29/06/18: Savedroid räumt „massive Probleme“ ein, Creditshelf vor IPO, Solarisbank mit Krypto-Offensive

Exklusiv: Savedroid-CEO gesteht KYC-Probleme. „Mussten 35.000-fach händisch nacharbeiten“

Das Frankfurter Fintech Savedroid kämpft bei der Abwicklung seines  ICOs mit technischen Schwierigkeiten. „Wir hatten massive Probleme mit unserem externen KYC-Dienstleister. Daher musste unser Team letztlich die KYCs von allen mehr als 35.000 Token-Käufern händisch nacharbeiten“, schrieb uns CEO Yassin Hankir gestern per E-Mail, nachdem „Finanz-Szene.de“ zuvor exklusiv über die schleppende Umsetzung des „Initial Coin Offerings“ berichtet hatte. Wie aus der Antwort Hankirs auf einen Fragenkatalog von „Finanz-Szene.de“ ebenfalls hervorgeht: Bei dem vermeintlichen deutschen Vorzeige-ICO handelte es sich zum Teil wohl eher um eine Art „Private Placement“. So wurde ein beträchtlicher Teil der Token-Emission „bilateral zwischen großen Käufern und Savedroid abgewickelt“. Und noch eine dritte News: Auch wenn wochenlang überall zu lesen war, der ICO-Erlös habe bei rund 40 Mio. Euro gelegen – Savedroid will diese Summe auf Nachfrage hin nicht bestätigen. Hier Hankirs Antworten im Detail: Finanz-Szene.de

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Die Deutsche Bank fällt (als einziges geprüftes  Institut überhaupt) durch den US-Stresstest

Nächste Blamage für die Deutsche Bank: Das wichtigste Geldhaus des Landes ist als einziges Institut überhaupt durch den Stresstest der US-Notenbank Fed gefallen. Die Amerikaner werfen der Frankfurter Großbank „weitverbreitete und bedenkliche Defizite“ in allen Bereichen der Kapitalplanung vor. So hätten sich zum Beispiel bei internen Kontrollsystemen und in der Datenverarbeitung „gravierende Mängel“ gezeigt. Die direkten Konsequenzen aus dem Stresstest halten sich in Grenzen – mal abgesehen davon, dass die US-Tochter der Deutschen Bank nun jedes Mal die Fed um Erlaubnis bitten muss, bevor sie Kapital an die Mutter transferiert. Schmerzlicher dürften der Imageschaden und der weitere Vertrauensverlust bei den Stakeholdern sein. Wenn es einen Trost gibt, dann den: Viele Beobachter hatten bereits damit gerechnet, dass die Deutsche Bank bei dem Test wie schon beim letzten Mal durchfällt. Darum könnte sich unter den Investoren der Schock in Grenzen halten (nachdem die Aktie am Donnerstag zwischenzeitlich auf den niedrigsten Kurs seit 35 Jahren gefallen war). Manager Magazin, Financial Times (Paywall), Die Ergebnisse im Original (PDF)

News

Frankfurter Finanz-Startup Creditshelf will an die Börse: Das berichtet das „Handelsblatt“ heute Morgen – wobei es sich, anders als dort nachzulesen, nicht um den ersten Fintech-IPO am deutschen Aktienmarkt handelt, sondern mindestens um den fünfeinhalbten (nach Ferratum, Cashcloud, Mybucks, Naga und mehr oder weniger Niiio). Bemerkenswert: Der Trend, dass hierzulande nicht die halbwegs reifen, sondern tendenziell eher die unreifen Fintechs an die Börse gehen, hält damit an – woran auch immer das liegen mag. Das Geschäftsmodell: Creditshelf vermittelt über eine digitale Plattform Kredite an Mittelständler. Das arrangierte Volumen belief sich per Ende März rund dreieinhalb Jahre nach dem Start auf zusammengenommen 58 Mio. Euro. Zum Vergleich: Konkurrent Funding Circle Deutschland knackte Ende vergangenen Jahres die 100-Mio.-Euro-Marke. Starten soll der IPO nächste Woche, der Emissionserlös soll bei mindestens 20 Mio. Euro liegen. Handelsblatt (Paywall)

Immer wenn man meint, zwei Dinge passen nicht zusammen, dann kommt die Solarisbank und behauptet, mit dem richtigen Scharnier (sprich: mit der Solarisbank) passt es doch: Das war zunächst so, als irgendwelche Schmalspur-Fintechs da draußen meinten, regulierte Bank spielen zu müssen (was sie dank geliehener Solaris-Lizenz jetzt irgendwie tatsächlich dürfen). Dann kamen wiederum andere Schmalspur-Fintechs, die meinten, sie müssten Bilanzsummen-Bank spielen (was sie mithilfe der Solaris-Bilanzsumme jetzt irgendwie tatsächlich tun). Und als nächstes? Will die  Solarisbank, wenn wir es richtig verstehen, auch noch die Schmalspur-Fintechs schlechthin (nämlich irgendwelche Krypto- und Blockchain-Buden) zu Mini-Banken machen. Es gehe darum, „eine technologische und regulatorische Brücke zwischen Banking- und Blockchain-Welt“ zu schlagen, heißt es. Falls Sie die Details interessieren, bitteschön: Pressemitteilung

Die DWS brüskiert den US-Riesen State Street: … und vertraut Fondsvermögen in Höhe von rund 240 Mrd. Euro künftig der BNP Paribas an. Damit revanchieren sich die Franzosen nicht nur für den Verlust des Großkunden Allianz Global Investors (der vergangenes Jahr zu State Street gewechselt war), sondern sie festigen auch ihre Stellung als größte Depotbank hierzulande. Laut „Börsen-Zeitung“ dürfte der Auftragswert im hohen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Reuters, Börsen-Zeitung

Die Commerzbank hat jetzt eine „Frau für alle Steuerfragen“: … schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Bei der Frau handelt es sich demnach um Daniela Trötscher (46, zuletzt Allen & Overy), die die neue zentrale Einheit „Group Management Tax“ leiten soll und direkt an CFO Stephan Engels berichtet.

Linktipps

Auch wenn sich Banken zu Plattformen wandeln, werden sie ein (aus Bankensicht) immanentes Problem der Plattform-Ökonomie nicht lösen können: … nämlich, dass „Banking“ in Zukunft keine eigene Disziplin mehr sein wird, sondern nur mehr „eine Funktion von vielen (Einkauf, Logistik, Softwareentwicklung, Forschung, Produktion) die benötigt wird, um die Kunden/Nutzer auf der Plattform zu halten und vollumfänglich zu bedienen“. So sieht das jedenfalls Ralf Keuper, der Betreiber des immer sehr lesenswerten Bankstil-Blogs.

Dazu passend: Alles, was Sie zu Amazons Banking-Plänen wissen müssen. CB Insights

Nachdem Google Pay diese Woche in Deutschland gestartet ist, wird auch Apple Pay nicht mehr lang auf sich warten lassen. Heißt es jedenfalls. Aber stimmt das überhaupt? Golem

Und wie immer freitags: Die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… mir die rotzfreche Art dieses Newsletters gefällt und er bei mir auch regelmäßig einen Aha-Effekt auslöst.“

Thomas Dapp, Digital Office / Think Tank bei der KfW Bankengruppe

Klickfavorit

… war gestern Thomas Borgwerths Analyse „Savedroid – Ist das noch Krypto oder ist das schon gaga?“. Finanz-Szene.de

Und noch die übliche Bitte am Freitag: Empfehlen Sie uns fleißig weiter! Wir sind noch jung, wir können es gebrauchen. Hier der Anmelde-Link. Herzlichen Dank, schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms