Exklusiv: Berliner Fintech Kontist wird Opfer von Fake-News-Attacke

Von Heinz-Roger Dohms

Das Finanz-Startup Kontist ist nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ Opfer einer dreisten Fake-News-Attacke geworden. Am Freitag berichteten diverse englischsprachige Medien, darunter das in der Fintech-Szene anerkannte Branchenportal „Finextra“, von einer 12 Mio. Euro schweren Finanzierung für den Berliner Banking-App-Betreiber. Bei der Quelle für die Meldung handelte es sich angeblich um das Unternehmen selbst – was aber nach Angaben von Kontist-CEO Christopher Plantener ebenso falsch war wie die Nachricht als solche. Stattdessen waren die Medien allem Anschein nach auf eine gefälschte Pressemitteilung hereingefallen. Kontist hat gestern Anzeige erstattet.

Wer hinter der Tat steht ist unklar. Allerdings spricht vieles dafür, dass es sich bei dem Fake-News-Angriff nicht nur um einen schlechten Scherz handelte, sondern um den bewussten Versuch, die aktuelle Funding-Runde von Kontist im letzten Moment zu torpedieren. Denn: Wie Christopher Plantener gegenüber „Finanz-Szene.de“ bestätigte, stand das 2016 gegründete Berliner Startup zum Zeitpunkt der Falschmeldung – also Ende letzter Woche – tatsächlich kurz vor dem Abschluss einer neuen Finanzierung. „Wenn es das Ziel der Täter war, unser Funding zu durchkreuzen, dann ist dieser Plan gescheitert“, sagte Plantener. Konkreter wollte er gestern noch nicht werden. „Ich hoffe, es wird zeitnah ein Update geben.“

Die Urheber der Fake-Mail zeigten bei ihrem Vorgehen ein erstaunliches Maß an krimineller Energie. So wurde die Nachricht von einem Gmail-Konto aus versandt, das auf den Namen der Kontist-Pressesprecherin angelegt war. Das Anschreiben las sich wie folgt:

Good morning!

Hope you’re well. I have a story I think you’ll find interesting, for immediate release. 

Berlin based banking app for freelancers, Kontist announces new financing round of €12m and more than 10,000 freelance account holders.

* Kontist is raising at a valuation of €30M post money

* The capital will be used to bolster hiring and continue driving growth

* The round has seen interest from existing investors including Founders and Vækstfonden

Please let me know if you have any questions or if you do plan to run a piece.

 Best,

Auch die Pressemitteilung also solche wirkte authentisch, sie enthielt beispielsweise das folgende Fake-Quote von CEO Plantener:

„We are happy to announce our funding round which will help us grow our existing user base, hire more people and expand to new countries in 2019.“ says Christopher Plantener, Co-founder and CEO.

Und unter der Mail befand sich eine gefälschte Signatur mit der offiziellen Mailadresse der Kontist-Pressestelle und der korrekten Handynummer der Sprecherin.

Klar: Die Medien, die die vermeintliche Nachricht brachten, hätten beim Gmail-Absender skeptisch werden müssen  – und so oder so wären sie eigentlich verpflichtet gewesen, Inhalt und Absender gegenzuchecken. Gleichwohl: Angesichts dünn besetzter Redaktionen, einer ständig wachsenden Zahl von Kommunikationskanälen, eines generellen Trends hin zum Verlautbarungs-Journalismus und eines hohen Konkurrenz- und Zeitdrucks sind handwerkliche Fehler wie im Fall Kontist fast schon vorprogrammiert. Genau darauf haben die Absender der Fake-Mail offenbar erfolgreich spekuliert.

Eine gestern am frühen Abend gestellte Anfrage an „Finextra“ blieb zunächst unbeantwortet.

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