutschen Bank und der Commerzbank einen raschen Turnaround schlicht nicht mehr zutrauen (Hallo Herr Cryan, hallo Herr Zielke). Indiz: Die Aktie der Blauen ist in den vergangen zwei Monaten um 26 % abgerutscht, die der Gelben um 17 %. Was Herr Moltke zum Q1 der Dt. Bank gesagt hat, hatten wir ja gestern berichtet. Was sagt denn Herr Engels zum Q1 der Coba? Offenbar nicht viel (siehe sechster Absatz im Börsenbericht der FAZ).

Deutsche-Bank-Aktie, Commerzbank-Aktie

Die T-Frage der Commerzbank: Wie viel Tafelsilber ist eigentlich noch übrig?

Und wo wir schon mal dabei sind: Anfang nächster Woche wird die Commerzbank ihren 2017er-Geschäftsbericht  veröffentlichen – nicht der schlechteste Anlass, sich mal mit den außerordentlichen Erträgen zu befassen. Die machten 2017 nämlich 43 % des sog. „operativen Ergebnisses“ von 1,3 Mrd. Euro aus; und 2016 waren es sogar 59 %. Noch interessanter wird die Sache, wenn man auf das Konzernergebnis guckt (das die Restrukturierungen berücksichtigt). 2016 lag es bei 279 Mio. Euro, 2017 bei 156 Mio. Euro. Denkt man sich davon nun die außerordentlichen Erträge weg (831 Mio. Euro in 2016 und 557 Mio. Euro in 2017), dann sind die Zahlen plötzlich nicht mehr schwarz, sondern rot. Kurzum, was passiert, wenn die Einmaleffekte mal nicht mehr so günstig ausfallen wie zuletzt? Und was ist eigentlich noch an Tafelsilber übrig, wenn man bedenkt, was zuletzt alles abgestoßen wurde. Sehen Sie hier unsere große Tabelle, in der wir die vielen Einmalerlöse der vergangenen 24 Monate einfach mal fein säuberlich aufgedröselt haben: Finanz-Szene.de

News

Zurück von der Commerzbank zur Deutschen Bank: Der Asset Manager der Blaubank, also die DWS, wird heute zu 32,50 Euro an die Börse gehen. Da nicht 25 % der Aktien platziert werden (was war nochmal mit der dollen Überzeichnung?), sondern nur 22,5 %, beläuft sich der Emissionserlös auf 1,4 Mrd. Euro (statt der ehedem mal erhofften 2,0 Mrd. Euro). Was man fairerweise hinzufügen sollte: Der Zeitpunkt für den IPO (siehe der heutige Aufmacher) hätte schlechter auch kaum sein können. Zum fehlenden Glück gesellt sich also auch noch das Pech. Handelsblatt

Und wieder zur Commerzbank: Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, die Coba arbeite (übrigens nicht von Frankfurt, sondern von Lodz aus) an einer „internationalen Onlinebank“, um Privatkunden im europäischen Ausland zu bedienen. Ob die Plattform  umgesetzt werde, sei aber noch unklar. Dafür müsse „vor allem die Finanzierbarkeit geprüft werden“. Woran man in diesem Kontext leider erinnern muss: Als die Coba Anfang der Nullerjahre schon einmal von einer internationalen Onlinebank träumte (und zwar in Gestalt der Comdirect, die damals u.a. nach Frankreich und Italien expandierte), ging das Ganze krachend schief. Wirtschaftswoche, Spiegel Online (Archiv-Artikel aus 2002)

Und noch ein (drittletztes) mal Commerzbank: Als wäre der gestrige Tag nicht schon aufregend genug gewesen, hat die Gelbbank (btw: Was würden wir dafür geben, wenn es ein vernünftiges Synonym für „Commerzbank“ gäbe …) gestern zwei neue Digitalprodukte für das Firmenkunden-Geschäft vorgestellt, nämlich einmal einen Online-Betriebsmittelkredit und zum zweiten einen komplett digitalen Beratungsprozess für das Zins- und Währungsmanagement. Klar ist: Das ist unbedingt nicht das, was die Investoren dieser Tage interessiert – aber das spricht ja nicht gegen die Initiative. Und, dass man vom letzten großen digitalen Firmenkunden-Projekt der Coba („Main Funders“) irgendwie nie mehr was gehört hat, ist zwar bemerkenswert – spricht aber auch nicht gegen die neue Initiative. Finance Magazin (sehr lesenswert)  

Ist an den BayernLB-Zahlen irgendwas faul? Nein, natürlich nicht. Und wer würde Vorstandschef Riegler die 677 Mio. Euro Konzerngewinn missgönnen, die er gestern der Presse präsentieren durfte. Falls allerdings eine Anmerkung erlaubt sei: Wenn das Zinsergebnis der Helaba (siehe unsere gestrige Ausgabe) um 11% sinkt – wie kann es dann sein, dass das Zinsergebnis der BayernLB um 12,5 % steigt (und im Kapitalmarktgeschäft sogar um 255%, siehe Seite 15 der IR-Präsentation).  Schon klar: Wie fast  immer, wenn es von der BayernLB was Positives zu berichten gibt, lautet ein Teil der Antwort „DKB“ (siehe Seite 14 der Präsentation). Aber zum guten Ergebnis dürfte wohl beigetragen haben, dass die BayernLB offenbar in größeren Stil eigene Schuldscheine vorzeitig gekündigt hat (wozu sich in der Präsentation freilich kein Hinweis findet). IR-Präsentation (PDF)

Apropos: Aus besagter Präsentation geht hervor, dass die DKB mittlerweile 3,7 Millionen Kunden hat. Beachtlich.

Wie die Baufinanzierung immer stärker aus der Filiale ins Netz (bzw. auf die Plattformen) abwandert: Erinnern Sie sich noch an die Meldung von vergangener Woche, wonach die PSD-Banken inzwischen 61 Prozent ihres Baufinanzierungs-Volumens über Plattformen wie Europace abwickeln? Dazu passt, dass der Münchner Baugeldvermittler Interhyp sein Finanzierungsvolumen 2017 um zehn Prozent und seinen Marktanteil um einen Punkt auf 8,4 Prozent gesteigert hat. Pressemitteilung

Und noch zwei Personalien, die nur die Finanzplatz-Menschen im engsten Sinne interessieren: Beim Sparkassenverband Hessen-Thüringen hat sich Gerhard Grandke (laut „Börsen-Zeitung“ eine „Persönlichkeit mit bundesweiter Strahlkraft“) breitschlagen lassen, eine gefühlt 28. Amtszeit auf sich zu nehmen, bei der bisweilen Soap-Opera-reifen Investment-Boutique Mainfirst wird Ebrahim Attarzadeh künftig eine Doppelspitze mit Björn Kirchner bilden. Börsen-Zeitung (Grandke-Heiligsprechung hinter Paywall), Fondsprofessionell (Mainfirst-Meldung).

Linktipps

Wer braucht schon eine Banklizenz? Sieben Beispiele, wie Amazon jetzt bereits Bankgeschäfte betreibt. American Banker

Plattform oder Pipeline? Ein paar sehr grundsätzliche, leicht akademische Gedanken zur Zukunft des Bankings im digitalen Zeitalter. Bankstil

Selbes Themenfeld, etwas zupackenderer Ansatz: Rene C. Keller, CIO der Deutschen Bank, skizziert „Vier Handlungsfelder für die Bank der Zukunft“. Der Bank-Blog

Keine Ahnung, warum wir das hier jetzt verlinken (vermutlich, weil wir allmählich in ein Alter kommen, in dem früher alles besser war) … äh, und was verlinken wir? Ach ja, einen extrem anheimelnden Dresdner-Bank-Spot aus dem Jahr 1997, den derselbe Kollege ausgegraben hat, der sich (siehe oben) die akademischen Gedanken gemacht hat. Bankstil

Zurück in die schlechte Zeit. Neulich hatten wir Ihnen ja gezeigt, was die Deutsche Bank bei Instagram macht … heute erklärt Ihnen Herr Przibylla, was seine Bank, nämlich die Commerzbank, bei WhatsApp macht. Whatsbroadcast.com

Und dazu zumindest so ein bisschen passend: Wie die Commerzbank begründet, warum sie als offenbar erstes großes deutsches Unternehmen die Werbung bei Facebook gestoppt hat. Handelsblatt

Warum an der Kasse (fast) niemand mit dem Smartphone zahlt (der Artikel bezieht sich zwar auf die Schweiz, wo die Gemengelage – Stichwort „Twint“ – eine besondere ist, aber der ein oder andere Aspekt ist sicher auch aus deutscher Perspektive interessant). Watson

Und wem unsere Linktipps mal wieder zu gestrig, altbacken und unvollständig sind …, den verweisen wir wie immer freitags auf die coole, zeitgemäße, umfangreiche „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs

Klickfavorit

… war gestern der von Peter Barkow in die Welt gesandte Tweet zur Causa Savedroid vs. Fraspa. Twitter