Analyse: Wie „die Milliarde“ von Scalable Capital einzuordnen ist

Von Heinz-Roger Dohms

Der Münchner Robo-Advisor Scalable Capital verwaltet rund drei Jahre nach dem Start bereits eine Milliarden Euro – das ist die große Fintech-Nachricht des heutigen Morgens. Viel spannender als die eigentliche Meldung finden wir allerdings die Frage, wie „die Milliarde“ einzuordnen ist. Ist das nun wahnsinnig viel? Oder ist es immer noch sehr, sehr wenig? (verglichen mit den Union Investments oder selbst den Flossbach dieser Welt …). Oder, dritte Möglichkeit: Ist es zwar viel, das aber auch nur gemessen daran, dass es die Robo-Branche überhaupt erst seit ein paar Jahren gibt?

Um eine plausible Antwort auf diese Frage zu finden, haben wir uns einen Vergleich überlegt, der ein bisschen ums Eck führt. Wir haben nämlich die Kennziffern von Scalable denen der V-Bank gegenübergestellt. Auf den ersten Blick mag der Vergleich ein bisschen schräg anmuten, weil Scalable ein digitaler Vermögensverwalter ist, die  V-Bank hingegen eine Depotbank. Indes: Auf den zweiten Blick  macht die Gegenüberstellung durchaus Sinn (hoffen wir zumindest). Denn die V-Bank ist so etwas wie die Hausbank von rund 380 Vermögensverwaltern und  Familiy Offices hierzulande – und damit ein Spiegel der klassischen (sprich: analogen) VV-Branche.

Wie also fällt der Vergleich zwischen dem größten digitalen VV und der großem Depotbank der klassischen VVs aus?

Scalable Capital V-Bank
gegründet 2015 2008
Kunden bzw. Depots 30.000 24.000
AuMs bzw. Mandantengelder 1,0 Mrd. Euro 17,9 Mrd. Euro
Durchschnittliche Depotgröße 32.000 Euro 730.000 Euro
12-Monats-Wachstum 306% (AuMs)* 15-20% (M-Gelder)*
*letzte 12 Monate *Planung nächste 12 Monate

Nun ist es natürlich jedem Leser freigestellt, aus der Tabelle seine jeweils eigenen Schlüsse zu ziehen. Wir selbst allerdings finden vor allem drei Erkenntnisse spannend:

1.) Beim durchschnittlichen Depotvolumen hängt Scalable Capital mit 32.000 Euro weit hinter den klassischen VVs zurück.

2.) Was die Zahl der Kunden angeht, ist Scalable dagegen schon jetzt größer als ein großer Teil der klassischen VVs zusammen.

3.) Und nimmt man „die Milliarde“ von Scalable Capital und hält sie nicht „den 17,9 Mrd. Euro“ entgegen, sondern den durchschnittlichen Assets eines klassischen VV (17,9 Mrd. Euro durch 380 VVs = 47 Millionen)

… dann kommt man zu folgendem Schluss: Scalable Capital ist vermutlich jetzt schon einer der größten unabhängigen Vermögensverwalter hierzulande. Und vor allem ist der Münchner Robo mit seinen 30.000 (!) Kunden ein gigantischer Kleinvermögens-Verwalter.