Exklusiv: Apobank zahlt Mega-Abfindung an 0-8-15-Mitarbeiter

Von Heinz-Roger Dohms

Für exzessive Saläre ist die Düsseldorfer Apobank eher nicht bekannt. Exakt 100.924 Euro betrug 2016 der durchschnittliche Personalaufwand je Mitarbeiter, wie neulich der große Gehaltsreport von „Finanz-Szene.de“ zeigte. Damit lag die Standesbank der deutschen Heilberufler irgendwo im Mittelfeld der rund 30 untersuchten Institute, knapp hinter der KfW und der Helaba, knapp vor der ING Diba und der NRW Bank. Ähnlich durchschnittlich kamen auch die Vorstandsvergütungen daher. Die sechs Spitzenkräfte (unter ihnen ein scheidender Vorstand) teilten eine Grundvergütung von 3,0 Mio. Euro unter sich auf. Hinzu kamen Boni und eine Abfindung in Höhe von zusammen 2,2 Mio. Euro.  Machte im Schnitt knapp 900.000 Euro je Vorstand. Nicht schlecht (zumal die Altersvorsorge noch obendrauf kam). Aber auch nicht mehr als anderwo.

Gleichwohl: Ein ehemaliger Mitarbeiter (oder eine ehemalige Mitarbeiterin?) der Apobank kann über solche Summen nur schmunzeln. 900.000 Euro? Ha! Wie wenig ist das denn! Er bzw. sie  kassierte im gleichen Jahr, also in 2016, nämlich eine Abfindung, für die der Begriff „exzessiv“ noch untertrieben erscheint. Irgendwo zwischen zwei und drei Millionen. Euro muss die Abstandszahlung (bzw.: die Vergütung inklusive Abstandszahlung) gelegen haben, geht aus dem Vergütungsbericht der Ärzte- und Apothekerbank hervor. Und was die Sache noch mysteriöser macht: Allem Anschein nach handelte es sich bei dem Abfindungsmillionär weder um einen scheidenden Vorstand noch um einen sonstigen Risikoträger – sondern um einen vermeintlich x-beliebigen Apobanker. So heißt es im Vergütungsbericht wörtlich:

„Für einen Mitarbeiter, der im Berichtsjahr nicht zu denjenigen Mitarbeiterkategorien zählte, deren Tätigkeit sich wesentlich auf das Risikoprofil auswirkt, betrug die Vergütung aufgrund einer in 2016 gezahlten Abfindung zwischen 2,0 und 3,0 Mio. Euro. Diese Angabe erfolgt i.S.d. § 24 Abs. 1a Nr. 8 KWG, wonach der Aufsichtsbehörde und der Deutschen Bundesbank jährlich Informationen über Geschäftsleiter, Mitglieder des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans und Mitarbeiter mit jeweils einer Gesamtvergütung von jährlich mindestens 1 Mio. Euro im Sinne des Art. 75 Abs. 3 der Richtlinie 2013/36/EU anzuzeigen sind.“

Wie hoch diese Summe ist, zeigt sich, wenn man versucht, sie ins Verhältnis zu setzen:

  • Auf die Abfindung entfielen (je nachdem, wie hoch sie genau war) rund 1% der gesamten Personalkosten der Apobank; zudem wäre der Vorsteuergewinn ohne die Abfindung um bis zu 2% höher gewesen.
  • Ein Apobank-Vorstand, der ebenfalls 2016 aus dem Unternehmen ausschied, erhielt laut Vergütungsbericht gerade mal eine Abfindung in Höhe von 0,4 Mio. Euro.
  • Die höchste in 2016 gezahlte Abfindung bei der Commerzbank betrug zum Beispiel „nur“ rund 970.000 Euro.
  • Und noch ein Vergleich: Die durchschnittliche Abfindungshöhe bei der Deutschen Bank (Zahl der Begünstigten insgesamt: 114) lag im gleichen Jahr bei knapp 370.000 Euro.

„Finanz-Szene.de“ konfrontierte einen hochrangigen Personaler, einen anerkannten Vergütungsexperten und einen Aufseher mit dem Fall. Die waren sich zwar einig darin, dass der Fall höchst außergewöhnlich (wenn nicht sogar singulär) sei. Eine wirklich überzeugende Erklärung, wie es zu der Zahlung kommen konnte, allerdings hatte keiner parat. Handelt es sich bei dem Empfänger der Millionenabfindung um einen Altkader, der noch im Unternehmen „geparkt“ war und jetzt schnell raus musste? Um einen genialen Vertriebler, mit dem sich die Bank warum auch immer überworfen hatte? Um einen hochrangigen Mitarbeiter, der womöglich trotzdem nicht zu den Risikoträgern zählte, etwa weil er dem hauseigenen Asset Management angehörte (das nicht der Institutsvergütungs-Verordnung sondern den Regeln des Esma unterliegt)?

Irgendeine Begründung muss es letztlich geben. Die Apobank aber will sich nicht äußern.