25/10/18: Dt. Bank in der Strategie-Falle?, Ex-N26ler gründen Krypto-Startup, Fintech-Rankings

Sinkende Kosten, erodierende Erträge: Ist die Deutsche Bank in eine strategische Falle getappt?

Ist ja nicht so, dass James von Moltke, der Finanzchef der Deutschen Bank, kein Erwartungsmanagement betrieben hätte. Er fühle sich „recht wohl“ mit den Schätzungen der Analysten, ließ er Ende September wissen, nachdem ebenjene Analysten geweissagt hatten, der Q3-Gewinn werde sich im Vergleich zum Vorjahr ungefähr dritteln. Wie wir seit gestern wissen, ist es ganz so schlimm dann doch nicht gekommen. Vor Steuern hat die Deutsche Bank  506 Mio. Euro verdient, nach 933 Mio. Euro vor einem Jahr. Dennoch crashte die Aktie um fast 5% auf 8,87 Euro, den niedrigsten Schlusskurs seit Jahrzehnten. Warum? Weil Neu-CEO Christian Sewing zwar auf den ersten Blick das Kostenproblem in den Griff bekommen hat – jedoch um den Preis nachgerade erodierender Erträge. Aktiengeschäft? Minus 15%. Anleihegeschäft? Minus 15%. Ufff! Mag sein, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Es ist aber eine, die viele Investoren offensichtlich schaudern lässt. Hier die wichtigsten Links:

  • Die Quartalszahlen auf eine Blick (PDF, Seite 4/5)
  • Die Deutsche Bank hat seit 2011 ein Viertel (!!!) ihrer Erträge verloren, im Investmentbanking sogar noch mehr (Börsen-Zeitung)
  • Warum die Deutsche Bank nicht vom Fleck kommt (Manager Magazin)
  • Wie Barclays die Deutsche Bank in nur drei Monaten abgehängt hat (Financial Times, Paywall)
  • Und noch ein lesenswerter Vergleich  zwischen der Deutschen Bank (RoE: 1,6%) und Barclays (RoE: 9,4%): Breakingviews

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Ernsthaft? Ernsthaft: Die Commerzbank bietet für die NordLB (wenn auch unverbindlich)

Ist das jetzt der Coup des Jahres? Der Bluff des Jahres? Oder die Ente des Jahres? Jedenfalls: Nach übereinstimmenden Medienberichten gehört die Commerzbank zu den verbliebenen Interessenten für die leckgeschlagene NordLB. Die Kollegen z.B. der FAZ und der SZ versuchen heute Morgen in ihren Analysen tapfer, dieser verblüffenden Nummer irgendeine Form von Sinnhaftigkeit abzugewinnen: 1.) Wäre die Commerzbank als Partner nicht insofern prädestiniert, da sie weiß, wie man ein großes Schiffsportfolio geräuschlos abwickelt? Und 2.) War die Coba nicht immer schon scharf darauf, ins Sparkassenlager einzudringen (die NordLB besitzt ja in der Tat eine Sparkasse, nämlich die in Braunschweig)? Jedenfalls: Bevor man solche Gedankenspiele anstellt, sollte man vermutlich erst einmal die Frage klären, woher die Commerzbank denn das Kapital nehmen soll, das die NordLB braucht. Aktionäre? Cerberus? Bund? Und selbst wenn sich dieses Problem lösen ließe: Würden die Sparkassen da wirklich mitmachen? Eine naheliegende Vermutung: Genau darum geht es am Ende – die Sparkassen ein bisschen zu kitzeln. Nicht wahr, Herr Scholz? Handelsblatt (Paywall), Süddeutsche,

News

Ein österreichischer Leser, der weder Achleitner noch Stalf heißt, schrieb uns gestern, wir hätten das 11-Mio.-Euro-Funding für das (auch in Deutschland aktive) austriakische Payment-Fintech Bluecode übersehen. Wenn wir auf diesem Wege anworten dürfen: „Übersehen“ ist der falsche Ausdruck. Eher waren wir a bisserl misstrauisch. Denn: Wenn jetzt schon komplett namenlose Finanzierungsrunden verkündet werden („Die Investoren möchten anonym bleiben“), dann gibt es ja praktisch gar keine Möglichkeit mehr, so was auch mal gegenzuchecken. Standard, Handelsblatt (Paywall)

Wie uns gestern ebenfalls zugetragen wurden, haben ehemalige N26-Menschen offenbar gemeinsam mit anderen Startup-Menschen ein neues Krypto-Fintech gegründet. Es heißt Donut, sitzt , wie uns scheint, ein bisschen in London, aber auch ein bisschen in Berlin – und darüber hinaus haben wir uns mit der Firma noch nicht wirklich beschäftigt. Vielleicht wollen Sie ja? Voilà: trydonut.com

Deutsche Bank, erster Nachtrag: Herr Sewing hat gestern wissen lassen, dass er die gigantischen Liquiditätsreserven des Instituts (aktuell rund 270 Mrd. Euro) in Zukunft ein bisschen riskanter anlegen will als bislang. Wie heute Morgen in der „Süddeutschen“ nachzulesen ist, geht die Entscheidung offenbar auf die Einflüstereien des Mittelgroßinvestors Cerberus zurück, der der Blaubank ja lustigerweise auch als Berater dient. Süddeutsche (letzter Absatz)

Deutsche Bank, zweiter Nachtrag: Bei der Fondstochter DWS sind im dritten Quartal netto weitere 2,7 Mrd. Euro abgeflossen (nach knapp 5 Mrd. Euro in Q2). Kommt nicht überraschend, da das so ähnlich ja auch schon aus den monatlichen BVI-Zahlen hervorging. Macht die Sache aber nicht besser. Fondsprofessionell

Hatte die Hamburger Sparkasse nicht gerade erst die Kontogebühren angehoben? Ach nein, das ist ja schon zwei Jahre her. Also höchste Zeit für die nächste Erhöhung, wobei man fairerweise sagen muss, dass es „nur“ die Standard-Girokonten trifft und nicht die deutlich weiter verbreiteten Joker-Konten. Zur Begründung fallen dem Management vor allem externe Gründe ein (Niedrigzins, Regulierung, Digitalisierung). Wenn wir gebeten würden, die Liste um ein paar Haspa-spezifische Gründe zu ergänzen, dann würde uns u.a. einfallen: viel zu hohe Managergehälter. Und zwei sündteure Wechsel des Kernbanksystems binnen weniger Jahre. Hamburger Abendblatt, Börsen-Zeitung (Paywall)

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Linktipps

Das „Tinder für Banker“-Modell macht Schule: Bei der Frankfurter Sparkasse können sich Kunden ihre Berater jetzt wie bei einem Datingportal aussuchen (wem das Ganze bekannt vorkommt: Ja, so was Ähnliches probiert seit ein paar Monaten auch die Haspa aus). FAZ

Eigentlich hatten wir uns ja mal ganz fest vorgenommen, keine Fintech-Rankings zu verlinken: Aber was soll’s. Hier die globale „Fintech 100“-Liste von H2 Ventures und KPMG (mit mindestens drei deutschen Kandidaten, wie ein erstes Überfliegen ergab); und hier die ebenfalls diese Wochen vorgestellte „Fintech 250“-Map von CB Insights (auch mit ein paar bekannten hiesigen Namen).

Und für alle LeserInnen, die sich ernsthaft mit dem Thema Blockchain befassen: Der geschätzte Kollege Ralf Keuper vom „Bankstil“-Blog findet unter den vielen neuen DLT-Studien da draußen zwei besonders lesenswert. Hier fasst er die Erkenntnisse der einen Untersuchung zusammen und hier die Erkenntnisse der anderen.

Klickfavorit

… war gestern unsere Sisyphus-Recherche zu den aus unserer Sicht etwas seltsamen Fundings von Smava: Finanz-Szene.de

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