Exklusiv – Appell an neuen Finanzminister: „Der Fintech-Rat muss bleiben“

Von Heinz-Roger Dohms

Was wird aus dem „Fintech-Beauftragten der Bundesregierung“? Und was aus dem „Fintech-Rat“? Das sind aus Finanz-Startup-Perspektive die spannendsten Fragen im Zusammenhang mit der neuen Koalition. Denn: Auch wenn die Position des „Fintech-Beauftragten“ eng mit der Person Jens Spahn verknüpft war – der CDU-Mann bekleidete den Posten dann doch nicht kraft seiner selbst, sondern in seiner Funktion als Finanz-Staatssekretär. Das BMF jedoch (an das auch der „Fintech-Rat“ angedockt ist) fällt in der neuen Koalition an die SPD. Und nun?

Dazu muss man wissen: Die Fintech-Szene hat die institutionelle Verknüpfung mit dem Finanzministerium in den vergangenen Monaten durchaus schätzen gelernt. Das zeigte sich zuletzt Ende November, als die Banken- und Startup-Vertreter im „Fintech-Rat“ mit stillschweigender Unterstützung des BMF ein sehr weitgehendes Zehn-Punkte-Papier veröffentlichten. Darin wurde unter anderem gefordert, IT-Experten ohne explizite Krediterfahrung den Zugang in die Vorstände von Banken und Fintechs zu erleichtern. Und siehe da: Kurz darauf erließ die Bafin – mit mutmaßlicher Ermunterung durch das Finanzministerium – ein entsprechendes Dekret.

Folgerichtig setzen die Mitglieder des Fintech-Rats darauf, dass der designierte künftige Finanzminister Olaf Scholz (SPD) an dem Gremium und möglichst auch an der Position des Fintech-Beauftragten festhält – selbst wenn dieser dann nicht mehr Spahn heißen wird, sondern den Namen eines SPD-Finanzpolitikers trägt.  „Der Fintech-Rat ist ein wichtiges Gremium, um das Versprechen einzulösen, Finanztechnologie ‚made in Germany‘ europaweit wettbewerbsfähig zu machen und nicht vor der gefühlten Allmacht der amerikanischen Tech-Riesen zu kapitulieren“, sagte Christian Grobe, Gründer des Factoring-Fintechs Billie, gesten im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“.  Als Beispiele für Themen, bei denen der Rat gefordert sei, nannte er „die Einführung einer sicheren digitalen Identität zur einfachen Online-Abwicklung von Bankgeschäften oder den notwendigen Regulierungsbedarf bei neuen Blockchain-Technologien.“

Auch Tim Sievers, Chef der Einlagen-Plattform Deposit Solutions, unterstrich gegenüber „Finanz-Szene.de“ die Bedeutung des Gremiums: „Der Fintech-Rat schafft ein Forum für den Austausch von Politik und Aufsicht mit etablierten und neuen Marktteilnehmern, um sich über die Chancen und Risiken neuer Finanztechnologien auszutauschen. Ich glaube, dass Praxisnähe und Innovationsoffenheit zu guten politischen Ergebnissen beitragen.“ Ähnlich äußerte sich Chris Bartz vom Finleap-Venture Elinvar: „Es ist erklärtes Ziel der neuen Koalition, Deutschlands Rolle als einer der führenden Digitalisierungs- und Fintech-Standorte zu stärken. Der Fintech-Rat hat sich in diesem Kontext bewährt.“