27/04/18: Ein paar Fragen an Ginmon, Das Lending-Club-Desaster, Neun alarmierende Fakten zur Dt. Bank

Der Fall Ginmon – oder: Was wurde aus der „größten Finanzierung“ eines deutschen Robos?

Es klang, als wäre alles perfekt: „Ginmon sammelt zweistelligen Millionenbetrag ein“, titelte das „Handelsblatt“. Und kannte sogar schon den Namen eines der Investoren: „Zu den Unterstützern zählt erneut Passion Capital aus London.“ Als Beleg konnten die Kollegen die scheinbar bestmögliche Quelle anführen, nämlich den Ginmon-Gründer höchstselbst, Lars Reiner. „Wir haben verbindliche Zusagen, unter anderem von Passion Capital, und können schon jetzt bestätigen, dass wir dieses Mal eine achtstellige Summe bekommen“, ließ der sich zitieren. Wann das war? Am 20. Februar. Wohlgemerkt: am 20. Februar 2017. Nicht 2018. Weshalb wir einfach mal die Frage aufwerfen: Müsste die „größte Finanzierungsrunde im Bereich Robo Advice in Deutschland“ (so steht es bis heute auf Ginmons Homepage), nicht heute, runde 14 Monate später, langsam mal vollzogen worden sein? Lesen Sie hier, was bei unserer Recherche herausgekommen ist: Finanz-Szene.de

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Liebe Deutsche Bank, nimm es uns bitte, bitte nicht übel – aber:

… statt auf Pseudo-News, Semi-Scoops und Edel-Spins konzentrieren wir uns bei der Nachbetrachtung der gestrigen Ereignisse einfach mal auf die Fakten:

  • Die Deutsche Bank hat die Q1-Analysten-Vorgaben in Sachen Erträge (7,3 Mrd. Euro) gerissen. Es waren nämlich nur 7,0 Mrd. Euro.
  • Die Deutsche Bank hat die Q1-Analysten-Vorgaben in Sachen Kosten (6,1 Mrd. Euro) gerissen. Es waren nämlich satte 6,4 Mrd. Euro.
  • Die Deutsche Bank hat die Q1-Analysten-Vorgaben in Sachen Gewinn (0,3 Mrd. Euro)  gerissen. Es waren nämlich nur 0,1 Mrd. Euro.
  • Die DWS (also der fest eingeplante stabile Ertragsbringer für die nächsten Jahren) verzeichnete in Q1 Nettoabflüsse in Höhe von 8 Mrd. Euro
  • Wiederum bei der DWS stiegen in Q1 die Vergütungskosten um zwei Prozent, die Kosten um acht Prozent, der Gewinn sank selbst bereinigt um Sondereffekte um 33 Prozent
  • Die jüngsten Fondsstatistiken des BVI legen nahe, dass nochmal die DWS auch in ihrem so wichtigen Heimatmarkt ein Problem haben könnte (der Deutsche Concept Kaldemorgen und der DWS Top Dividende verloren im Januar/Februar zusammen rund 1 Mrd. Euro)
  • Selbige DWS hat seit dem IPO 6,3% an Wert verloren, während der Dax um 5,2% zulegte. Macht eine Underperformance von 11,5 Prozentpunkten binnen fünf Wochen, und das trotz Discount beim Ausgabepreis und obwohl die Konsortialbanken den Kurs in den ersten Wochen mit rund 100 Mio. Euro gestützt haben
  • Und bevor sich jetzt wieder alle auf die neue Strategie stürzen, empfehlen wir einen Blick in den HV-Antrag des bösen Aktionärs Freitag, Seite 5. Da lässt sich nämlich (natürlich arg kritisch gefärbt) nachlesen, was aus den letzten vier Strategien der Deutschen Bank geworden ist
  • Und die neue Strategie? Da verweisen wir auf den UBS-Analysten Daniele Brupbacher, der der Deutschen Bank gestern vorwarf, sie habe „keine neuen Details über Sparprogramme, Kostenziele, Bilanzverkürzung, Restrukturierungs-Kosten, Stellenstreichungen und Folgen für die Kapitalquoten gegeben“.

News

Dass die ING Diba sachte an den Preisen schraubt, diese Beobachtung hatten wir neulich ja schon einmal mit Ihnen geteilt (ebenso wie die Beobachtung, dass die Onlinebank ihre Tagesgeldzinsen gen Null gefahren hat). Doch das war noch nicht alles. Denn ab dem 1. Juli kommen weitere Gebühren hinzu, etwa für telefonische Überweisungen und seltsamerweise auch für „den Einsatz der Visa Card bei Glücksspielen“. Und: Die ING Diba schränkt die Leistungen ein. So sind Geldabhebungen künftig nur noch ab 50 Euro möglich. Mobiflip, FAZ (Paywall)

Noch eine vermeintliche Randnotiz zur Deutschen Bank: Im letzten Absatz des FAZ-Artikels heute Morgen findet sich die Behauptung, dass der Grund, warum John Cryan letzten Herbst die HNA-Leute nicht treffen wollte, folgender gewesen sei: Eine bankinterne Überprüfung habe ergeben, dass der eigene Ankeraktionär „nicht als vertrauenswürdiger Geschäftspartner“ eingestuft worden sei. Oh la la. FAZ (Paywall)

Die Sparkassen tun, was sie aus welchen Gründen auch immer offenbar tun müssen: Sie beherbergen nämlich, wie das „Handelsblatt“ berichtet, die HSH Nordbank noch ein weiteres Jahr unter ihrem Haftungsdach. Damit dürfte der Übergang ins private Einlagensicherungssystem gewährleistet sein. HB (Paywall)

Frankfurter Sparkasse macht Tempo bei Überweisungen in Echtzeit: Von Mitte Juli an will sie ihren Kunden den neuen Service ermöglichen – wenn auch „nur“ bis zu einer Summe von 15.000 Euro je Transaktion. Wie es sonst so aussieht? Die HVB war ja schon vorgeprescht, die Deutsche Bank will im Herbst folgen, bei der Commerzbank weiß man es nicht. FAZ

Theodor Weimer steht kurz vor der Heiligsprechung: Anders lässt sich jedenfalls nicht deuten, was in der Zeitung unseres und vermutlich auch Ihres blinden Vertrauens zum neuen Deutsche-Börse-Chef zu lesen ist. Börsen-Zeitung

Huch, startet jetzt sogar schon die Fürstlich Castell’sche Bank mit digitaler Vermögensverwaltung? Website

Beyond. de

Wer immer noch der Ansicht ist, dass Lending Club die Avantgarde der westlichen Fintech-Bewegung darstellt, der sollte auf folgenden Link  (CNN zur jüngsten Affäre des US-Marketplace-Lenders) und auf folgenden Link (die „Financial Times“ hinter Paywall zur gleichen Affäre und zur desaströsen Aktienkursentwicklung) besser nicht klicken.

Linktipps

Bei Blockchain-Meldungen ist ja auch immer viel PR dabei …, aber die News, dass die BBVA die Wunderkette jetzt bei Unternehmenskrediten einsetzt, scheint zumindest nicht völlig substanzlos zu sein. BBVA-Homepage, Financial Times (Paywall) 

Dass Deutschlands Banken in Sachen Digitalisierung hinterhinken (u.a. im Vergleich zur, siehe oben, BBVA) … das hatte vor einigen Monaten ja bereits Oliver Wyman dargelegt. Nun kommt Deloitte zu ähnlichen Schlüssen. Studie (PDF)

Wer, warum auch immer, Lust verspürt, sich noch einmal intensiver mit den Geschehnissen rund um die HSH Nordbank auseinandersetzen (wir selbst sind raus bei dem Thema, sorry), dem empfehlen wir … was die Kollegin Littmann so alles ausgräbt: Wirtschaftswoche

Was vergessen? Nein. Aber fast. Hier wie immer freitags die unvergessliche „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs

Klickfavorit

… waren gestern unsere Beobachtungen zu den auffällig großen Kleinbanken im Rhein-Main-Gebiet. Finanz-Szene.de

Hinweis in eigener Sache

Falls Sie am Montag (= Brückentag = Urlaubstag) nicht wissen, was Sie mit sich anfangen sollen, schauen Sie doch einfach mal in Ihre Mails. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheit haben wir uns nämlich fest vorgenommen, am Montag zu erscheinen. Was wir dann im Angebot haben? Unterem anderem eine Analyse zum sogenannten = angeblichen = zweifelhaften Geschäftsmodell eines Ihnen sicherlich bekannten deutschen Fintechs.

Schönes Wochenende!

PS: Falls Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und Sie gerne hätten, dass er am Montag auch in Ihrem Postfach (kostenfrei!) landet, dann klicken Sie bitte hier.