30/05/18: Umsätze großer deutscher Fintechs, Will Rocket doch wieder? Allianz/Moneyfarm

Mal ein paar begründete Annahmen zu den Umsatzzahlen großer deutscher Fintechs

Eher durch Zufall fiel uns gestern ein Ranking in der „Financial Times“ auf, demzufolge „Finanzcheck.de“ das am schnellsten wachsende deutsche Finanz-Startup sein soll. Interessanter als die relativen fanden wir allerdings die absoluten Zahlen: 26 Mio. Euro hat das Hamburger Kredit-Vergleichsportal  in 2016 umgesetzt. Das Wachstum plausibel fortgeschrieben, dürften es 2017 mithin rund 40 Mio. gewesen sein. Geht man davon aus, dass Konkurrent Smava nicht viel kleiner ist (sagen wir: knapp 40 Mio.), und geht man ferner davon aus, dass das Ur-Fintech Check24 im Konsumentenkreditbereich 2,5-mal so groß ist (also rund 100 Mio), dann sind wir schon bei 180 Mio. Euro.  Von zwei weiteren Ur-Fintechs kennt man die Umsätze (Hypoport: 103 Mio, Interhyp: 194 Mio Euro), also ist man schon bei rund 475 Mio. Euro. Dazu kommen die großen reinrassigen Fintechs (Auxmoney, Kreditech, N26, Weltsparen, Deposit Solutions …), die bei allem Cashburn ja doch auch  ein paar Erträge erwirtschaften. Schließlich sollte man sich noch die wackeren B2B-Enabler-Fintechs wie Fincite, Fino oder Gini hinzudenken. Et voilà: Schon ist man so ungefähr bei den 900 Mio. Euro von Oliver Wyman von neulich. Financial Times (Paywall)

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Italien-Krise trifft deutsche Banken – Aktien von Coba und Blaubank im freien Fall

Was passiert mit den deutschen Banken, wenn es dann doch mal zu einem exogenen Schock kommen sollte (Immobilienblase platzt, Konjunktur trübt sich ein,  Eurokrise kehrt zurück, Trump löst irgendwo auf der Welt versehentlich einen Krieg aus …)??? Diese Frage stellen sich vor dem Hintergrund der Staatskrise in Italien offenkundig auch die Investoren. Jedenfalls krachte die Aktie der Deutschen Bank gestern um weitere 4,6% ein, die der Commerzbank um 4,1%. Nun ist ja unbestritten, dass sich die Eigenkapital-Kennziffern seit der Finanzkrise verbessert haben. Bloß: Wer würde behaupten, dass die deutschen Banken deshalb aus einer Position der Stärke in die nächste Krise gehen? An Problemen (Niedrigzins, hohe Kosten, digitale Konkurrenz) herrscht schließlich kein Mangel. Und noch was, selbes Thema, anderer Aspekt: Schräg, dass Analysten und Investoren  (siehe heutiger „Handelsblatt“-Artikel) jetzt erst aufgeht, was „Finanz-Szene.de“ schon unmittelbar nach Vorstellung der Q1-Zahlen schrieb – nämlich dass die Commerzbank ein massives Ertragsproblem hat. Wer waren eigentlich die Investoren, die die Coba-Aktie damals kurzzeitig steil nach oben geschickt haben?

News

„Wir schauen uns Fintechs an“ … hat Rocket-Chef Oliver Samwer gestern gesagt. Bleibt angesichts des bislang eher durchwachsenen Track Records im Finanzbereich die Frage, ob das eher eine Verheißung oder eine Drohung sein soll (nebenbei gefragt: Was ist eigentlich aus den Banklizenz-Plänen von Rocket Internet geworden?) Tagesspiegel

Die Allianz investiert auch weiterhin munter in Fintechs … und hat ihren Anteil an Moneyfarm, einem digitalen Vermögensverwalter mit italienischen Wurzeln, aufgestockt. Reuters

Was gibt’s Neues von den Sparplänen der Deutschen Bank? Die Blaubank schließt ihr Aktienresearch in Dubai (von dessen Existenz wir, ehrlich gesagt, noch nie etwas gehört haben), zudem hat Vorstandschef Sewing auf einer Konferenz in New York angekündigt, dass es schon bis Juli konkrete Ansagen geben soll, welche Jobs im Investmentbanking tatsächlich gestrichen werden. Bloomberg (Dubai), Bloomberg (Sewing)

Und die nächste Landesbank, die sich gegen Niedrigzins und Margendruck nicht so recht zu wehren weiß: … nämlich (nach der Helaba gestern) heute die LBBW. Welt/Bloomberg

Wenn man der Kurzfassung eines Geschäftsberichts einer Privatbank eine Aussagekraft zubilligen möchte, … dann scheinen die 2017er-Zahlen von Metzler wieder mal ganz okay gewesen zu sein. Der Gewinn sank zwar, aber wichtiger ist vermutlich, dass es dem Institut gelang, seinen Provisionsüberschuss merklich zu steigern (wenn auch vor dem Hintergrund ebenfalls steigender Kosten). Pressemitteilung, Börsen-Zeitung (Paywall)

Linktipps

Das hier dürfte eines der großen Themen der nächsten Jahre werden: Was heißt es eigentlich für die Aufsicht, wenn es in den Banken nicht mehr nur Menschen zu beaufsichtigen gilt, sondern auch Roboter (und womöglich sogar solche, die dank künstlicher Intelligenz irgendwann meinen, sie wüssten alles besser). Einen Vorgeschmack, in welche Richtung diese Debatte führen könnte, findet sich bei Bloomberg.

Bei aller Euphorie um Scalable Capital: Nicht zu Unrecht dröselt die SZ nochmal auf, warum der größte Robo des Landes auch der war, der beim Aktiencrash im Februar  mit am stärksten gelitten hat. Süddeutsche

Von DKB über Yomo bis Marcus: Welche digitalen Banken gibt es schon in Deutschland, und welche stehen in den Startlöchern? Eine Einführung. Manager Magazin

Bei manchem Fintech weiß man schon beim ersten Besuch auf der Landingpage, dass das nichts werden wird, meint der thesenfreudige Blogger Maik Klotz (wenn wir mit einer eigenen sehr gewagten These dagegenhalten dürfen: Manchmal merkt man es auch schon beim ersten Interview). Paymentandbanking

Nicht nur, aber vielleicht auch was für die Commerzbank: Ein paar Tipps gegen die Ertragsprobleme, vom (selbsternannten?) Banking-Vordenker Brett King. Der Bank-Blog

Karriere

Kaum zu glauben, aber es stimmt wohl: Rund 110.000 Studenten haben sich in diesem Jahr um einen Job bei der Deutschen Bank beworben. Financial Times (Paywall), efinancialcareers

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter eine echte Lücke füllt: Er bringt zwei Sphären zusammen, die lange zu Unrecht als getrennte Welten wahrgenommen wurden, nämlich die ‚alte‘ der Banken und Versicherungen und die ’neue‘ der Fin- und Insurtechs.“

Sibylle Strack ist Payment-Expertin, Beraterin, ehemalige Leiterin der Karten- und Zahlungsverkehrsstrategie beim DSGV – und eine von mittlerweile mehr als 6000 Abonnentinnen und Abonnenten

Klickfavorit

… war gestern unser Um-die-Ecke-Vergleich zwischen Scalable Capital und der V-Bank. Finanz-Szene.de

Hinweis: Wegen des Feiertags kommt morgen kein Newsletter, dafür sind wir am Freitag wieder für Sie da (und zwar, das versprechen wir hoch und heilig, ohne Otmar-Issing-, ohne Jürgen-Stark- und erst Recht ohne Yves-Mersch-Interview zu „20 Jahre EZB“)