Analyse: Wie viel Geld die Sparkassen und Volksbanken wirklich verdienen

Von Heinz-Roger Dohms

Neun von zehn deutschen Banken verdienen nicht einmal mehr ihre Kapitalkosten – mit dieser provokanten These, verbreitet unter anderem via FAZ und Börsen-Zeitung, hat die US-Consultingfirma Bain vergangene Woche die Sparkassen und Volksbanken gegen sich aufgebracht (die Details der Auseinandersetzung können Sie hier nachlesen). „Finanz-Szene.de“ hat den Zwist zum Anlass genommen, die Ertragskraft der deutschen Kleinbanken auf Basis offizieller Bundesbank-Zahlen unter die Lupe zu nehmen – und in historische Perspektive zu setzen. Unterstützt haben uns dabei die Daten-Spezialisten von Barkow Consulting, die aus den Zahlenkolonnen der Notenbanker die Vorsteuergewinne von Sparkassen und Volksbanken seit 1968 extrahiert haben.

Vier Erkenntnisse fanden wir dabei bemerkenswert – nicht etwa, weil sie allesamt „neu“ wären, wohl aber, weil sie vielleicht helfen, die teils wilden Debatten um die Ertragskraft der deutschen Bankenbranche besser einzuordnen.

1.) Sparkassen und Volksbanken haben – zumindest in absoluten Zahlen – noch nie so viel Geld verdient wie in den vergangenen Jahren. 2016 waren es bei den einen 10,2 Mrd. Euro, bei den anderen 7,7 Mrd. Euro. Dafür gibt es im Eesentlichen drei Erklärungen: Erstens sind die Zinserträge zwar brutal eingebrochen, bislang gehen die Zinskosten allerdings in ähnlichem Maße zurück (was allerdings, siehe weiter unten, schon bald anders sein könnte). Zweitens sind die Kreditausfälle aufgrund der seit Jahren robusten Konjunktur (und natürlich auch aufgrund des Zinsniveaus) so niedrig wie nie zuvor. Und zum dritten haben Sparkassen und Volksbanken ihre Kreditvolumina über die vergangenen Jahre deutlich ausgedehnt, sie drehen also in vielen Bereichen ein immer größeres Rad, zum Beispiel in der Baufinanzierung.

2.) Der langfristige Zahlenvergleich zeigt, dass der Finanz-GAU 2008 auch bei den Kleinbanken zu drastischen Gewinneinbrüchen führte. Zum einen lag das an Wertberichtigungen im Eigengeschäft (Depot A), zum anderen daran, dass die zeitweise inverse Zinsstruktur (die Kurzfristzinsen lagen über den Langfristzinsen) die Fristentransformation sozusagen außer Kraft setzte. Dementsprechend brach der Zinsüberschuss ein. Die Lehre für die Zukunft: Trotz ihres kleinteiligen Geschäftsmodells sind Sparkassen und Volksbanken nicht immun gegenüber externen Schocks.

3.) Die wirklich fetten Jahre der Kleinbanken waren (gemessen an den damaligen Bilanzsummen) die 80er und 90er. Das lag natürlich am Wettbewerbsumfeld (keine Onlinebanken …) – vor allem aber an den damals deutlich höheren Zinsen. Dies beschreibt schon die Herausforderungen für die nächsten Jahre: Gelingt es Sparkassen und Volksbanken, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, dass auch in Zeiten niedriger Zinsen trägt? Denn …

4.) … worüber die Gewinne der vergangenen Jahre nicht hinwegtäuschen dürfen: 2016 könnte der Zenit gewesen sein. Während die Zinserträge weiter unter Druck stehen (immer mehr langfristige, gut verzinste Aktiva laufen aus), ist bei den Zinsaufwendungen kaum noch Einsparpotenzial (schließlich sind die Einlagenzinsen ja längst bei Null). Der Warnruf von Bain mag in seiner Zuspitzung fragwürdig gewesen sein – in seiner Substanz ist er es nicht.