Amazon bremst Alexa-Pläne der deutschen Banken aus

Von Heinz-Roger Dohms

Voice-Banking als besonders hippe Form des Mobile-Banking – das ist die große Zukunftsvision der deutschen Bankenbranche. Nun haben diese Ambitionen allerdings einen herben Rückschlag erlitten. Denn nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat Amazon in den vergangenen Tagen gegenüber mehreren Instituten durchblicken lassen, vorerst keinen entsprechenden „Banking Skill“ auf seiner Sprachassistenz-Plattform Alexa zuzulassen. Dies sei mündlich („schriftlich gibt es bislang nichts“) mit rechtlichen Problemen aufgrund der Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 begründet worden, sagte am Wochenende eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber „Finanz-Szene.de“. Aus Bankenkreisen wurden die Informationen heute Vormittag bestätigt. Offiziell äußern wollte sich niemand, auch Amazon nicht. Das „Handelsblatt“ hatte in seiner heutigen Ausgabe als erstes über Probleme der Banken mit Amazon berichtet.

Sollte Amazon diese Position beibehalten, wäre das für die betroffenen Institute „eine große Enttäuschung“, wie ein Bankenvertreter es heute ausdrückte. Denn: Voice-Banking ist einer der wenigen neuen Technologien, bei denen die deutschen Finanzwirtschaft tatsächlich weit vorne dabei ist. Dahinter steckt der strategische Gedanke, dass es in wenigen Jahren genauso üblich sein könnte, seine Bankgeschäfte per Stimme zu erledigen, wie es jetzt schon viele Menschen über die Tasten ihres Smartphones tun. Indes: Dafür müssten die Institute mit ihren „Skills“ auf der Alexa-Plattform zugelassen werden, genauso wie es für Bankservices auf dem Smartphone eine App braucht, die sich die Kunden via Apple oder aus dem Google-Store runterladen.

Große Alexa-Ambitionen hegen zum Beispiel die Sparkassen. So hatte Bernd Wittkamp, der Chef des „Sparkassen Innovation Hubs“, Mitte September in einem Interview mit „Finanz-Szene.de“ gesagt: „Technisch sind wir auf einem sehr guten Weg“. Ziel sei es, Alexa den einzelnen Sparkassen noch in diesem Jahr anzubieten. Neben den öffentlich-rechtlichen Instituten hatten zuletzt aber auch die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Alexa-Pläne vorangetrieben, bei einigen großen Privatbanken soll es ähnlich sein. Die Comdirect bietet sogar schon einen „Skill“ für Alexa an, über den Kunden zum Beispiel die Kurse von Aktien, Derivaten, Fonds oder Währungen im Wortsinne „abrufen“ können. Diese Funktionen gelten als datenschutzrechtlich unkompliziert, weil es nur um die Weitergabe öffentlicher Informationen geht.

Die eigentlichen Voice-Banking-Strategien gehen weit darüber hinaus. So schwebt den Instituten eigentlich vor, alle gängigen Bankdienstleistungen, die der Kunde bereits online oder mobil erledigt, in Zukunft auch über Alexa anzubieten – vom Abruf des Kontostands bis hin zu Überweisungen. Darüber hinaus soll es auch Pläne geben, sogenannte Multibanking-Tools irgendwann Alexa-fähig zu machen. Multibanking bedeutet, dass  der Kunde alle seine Finanzgeschäfte möglichst über die Anwendung eines einzigen Anbieters erledigt. Ein Kenner der Materie sagt: „Das ist einer der Gründe, warum so viele Institute beim Voice-Banking so früh dran sein wollten. Es geht darum, sich auf der Alexa-Plattform rechtzeitig als das Multibanking-Skill zu etablieren.“

Amazon bremst diese Ideen nun erst einmal aus. Zwar heißt es aus den Banken, man könne auch mit anderen Anbietern zusammenarbeiten – bislang fokussierten sich die Pläne allerdings eindeutig auf Alexa. Unklar bleibt, was die Motive des US-Konzerns sind. Bis zuletzt ging man in den Banken fest davon aus, dass die Alexa-Plattform nichts anderes als ein technischer Dienstleister ist und somit nicht selber der Finanzregulierung unterliegt. Glaubt man den jüngsten Einlassungen der Amerikaner, dann sehen die das aber offenkundig anders. Der Insider sagt gegenüber „Finanz-Szene.de“: „Es heißt, man fürchte, durch die ‚Banking Skills‘ plötzlich selber als sogenannter ‚Account Aggregation Service Provider‘ unter die PSD2-Richtlinie zu fallen.“

Freilich ist auch schon eine Art Verschwörungstheorie in Umlauf: Demnach schiebt Amazon die Bedenken nur vor, weil man sich zu einem späteren Zeitpunkt lieber selber im Bankgeschäft ausbreiten will. Von Playern, die mit den Amerikanern in den letzten Wochen in direktem Kontakt standen, wird das aber zurückgewiesen: „Uns überraschen die rechtlichen Bedenken zwar – allerdings müsste Amazon grundsätzlich daran gelegen sein, die Alexa-Plattform mit möglichst umfangreichen Banking-Skills zu stärken, anstatt genau das zu verhindern.“