Effizienz? Preismacht! Was passiert, wenn man die Cost-Income-Ratio der Sparkassen aufdröselt

Von Heinz-Roger Dohms

Eigentlich dachten wir, wir hätten die jüngste Bundesbank-Statistik zu den deutschen Banken mit derselben Entschiedenheit ausgequetscht wie der Mann an der Frankfurter Bahnhofs-Saftbar seine Orangen (siehe -> „Das Zinsmassaker“, siehe -> „Der Selbstbetrug der Sparkassen und Volksbanken“). Dann allerdings meldete sich dieser Tage ein Freund des Hauses, nämlich der Düsseldorfer Datenguru Peter Barkow, mit der Frage, ob wir uns eigentlich mal die Mühe gemacht hätten, die Cost-Income-Ratios der drei großen Institutsgruppen aufzudröseln. Hatten wir natürlich nicht. Hatte er aber natürlich schon. Und freundlicherweise überlies uns Herr Barkow also seine entsprechenden Berechnungen zur freien Verfügung. Was uns an den Zahlen nicht überraschte: Es liegt eher am Ertrag als an den Kosten, dass die CIR der Sparkassen und Volkbanken wesentlich besser ist als die der Großbanken. Was uns aber sehr wohl überraschte, das ist, um wieviel größer der Ertagseffekt im Vergleich zum Kosteneffekt ist. Hier die Analyse im Detail:

Teil I: Die Zahlen:

1.) Die Cost-Income-Ratio

Wie unschwer zu erkennen, ist die Aufwand-Ertrags-Relation der privaten Banken wesentlich schlechter als die der Sparkassen und die der Volks- und Raiffeisenbanken  …

2.) Die Verwaltungsaufwendungen

… wer nun aber glaubt, die Sparkassen und Genobanken wäre, nur weil sie eine bessere CIR haben, auch kostengünstiger unterwegs als die privaten Banken, der täuscht sich. Im Gegenteil. Gemessen an der Bilanzsumme (warum an der Bilanzsumme? Dazu gleich mehr …) kommen die privaten Banken sogar mit deutlich weniger Aufwand aus.

3.) Die Zinserträge

Dass die kleinen Banken den großen trotz ungünstigerer Kostenbasis unterm Strich überlegen sind, liegt an den ungleich höheren Zinserträgen, die sie erwirtschaften. Nun stellt sich natürlich die Frage (siehe oben), ob die Bilanzsumme der perfekte Nagel ist, um daran die Aufwands- und Ertragsanalyse aufzuhängen. Antwort, das räumt auch Barkow ein: „Nein, das ist sie nicht.“ Schließlich sorgen die tendenziell langgezogenen Bilanzsummen der privaten Banken (siehe die Deutsche Bank mit ihren vielen derivativen Positionen) dafür, dass die Ergebnisse ein Stück weit verzerrt werden. „Besser wäre es darum, mit den risikogewichteten Assets zu arbeiten“, sagt Barkow – bloß sind diese Daten in den Bundesbank-Zahlen eben nicht enthalten. Darum: Die Bilanzsumme ist sicher kein perfekter Nagel, aber der beste, den wir haben.

4.) Die Zinsausgaben

Zurück zur Sache. Neben den ungleich höheren Zinserträgen haben die Sparkassen und Volksbanken auch noch niedrigere Zinsaufwendungen.

5.) Der Provisionsüberschuss

… und dann lohnt schließlich auch noch ein Blick auf die Gebühren (wobei wir uns hier die getrennte Betrachtung von Erträgen und Aufwendungen sparen und gleich zum „Netto“ kommen). Denn: Auch hier sind die Genos und die Sparkassen den Privatbanken mittlerweile ein Stück voraus (jedenfalls weiterhin gemessen an der Bilanzsumme). Die Erhöhung der Kontogebühren und der zuletzt insbesondere bei vielen Sparkassen bemerkenswert deutlich gestiegene Wertpapierabsatz  lassen grüßen.

Teil II: Die Interpretation

Wie ist die Ertragspower (=Preismacht) der Sparkassen und Volksbanken zu erklären? Würde „Finanz-Szene.de“ über eine seriös finanzierte Redaktion verfügen, hätten wir gestern mit einem halben Dutzend Branchenexperten- bzw. Branchenvertretern telefoniert, um Ihnen, lieben Leserinnen und Lesern, auf der Basis der Gespräche heute ein ausgewogenes Meinungsbild präsentieren zu können. Da wir uns solcherlei Luxus aber gottlob nicht leisten können, lassen wir einfach vier fiktive Mitglieder der deutschen Finanz-Community zu Wort kommen:

  • Das hier sagt der fiktive Sparkassen- bzw. Volksbankenvertreter: „Die Kunden schätzen unsere Nähe, unsere Produkte und unseren Service und sind darum – und das ist nichts, wofür wir uns schämen müssten – auch bereit, diese Leistungen entsprechend zu honorieren.“
  • Das hier sagt der fiktive Fintech-Vertreter: „Na klar, den Alten und Uninformierten überteuerte Kredite verkaufen, um damit die eigenen Ineffizienzen zu übertünchen, das ist wieder mal typisch. Bei uns gibt’s dasselbe für die Hälfte, und zwar ohne Schufa. Solange die Fintechs nicht die Welt erobern, wird diese Welt keine bessere werden.“
  • Das hier sagt der fiktive Großbanken -Vertreter: „Stimmen die Zahlen überhaupt? Kann ja fast nicht sein. Ist aber natürlich in erster Linie ein strukturelles Problem. Von wegen Drei-Säulen-Modell und overbanked. Wären wir mit unserem Geschäftsmodell und unserem Management statt in Deutschland in der Schweiz unterwegs, würden wir Gewinne ohne Ende machen. Wird Zeit, die Sparkassen und die Volksbanken endlich zu verbieten.“
  • Das hier sagt der fiktive Sparkassen-Kritiker: „Habe ich es doch geahnt. Da betreiben unsere feinen Herrn Ortsbank-Vorstände also mal wieder Fristentransformation ohne Ende. Das wird ein böses Erwachen geben, sage ich Ihnen.“
Teil III: Die Konsequenzen

Eigentlich ist das ein Thema für das nächste Kaffeekränzchen mit der Beraterfirma Ihrer Wahl („Schritt eins, Schritt zwei, Schritt drei …“). Ganz platt gesagt scheinen allerdings zwei Dinge auf der Hand zu liegen: 1.) Wenn es den kleinen Banken auch nur einigermaßen gelingt, ihre Erträge stabil zu halten, dann könnte sich auf der Kostenseite ein ganz schöner Hebel ergeben. Ist halt nur die Frage, ob das mit den Erträgen gelingt. Und 2.) Bei den privaten Banken stellt sich die Frage, welches Problem sie zuerst angehen, die Erträge oder die Kosten. So einfach beheben lässt sich freilich keines von beiden.