23/11/18: Fokus „Digitale Sparkassen“, Bieter-Chaos bei der NordLB, Helaba plant Parallel-Deal

NordLB-Verkauf: Kann es sein, dass die Träger ein wenig die Kontrolle über den Prozess verlieren?

Wenn wir das Bieterverfahren bei der NordLB richtig verstehen, dann wurde der Prozess so aufgesetzt, dass die Interessenten a) auf alles, b) auf wenig, oder c) auf alles dazwischen bieten durften. Das klang fair. Aber es klang auch komplex. Zumal hinzu kam: Irgendwie beschlich einen in den vergangenen Wochen das Gefühl, dass die Träger der NordLB zwar wissen, wohin sie mit ihrem Prozess wollen (Deal mit der Helaba), dass sie aber nicht wissen, ob sie diesen Deal wirklich kriegen – und wie denn, falls sie diesen Deal nicht kriegen, ein als zumutbar empfundener alternativer Deal aussehen könnte. Jedenfalls: Wie die Kollegen von „Reuters“ berichten, ist das Verfahren jetzt so verfahren, dass eine Einigung noch in diesem Jahr (mit wem auch immer) fast ausgeschlossen erscheint. Es gebe zwar Offerten. Die seien aber so schwer zu vergleichen, dass die Träger erst mal ein bisschen Zeit zur Sortierung bräuchten. Und über allem schwebt ja weiterhin die Frage: Was will die Helaba? (die parallel offenbar auch andere Pläne verfolgt, siehe unten). Reuters/Wiwo

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Und das hier sind die oben angerissenen anderen Pläne der Helaba: Wie wiederum „Reuters“ berichtet, soll die hessische Landesbank einer der beiden finalen Bieter im Rennen um die Dexia Kommunalkredit (also um die deutsche Einheit der französisch-belgischen Bank) sein. Verbliebener Konkurrent (und Favorit)? Die Aareal. Wobei: Nicht ausgeschlossen sei, dass auch die OLB (und also Apollo) ein Gebot abgegeben hätten, so Reuters.

Ach ja, die Helaba überlegt ja nicht nur, wen und was sie kaufen soll oder auch nicht, sondern sie betreibt auch noch operatives Geschäft: … und das ist im dritten Quartal immerhin so gut gelaufen, dass fürs Gesamtjahr ein Vorsteuerergebnis auf Vorjahresniveau (447 Mio. Euro) doch wieder realistisch erscheint. Börsen-Zeitung

Exklusiv – Concardis schreibt Lieblings-Beteiligung um 50% ab: Es ist nur ein einziger Satz. Aber der schallt wie ein Ohrfeige: „Aufgrund der mehrjährigen Verluste und Risiken im weiteren Geschäftsverlauf erfolgte (…) 2017 eine Wertberichtigung von 50% (…).“ So steht es, wie „Finanz-Szene.de“ entdeckt hat, im Geschäftsbericht von Concardis. Der Satz bezieht sich: auf die prominenteste Beteiligungen des ehemals bankeneigenen Zahlungsdienstleisters, nämlich auf das 2011 gegründete, hoch finanzierte Berliner Fintech Orderbird. Was ist da los? Finanz-Szene.de

Nach „Cum-Ex“ kommt „Cum-Fake“: Laut „Süddeutscher Zeitung“ ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen mehrere Mitarbeiter einer (nicht näher genannten ) deutschen Bank wegen des Verdachts auf Steuervergehen bei solchen Aktiengeschäften, bei denen die Aktien z.T. gar nicht existiert hätten. Süddeutsche, ZDF

Fokus „Digitale Sparkassen“

„Kwitt“ überzeugt mit inzwischen über 90.000 Transaktionen pro Woche und rund 1,2 Millionen registrierten Nutzern – Tendenz weiter steigend“: Diese angebliche Erfolgsmeldung haben die deutschen Sparkassen gestern bei ihrer Abschluss-Pressekonferenz auf dem FI-Forum präsentiert. Wobei: Sind die Zahlen des P2P-Payment-Services wirklich ein Erfolg??? Der Versuch einer  Einordnung: Finanz-Szene.de

Zudem (entnehmen wir jedenfalls der heutigen Ausgabe der „Börsen-Zeitung“) plant der Sparkassensektor im Privatkundengeschäft die Einführung eines digitalen Finanzangebots, über das „alle 385 Sparkassen sowie die Landesbanken und Verbundpartner ihre Produkte präsentieren und verkaufen können“. Konsequent zu Ende gedacht, müsste das eigentlich heißen, so Sachen wie Hypoport/Europace (Vermittlung von Immokrediten) oder Deposit Solutions/Zinspilot  (Vermittlung von Einlagen) bzw. entsprechende selber gebaute Äquivalente auf eine Metaplattform zu bringen, was extrem spannend, aber auch seeeehr ambitioniert klingt. Launch? Ein fester Starttermin existiere noch nicht, schreibt die „BÖZ“ (Paywall).

Und schließlich haben die Sparkassen auch noch eine übergreifende Bilanz ihrer digitalen Aktivitäten gezogen – wobei die Bilanz dann doch nicht sooooo übergreifend war, dass in der rumgeschickten Pressemitteilung Platz für unsere beiden Lieblingsstichwörter „Paydirekt“ und „Diamond“ gewesen wäre … Jedenfalls: 1.) Nach einer (oder mehreren?) gefühlt ewigen Beta-Phasen soll die sparkasseneigene Smartphone-Bank Yomo im Dezember nun tatsächlich und unwiderruflich gelauncht werden; und 2.) Die „Mobiles Bezahlen“-App der Sparkassen ist gut drei Monate nach dem Start immerhin schon gut 300.000-mal heruntergeladen worden, zudem wurden 541.000 Zahlungen registriert. Hier die Details: Pressemitteilung

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Linktipps

Aus gegebenem Anlass (sprich: aus Anlass der angeblichen Verstrickung der Deutschen Bank in den Danske-Skandal): Was genau macht eigentlich eine Korrespondenzbank? Und warum ist das System so anfällig für Geldwäsche? Süddeutsche Zeitung

Wie Stefan Krause die Welt sieht: In Interviews mit „Spiegel Online“ (Paywall) und dem „Manager Magazin“ (Paywall) erklärt der frühere Deutsche-Bank-Vorstand, was seit seinem unfreiwilligen Abtritt 2015 alles schiefläuft bei seinem Ex-Arbeitgeber.

„Der Markt ist embryonal“: Im Interview mit „Capital“ erklärt der Wirecard-Chef, wie er den Börsenwert seines Unternehmens auf 100 Mrd. Euro bringen möchte. Capital (Paywall)

Was bei der „neuen HSH“ (die ja künftig „Hamburg Commercial Bank“ heißen wird) anders ist als bei der alten? Das Logo: Wirtschaftswoche

Zwei Erfahrungsberichte aus der großen weiten Fintech-Welt: Während wir selber unser karges Home-Office seit Monaten nur noch zum Schlafen verlassen und manchmal nicht einmal mehr dafür, waren Rafael Otero bei der „Money 20/20 China“ (Paymentandbanking) und Nicholas Siegert beim „Singapore Fintech Festial 2018“ (Finletter).

Klickfavorit

… war gestern die Reportage über Dirk Müller. Süddeutsche Zeitung

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