30/08/18: Die Mär von Blau-Gelb, Razzia bei der DZ Bank, Herr Sewing braucht keinen CDO

Die Mär von der „Deutschen Commerzbank“: Alle lieben die Story – aber wer glaubt sie wirklich?

Kann es sein, dass die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank jetzt irgendwie herbeigeredet werden soll (so als wäre Blau-Gelb im Finanzwesen das, was Schwarz-Grün in der Politik ist)? „Wir brauchen eine große, globale Bank“, erklärt jedenfalls plötzlich der Bafin-Direktor Röseler, während Unions-Fraktionschef Kauder beklagt, dass es in Bankendeutschland „keinen echten Global Player“ gebe (wobei ihm zwei noch lieber wären als einer, sagt er). Derweil stellt die „Financial Times“ die These auf, der Zusammenschluss von Blau und Gelb sei nur noch eine Frage der Zeit, während der Merger für die „Wirtschaftswoche“ sogar alternativlos zu sein scheint, ähnlich liest sich heute Früh ein Kommentar in der FAZ (Seite 22). Sonst noch was? Ja: Frankfurts Investmentbanker feilen offenbar schon an den passenden Narrativen, damit die Geschichte auch vermittelbar ist, eines lautet, es werde gar nicht zu einem Jobmassaker kommen, weil die Back-Office-Kräfte, die im Falle einer Fusion überflüssig würden, ja genau die Kräfte seien, die in Brexit-Zeiten von anderen Finanzdienstleistern händeringend gesucht würden. Jedenfalls: Interessant ist, was das seit Tagen anhaltende Geschwurbel mit der Commerzbank-Aktie macht, nämlich – rein gar nichts. Sieht ein bisschen so aus, als würde die Buy-Side die Story noch nicht wirklich kaufen.

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Ist ja nicht so, als wäre der Vorstand der Deutschen Bank schon immer eine Nerd-freie Veranstaltung gewesen: So gehörte dem Gremium bis 2015 ein gewisser Rainer Neske an, der zwar als Privatkundenvorstand (und nicht etwa als IT-Vorstand) firmierte, allerdings mal in Karlsruhe Informatik studiert hat. Zeitweise sogar parallel saß als COO zudem eine gewisse Kim Hammonds im Vorstand, von der man anfangs glaubte, sie sei eine Art IT-Wundermanagerin – ein Glaube, der dann freilich irgendwie verloren ging. Und heute? Hat die Deutsche Bank zwar neun Vorstände, darunter aber weder einen COO noch einen CIO und schon gar keinen CDO. Auf der „Banken im Umbruch“-Konferenz hat der CEO, also Christian Sewing, gestern erklärt, warum das so ist: Die einzelnen Geschäftsbereiche seien so verschieden, dass ein „Chief Digital Officer“ das gar nicht alles händeln könne – weshalb jede Sparte jetzt quasi ihren eigenen Mini-CDO habe. Ob dieser Ansatz der richtige ist, wird die Zukunft zeigen.

Apropos Herr Neske, der ist ja mittlerweile Chef der LBBW, und die hat im ersten Halbjahr das Kunststück fertig gebracht, den Zinsüberschuss trotz Dauerzinstief stabil zu halten (796 Mio. Euro nach 797 Mio. Euro im Vorjahr). Wie die Stuttgarter Landesbank das geschafft hat? Unter anderem, indem das Finanzierungsvolumen mal eben um 10% (!) auf 47 Mrd. Euro hochgefahren wurde. Was man nicht alles so tut, damit das Ergebnis (282 Mio. Euro nach 279 Mio. Euro) trotz der widrigen äußeren Umstände irgendwie konstant bleibt (wobei wir jetzt nicht so tun wollen, als bestünde die LBBW ausschließlich aus Firmenkundengeschäft, aber zu detailliert wollten wir es jetzt auch nicht machen). Reuters

Und die HSH Nordbank? Hat im ersten Halbjahr zwar wieder mal Geld verloren (wenn auch nicht wirklich viel) und rechnet überdies fürs zweite Halbjahr mit weiteren Verlusten – glaubt dafür aber, dass die Privatisierung in Q4 nun endlich abgeschlossen wird. Viel Glück. Wirtschaftswoche

Dass in die Cum-Ex-Affäre auch die DZ Bank verstrickt war, ist bekannt – nicht bekannt ist, dass die Causa das zweitgrößte deutsche Geldhaus immer noch schwer beschäftigt. So berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ heute Morgen,  Anfang Juli sei es beim genossenschaftlichen Zentralinstitut sogar zu einer veritablen Razzia gekommen. Süddeutsche

Falls wir in den letzten Tagen den Eindruck vermittelt haben sollten, als NordLB-Investoren kämen nur chinesische Banken, amerikanische Fonds oder sonstige verkrachte Existenzen infrage … dem ist natürlich nicht so, hat der tapfere Vorstandschef Thomas Bürkle gestern betont: „Es gibt genügend Marktteilnehmer, die erkennen, dass die NordLB ein tragfähiges und gutes Geschäftsmodell hat – auch strategische Investoren.“ Vielleicht ist das ja auch als Hinweis an all jene Player zu verstehen, die bei der Coba vielleicht gern würde, aber aus Gründen übergeordneter politischer Räson womöglich nicht dürfen. Reuters

Wären wir so smart wie Schweinchen Schlau, dann würden wir jetzt einfach unseren Cringle-Text von vorgestern nehmen, den Namen Cringle streichen und durch den Namen Lendstar ersetzen – denn: Nur zwei Tage nach der Pleite des Berliner P2P-Payment-App-Anbieters ist nun auch die Pleite des Münchner P2P-Payment-App-Anbieters bekannt geworden.  Zählt man die Pleite des wiederum Berliner P2P-Payment-App-Anbieters Cookies (bitte nicht verwechseln mit dem gleichnamigen Finanz-Staatssekretär) aus 2016 hinzu, dann sind wir jetzt also bei drei insolventen deutschen P2P-Payment-App-Anbietern. Es geht übrigens die Geschichte um, bei einem Berliner Fintech-Event 2015 habe der Gründer eines der drei Fintechs dem Gründer eines der beiden anderen zugerufen, „jetzt können wir noch entspannt miteinander quatschen, aber in fünf Jahren hassen wir uns“. Das, immerhin, dürfte allen Beteiligten jetzt erspart bleiben. Lendstar-Blogeintrag („Ein schwerer Weg“)

Unter anderen Umständen hätten wir uns die Verlinkung der aufgeregten Reuters-Meldung „Auxmoney denkt über Börsengang nach“ von gestern Nachmittag gespart – denn: Dasselbe hat Gründer Raffael Johnen vor zwei Jahren auch schon mal der „Börsen-Zeitung“ gesagt. Indes: Im Lichte des Cringle-/Lendstar-Schicksals passt die Auxmoney-„News“ ganz gut ins Bild, ebenso wie die ebenfalls gestern verbreitete Meldung, dass Raisin jetzt in die Niederlande expandiert (nachdem Zinspilot jüngst mitgeteilt hatte, in die Schweiz zu gehen): Die Kluft in Fintech-Deutschland wird größer. Hier: Die, die pleitegehen. Dort: Die, die ihre Ambitionen ausleben.

Apropos Ambitionen: Die UBS hat gestern dann doch einigermaßen überraschend mitgeteilt, ihre digitale Vermögensverwaltungs-Plattform in UK zu schließen. Vermutlich ein Fingerzeigt, dass auch hierzulande nicht alles, wo „Robo“ draufsteht, automatisch ein Erfolg werden wird, egal ob das Angebot von einer Bank oder einem Fintech kommt. Reuters

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Liebe LeserInnen, wir geben vermutlich nicht zu viel von uns preis, wenn wir Ihnen gestehen, dass Regulierungsthemen nicht unser ganz großes Steckenpferd sind: … dennoch finden wir ziemlich spannend, dass sich der Bankenverband jetzt in den EU-Konsultationsprozess zum Thema „Neudefinition von kleinen und mittleren Unternehmen“ eingeschaltet hat. Schließlich basieren auf genau dieser Definition auch eine ganze Reihe von bankenrechtlichen Vorgaben (mit Folgen für die Kreditvergabe, die Digitalisierung von Prozessen etc. pp.). BdB-Stellungnahme

Der Deutsche-Bank-Chef hat bei der „Banken im Umbruch“-Tagung, die übrigens irgendwie jetzt plötzlich anders heißt, eine eigentlich ganz knackige Rede gehalten gestern. Hier der Text in Auszügen: Handelsblatt (Paywall)

Diese 11 deutschen Banken werden (Stand jetzt) mit Apple Pay kooperieren: Das Recherche-Fleißkärtchen des Tages geht heute an Rudolf Linsenbarth vom IT-Finanzmagazin.

Cash, Cash, Cash: Warum Amazon (eigentlich) schon längst eine Bank ist. FinanceFwd.com

Klickfavorit

… war gestern unser exklusiver Blick in die Gewinn- und Verlustrechnung des deutschen Rekord-Exit-Fintechs Finanzcheck. Finanz-Szene.de

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