28/08/18: Cringle stellt Insolvenzantrag, Das Berlin-Brexit-Manifest, Minus 354% Rendite

Cringle stellt Insolvenzantrag – Hat P2P-Payment standalone überhaupt eine Chance?

Ohne jetzt den Besserwisser geben zu wollen – aber: An den Business Case des Berliner P2P-Payment-Fintechs Cringle haben wir so richtig nie geglaubt, und zwar aus wenigstens drei Gründen: 1. Haben Sie jenseits von Berlin-Mitte, Berlin-Prenzlberg und Berlin-Kreuzberg-61 wirklich schon mal Menschen gesehen, die sich per Handy gegenseitig Geld zuschicken, um die Restaurant-Rechnung aufzuteilen? (okay, vielleicht wird sich das im Kwitt-Zeitalter ändern) 2. Wer der eigenen Beobachtung nicht traut, dem sei eine Kritik des Cringle-Geschäftsmodells ans Herz gelegt, die wir vor einigen Monaten mal verlinkt hatten (worauf die Cringle-Leute übrigens damals diese Replik hier verfassten). 3. Cringle besorgte sich gleich zweimal Geld über die Crowdplattform Companisto, was Startups, um die sich die VCs reißen, eher nicht tun würden. Jedenfalls: Nun hat Cringle Insolvenzantrag gestellt, worüber gestern als erstes die Kollegen von „Gründerszene“ berichteten. Das heißt nicht zwingend, dass Cringle am Ende ist, zumal sich auch für andere  Fintechs Auffanglösungen gefunden haben (siehe Lendico/ING Diba, Outbank/Verivox oder Cookies/Klarna). Und dennoch: Für den Moment muss Cringle trotz dieses tapferen Blog-Eintrags von gestern Abend als gescheitert gelten.

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Grafik: Wie die DVB Bank in ihrem Offshore-Segment auf eine Rendite von minus 354,4% kam

Wenn die DZ Bank diese Woche ihre Halbjahreszahlen vorlegt, dann wird die bange Frage wieder lauten: Wie hat die Problemtochter DVB abgeschnitten? Bekannt ist, dass der Transportfinanzierer unter hohen Verlusten im Schiffsgeschäft leidet. Weniger bekannt ist, dass das Debakel bei den Schiffen zuletzt vom Desaster einer anderen Sparte sogar noch getoppt wurde – nämlich der sogenannten „Offshore Finance“-Sparte. In diesem Segment bündelt die DVB Bank seit 2013 ihr Geschäft mit Öl- und Erdgasförderern, von der Finanzierung der Bohrplattformen bis hin zur Finanzierung der Versorgungsschiffe. Als Resultat der niedrigen Energiepreise geriet dieses Geschäftsfeld im vergangenen Jahr massiv unter Druck. Die Folge: Einige Kennziffern spielten völlig verrückt, wie  sich aus dem mittlerweile veröffentlichten 2017er-Geschäftsbericht der DVB Bank SE herauslesen lässt.  Hier das Fiasko in vier Grafiken: Finanz-Szene.de

News

Landesbanken stehen knöcheltief im Kaufhof-Sumpf: Wenn wir die „SZ“ richtig verstehen, dann droht ein Konsortium rund um LBBW, Helaba und HSH Nordbank damit, ein 1,34 Mrd. Euro schweres Darlehen fällig zu stellen, das dem kanadischen Eigner der verlustträchtigen Kaufhaus-Kette 2015 ausgereicht wurde. Was unklar bleibt: In dem gestrigen Artikel klang es so, als wackele die geplante Fusion von Kaufhof und Karstadt wegen des Kredits, heute Früh hingegen liest sich das Ganze eher so, als würden die Banken den Zusammenschluss sogar forcieren (um den Kredit irgendwie zu retten). Süddeutsche (Montag), Süddeutsche (Dienstag)

Jürgen Fitschen stellt (freilich mit zehn Jahren Verspätung …) die Josef-Ackermann-Doktrin infrage:  Hätte die Deutsche Bank in der Finanzkrise Staatshilfe angenommen, „wären damit Vorteile verbunden gewesen“, sagte der langjährige Co-Chef der Blaubank in einem Interview mit der dpa.

That’s not news

Wie gewohnt immer dienstags unser kurzer Rückblick auf die Nachrichten vom Wochenende:

  • Bafin warnt Banken vor zu viel Laissez-faire bei der Darlehensvergabe: „Wir stellen fest, dass sich die Standards lockern. Das gilt vor allem für Unternehmenskredite“, sagte Exekutivdirektor Raimund Röseler der Wirtschaftswoche.
  • Dafür dass die Commerzbank ein „Technologiekonzern“ sein will, unterlaufen ihr ganz schön viele IT-Pannen. Folge: Am Freitag konnten viele Kunden weder Geld abheben noch Online-Banking machen. Reuters
  • Deutsche Bank platziert neuartige Anleihe: … und muss dabei eine höhere Risikoprämie bieten als die Commerzbank. Handelsblatt (Paywall)
  • Die Deutsche Bank  hat in ihrem (um die Postbank angereicherten) Privatkundengeschäft im ersten Halbjahr bemerkenswerte 554 Mio. Euro verdient: … wozu allerdings auch Einmaleffekte beitrugen, sodass das Ergebnis im zweiten Halbjahr merklich schlechter ausfallen dürfte. Handelsblatt (Paywall)

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Gästeblog

Liebe Brexit-Banken, auf diese Stadt müsst Ihr schauen: Warum wird im Zusammenhang mit dem Brexit eigentlich immer nur von Frankfurt gesprochen? Und nie von Berlin? Klar, Frankfurt hat die großen Türme. Dafür allerdings – glaubt man unserem Gastautor Chris Bartz- hat Berlin alles andere. Hier sein feuriges Plädoyer für die deutsche Hauptstadt: Finanz-Szene.de

Linktipps

Der Abschied vom Autogramm an der Kasse: Dass Rewe und Aral das elektronische Lastschriftverfahren abschaffen, hatten wir Ihnen letzte Woche (unter Verweis auf Herrn Bender von der „Lebensmittelzeitung“) ja schon kurz berichtet. Doch was sind die Hintergründe dieser Entscheidung? FAZ

Mit Wlan und Bratwurst: So wollen die Banken ihre Kunden wieder in die Filialen locken. Wirtschaftswoche

Was ist eigentlich so los in Fintech-Deutschland? André Bajorat und Jochen Siegert lassen die Ereignisse der vergangenen Wochen nochmal Paroli laufen (oder sagt man Revue passieren?). Paymentandbanking-Podcast

Klickfavorit

… war am Freitag das verheerende Zeugnis, das die eigenen Revisoren der NordLB ausstellen. Süddeutsche

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