Dossier: Vom Ertragsgaranten zum Problemfall – Der Abstieg der DWS

Von Heinz-Roger Dohms

Hieß es nicht immer, das stärkste Argument gegen einen Börsengang der DWS sei, dass die Deutsche Bank damit ihren stabilsten Ertragsbringer aus der Hand gebe? Und hieß es nicht immer, das stärkste Argument für einen Börsengang sei, dass die Fondstochter erst so richtig durchstarten werde, wenn man sie aus den Fesseln des Deutsche-Bank-Konzerns befreit? Aus heutiger Perspektive klingen beide Argumente etwas schräg. Denn vier Monate nach dem DWS-Börsengang ist von einem „Durchstarten“ nichts zu sehen. Stattdessen hat sich der einstige Ertragsgarant zum Problemfall für die Deutsche Bank (die ja immer noch knapp 78% der Anteile hält) entwickelt. Nachdem von Januar bis März bereits 7,8 Mrd. Euro aus den DWS-Fonds abflossen, waren es von April bis Juni nochmals 4,9 Mrd. Euro, kam bei der Präsentation der Q2-Ergebnisse gestern heraus. Folge: Seit dem – ohnehin enttäuschenden – IPO hat sich die Aktie inzwischen um rund 15% verbilligt. Eine Überraschung? Nicht wirklich, wenn man die Entwicklung der vergangenen Monate noch einmal nachzeichnet. Ein Drama in fünf Akten:

Akt 1 (25. Januar): Während Medien die DWS für ihre Nettozuflüsse feiern, werfen die 2017er-Zahlen bei genauerer Betrachtung reichlich Fragen auf.

Newsletter 26/01/18: Ist die DWS wirklich IPO-reif?, Goldman/Coba, Der 80-Mrd.-Schatz

2. Akt (12. März): Die Deutsche Bank teilt mit, dass sie beim Emissionspreis für die DWS Abschläge machen will. Die IPO-Story beginnt zu bröckeln.

13/03/18: DWS wird zum Discount-IPO, N26 kurz vor Mega-Funding, Der künftige Goldman-Chef

3. Akt (21. März): Dichtung und Wahrheit klaffen immer weiter auseinander. Von „gut gefüllten Orderbüchern“ und einer „Überzeichnung der Emission“ ist zu lesen – doch in Wirklichkeit geht die DWS nicht an die Börse, sondern sie kriecht.

An uns (den Medien), liebe Deutsche Bank und liebe DWS, hat es ganz sicher nicht gelegen …

4. Akt (26. April): Hohe Abflüsse, steigende Kosten, Kundenflucht im Heimatmarkt: Die Q1-Zahlen der Deutschen Bank legen die Probleme bei der DWS erstmals schonungslos offen.

Liebe Deutsche Bank, nimm es uns bitte, bitte nicht übel – aber:

5. Akt (25. Juli): Wer auf eine Besserung  gehofft hatte, wird enttäuscht. Im zweiten Quartalen haben sich die Probleme der DWS sogar noch einmal verschärft.