Die vier Lehren aus dem 20-Mio.-Deal von Deposit Solutions

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de

Die meisten Finanzierungs-Runden sind ja einfach nur das, was sie sind – nämlich Finanzierungs-Runden. Ein bisschen anders verhält es sich jedoch mit dem  20-Mio.-Dollar-Funding des Hamburger Einlagenvermittlers Deposit Solutions („Zinspilot“). Denn aus dieser News lassen sich mindestens vier Erkenntnisse über den gegenwärtigen Zustand des Fintech-Standorts Deutschland ableiten:

1.) Kolportiert wird, dass sich die Bewertung durch die neue Runde auf mehr als 200 Mio. Euro verdoppelt habe. Nachdem „Finanz-Szene.de“ kürzlich bereits berichtet hatte, dass der Robo-Advisor Scalable Capital nach dem Einstieg von Blackrock auf mehr als 150 Mio. Euro kommt, ist das ein weiteres Beispiel, das zeigt: Dreistellige Millionenbewertungen werden für größeren deutschen Fintechs allmählich zur Normalität (was noch vor einem Jahr nicht unbedingt absehbar war)

2.) Auch wenn exakte Bewertungen immer schwer zu ermitteln sind, spricht vieles dafür, dass durch den Deposit-Solutions-Deal jetzt die beiden größten deutschen Finanz-Startups aus Hamburg kommen und nicht etwa aus Berlin oder Frankfurt (das andere ist übrigens Kreditech, das auf mehr als 300 Mio. Euro veranschlagt wird).

3.) Noch interessanter allerdings  ist, dass es sich mutmaßlich jetzt bei zwei der fünf größten deutschen Finanz-Startups zumindest tendenziell um B2B-Fintechs handelt (das andere neben Deposit Solutions ist Solaris). Hatte es nicht mal geheißen, dass B2B-Anbieter eher keine solch hohen Bewertungen erhalten? Und kann es sein, dass das Ingenieurs-Maschinenbau-Zulieferer-Gen der hiesigen Wirtschaft auch in der deutschen  Fintech-Branche immer stärker zum Vorschein kommt?

4.) Zwischen den beiden entfernten Artgenossen Deposit Solutions (Einlagenvermittler mit B2B-Fokus) und Raisin/“Weltsparen“ (Einlagenvermittler mit B2C-Fokus) entwickelt sich gerade ein regelrechter Zweikampf um Partner, Kunden und Investoren.  Vieles spricht allerdings dafür, dass dieses Duell am Ende nicht nur einen Sieger haben wird – sondern zwei. Denn zuletzt wuchsen beide Anbieter rasant.