Acht Erkenntnisse aus den 2017er-Zahlen der deutschen Banken

Von Heinz-Roger Dohms

Die meisten Banken haben ihre 2017er-Zahlen (und ihren 2018er-Ausblick) inzwischen veröffentlicht – die anderen werden es demnächst tun.  Zeit für ein Fazit: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

1.) Vielen Sparkassen und Volksbanken geht es immer noch erstaunlich gut

… jedenfalls oberflächlich betrachtet und gemessen an den düsteren Weissagungen der vergangenen Jahre. Die Sparkassen haben 2,2 Milliarden Euro verdient (plus 7,4 Prozent), bei den Volksbanken waren es 1,6 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent), und das wohlgemerkt jeweils nach Steuern und unter Berücksichtigung der Abführungen in den sogenannten „Fonds für Allgemeine Bankrisiken“ (was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier).

2.) … was nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie am „Provisionswunder“ liegt

Die Erhöhung der Kontoführungs-Gebühren macht sich für den Moment bezahlt. So haben die Volks- und Raiffeisenbanken das kleine Kunststück vollbracht, den Provisionsüberschuss so stark zu steigern (8,1 Prozent), dass sie damit den in diesen Zeiten fast unvermeidlichen Rückgang beim Zinsergebnis überkompensieren. Bei den Sparkassen (Provisionsergebnis plus 8,4 Prozent) war es ähnlich. Und: Natürlich profitieren nicht nur die Ortsbanken von höheren Gebühren, sondern auch andere Retailinstitute, die Postbank etwa, deren Provisionsüberschuss um 12,0 Prozent stieg. Bemerkenswert: Die allermeisten Kunden scheinen die höheren Gebühren zu akzeptieren (oder sie bemerken sie nicht oder sie sind zu faul zum Wechseln).

3.) Banken, die kein Retailgeschäft betreiben, kriegen den Zinsschwund hingegen so richtig zu spüren

Beispielhaft sei hier zum einen auf die Aareal Bank verwiesen, deren Betriebsergebnis von 366 Mio. Euro auf 328 Mio. Euro sank – und die für dieses Jahr nur noch mit 260 bis 300 Mio. Euro rechnet. Ähnlich sieht es bei der Pfandbriefbank aus, deren Gewinn von 301 auf 204 Mio. Euro fiel und die für 2018 nur mehr von 150 bis 170 Mio. Euro ausgeht.

4.) Die Deutsche Bank hat in den „Alles oder Nichts“-Modus geschaltet

Schon krass, die Investmentbanker-Boni-Sache bei der Deutschen Bank, oder? Der Noch-Vorstand macht sich freiwillig zur Geisel jener Sparte, die in den vergangenen 10 bis 15 fast nur Unheil über das Institut gebracht hat (und die ein Geschäft betreibt, dass bei den großen Wall-Street-Häusern zu funktionieren scheint, mit dem aber, so weit wir das sehen, keine einzige größere europäische Bank in den letzten Jahren so richtig glücklich geworden ist – naja, vielleicht die französischen so ein bisschen). Der eigentliche Wahnsinn ist allerdings nicht der Wahnsinn als solcher, sondern dass dieser Wahnsinn strategisch alternativlos zu sein scheint. Gütiger Herrhausen.

5.) Die Commerzbank hat derweil gar keinen Modus

… außer, dass Sie (anders als die Sparkassen) auf höhere Gebühren verzichtet (tut die ING Diba ja auch), während sie sich zugleich (anders als die ING Diba) eine Cost-Income-Ratio wie im vordigitalen Zeitalter leistet (tun die Sparkassen ja auch). Oder anders gesagt: Die Commerzbank hat sich für den Moment das Schlechteste aus zwei Welten ausgesucht. Das muss freilich nicht so bleiben, denn das strategische Kalkül scheint ja zu sein, dass es nach der Dürre plötzlich heißen wird: Mehr digital. Weniger Kosten. Restrukturierung abgeschlossen. Und jetzt mit breiter Kundenbasis so richtig durchstarten. Irgendwann ab 2020 oder so. Womöglich dann ja auch immer noch eigenständig.

6.) Die Wucht der Digitalisierung zeigt sich im Kleinen

Lassen wir N26 mal außen vor. Und die neuesten Fintech-Studien von McKinsey, Capgemini und wem auch immer ebenso. Schauen wir nur mal auf drei vermeintlich unspektakuläre Zahlen zur Baufinanzierung: a) Bei den Sparkassen ist das Baufi-Volumen 2017 trotz Immobilienbooms um 1,8 Prozent gesunken. b) Bei den PSD-Banken kommt inzwischen 61 Prozent des Geschäfts über Plattformen wie Interhyp, Europace (dahinter steht Hypoport) oder Planethome. c) Interhyp hat seinen Marktanteil derweil um einen Punkt auf 8,4 Prozent gesteigert. Das mag alles nicht erdrutschartig sein. Und ein bisschen vergleichen wir auch Äpfel mit Birnen. Aber doch zeigt sich hier aus unserer Sicht im Kleinen die Wucht der Digitalisierung. Und Interhyp vermittelt ja nur, geht also gar nicht erst ins Risiko. Was für ein Geschäftsmodell, wenn’s einmal funktioniert.

7.) Auf den Point of Sale kommt es an

Neulich hatten wir ja berichtet, dass die beiden gewinnträchtigsten deutschen Banken des vergangenen Jahres Volkswagen und Mercedes heißen (dahinter übrigens dürfte gleich BMW kommen). Gründe dafür gibt es, wie dargelegt, viele. Ein ganz entscheidender aber scheint zu sein: Die Autobanken beherrschen den Point of Sale. Und genau das fällt vielen klassischen Banken immer schwerer.

8.) Die Schiffskrise führt zur endgültigen Neuordnung der Landesbanken-Szene

Die HSH Nordbank ist schon privatisiert, die NordLB (inklusive BLB) könnte laut „Spiegel“ folgen (bzw.: Sie überlegt zumindest, sich für private Investoren zu öffnen). Gut möglich also, dass es demnächst nördlich der Mainlinie keine einzige reinrassige Landesbank mehr gibt. Und das alles nicht nur, aber in erster Linie wegen der Schiffkrise (die darüber hinaus 2017 ja auch bei der DZ Bank tobte, wobei die natürlich keine Landesbank ist).

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