Exklusiv: Der große Check – wie digital ist die Deutsche Bank wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms

Immer im Herbst schaltet die Deutsche Bank in den „Jetzt hauen wir digital auf die Pauke“-Modus. So war das 2016, als sie ihre Digitalfabrik eröffnete (und Projekte wie den „Zinsmarkt“ anstieß). So war das 2017, als sie ihren Robo-Advisor launchte. Und so ist es auch diesmal wieder: 1.) Unter dem Dach der Retailsparte entsteht ein neuer Geschäftsbereich namens „Digital Ventures“, teilte das Geldhaus gestern  Abend mit. 2.) Das erste Venture geht gleich mit an den Start, nämlich ein 80 Mitarbeiter starkes hauseigenes Fintech. 3.) Dieses Fintech wirft bereits am heutigen Tage eine Finanz-App namens „Yunar“ auf den Markt (hier die Einzelheiten). Ziemlich fette Ankündigungen also – und der richtige Zeitpunkt  zu fragen: Was ist eigentlich aus den vielen vorangegangenen digitalen Projekten, Ideen und Initiativen der Deutschen Bank geworden? Was macht z.B. der „E-Safe“? Wie viel Vermögen verwaltet der Robo? Wie viele Kunden nutzen die Multibanking-App? Und so weiter. Hier unser großer Check:

Multibanking-App
  • Was soll das? Die Kunden sollen über ihre Deutsche-Bank-App (bzw. über die entsprechende Online-Anwendung) auch Konten verwalten können, die sie bei anderen Banken unterhalten.
  • Status: Ist nicht nur ein Tool. Sondern die große digitale Zukunftsvision: Die Deutsche Bank als Plattform und zentrale Anlaufstelle des Kunden.
  • Und??? Technisch ist so weit alles klar, zumal die Kunden nicht mehr nur sehen, was auf ihren Fremdkonten los ist, sondern weil sie inzwischen auch in der Lage sind, aus der Deutsche-Bank-App heraus Transaktionen auf den Fremdkonten durchzuführen. Die große Frage jedoch lautet: Wie nehmen die Kunden das Angebot an? Antwort: Okay. Die Nutzerzahl soll niedrig sechsstellig sein, das Fremdkonto-Volumen lag im Mai (das war der letzte offizielle Stand) bei gut 6 Mrd. Euro und dürfte dementsprechend langsam auf die 10 Mrd. Euro zusteuern.
Zinsmarkt
  • Was soll das? Ein Tool, über das Deutsche-Bank-Kunden ihre Spareinlagen bei anderen Banken (mit höheren Zinsen …) anlegen können, ohne dabei als Kunde die Bank wechseln zu müssen.
  • Status: Zentraler Testfall für die Plattform-Idee.
  • Und?? Ging mit deutlicher Verspätung an den Start. Nimmt aber so langsam Fahrt auf. Mitte September stand die Deutsche Bank kurz davor, die 500-Mio.-Euro-Grenze beim vermittelten Volumen zu durchbrechen, wie Digitalchef Markus Pertlwieser im Exklusiv-Interview mit „Finanz-Szene.de“ verriet. Das ist mehr, als Kritiker dem Institut zugetraut hätten, aber weniger, als intern ursprünglich erhofft. Indes: Vielleicht setzt jetzt ja das von Zinsmarkt-Chef Andreas Kramer beschworene „exponentielle Wachstum“ ein.
Robin
  • Was soll das? Ist der digitale Vermögensverwalter (vulgo: Robo Advisor) der Deutschen Bank.
  • Status: Der große Testfall jenseits der Plattformidee
  • Und??? Bei der Vorstellung im vergangenen Jahr bezifferte die Deutsche Bank das Potenzial des deutschen Robo-Markts per Ende 2018 auf 5 Mrd. Euro. „Davon wollen wir mit Robin 20 Prozent, also eine Milliarde Euro haben“, so Pertlwieser damals. Nach allem, was wir hören, ist die Blaubank davon momentan jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Uns würde sogar erstaunen, wenn „Robin“ schon jene 500 Mio. Euro hätte, die der Zinsmarkt im September hatte.
E-Safe
  • Was soll das? Eine digitale Dokumenten-Ablage und Passwort-Speicher
  • Status: Beleg, dass die Deutsche Bank ihr Geschäftsmodells im digitalen Zeitalter sehr viel weiter fassen will als bislang
  • Und??? Die E-Safe laufe nicht wirklich, hören wir. Gut möglich, dass die Deutsche Bank hierzu heute Näheres erzählen wird – denn für den Mittag ist eine Pressekonferenz geplant, bei der es um die neue Yunar-App, aber auch um den Stand anderer Digitalprojekte gehen soll.
Mobile Moment
  • Was soll das? So nennt die Deutsche Bank die Schwelle, ab der mehr Nutzer über Smartphones oder Tablets auf ein digitales Angebot zugreifen als über den Desktop.
  • Status: Der Begriff tauchte im April 2017 erstmals im aktiven Wortschatz der Deutschen-Bank-PR auf. Damals hieß es: „Mehr als 40 Prozent aller Zugriffe auf die Konto-Dienste der Bank laufen bereits heute über mobile Endgeräte.“ Damals fehlten also noch 10 Prozentpunkte …
  • Und??? Kurze Zeit später – nämlich im September 2017 – verkündete die Deutsche Bank, den „Mobile Moment“ tatsächlich erreicht zu haben: „Erstmals erledigen mehr Kunden Bankgeschäfte über ihr Smartphone und Tablet als über den PC.“ Auf den zweiten Blick zeigte sich allerdings, dass die Schwelle nur an einem einzigen Tag geknackt worden war, nämlich dem 29. August. Und heute, gut ein Jahr später? Dürfte der „Mobile Moment“ nicht mehr die Ausnahme, sondern an den allermeisten Tagen die Regel sein. Wobei: Das gilt tatsächlich „nur“ für die Zahl der Zugriffe – noch lange nicht für die Zahl der Transaktionen.
Digitalbank
  • Was soll das? Klang wie eine Reinkarnation der „Deutschen Bank 24“ (für die jüngeren Leser: Das ist die 1999 gegründete und 2002 bereits wieder abgeschaffte Onlinebank)
  • Status: Im Oktober 2017 angekündigt, im Mai 2018 begraben.
  • Und??? Die Beerdigung in diesem Frühjahr wurde verpackt in die Ankündigung, stattdessen die digitale Plattform um weitere Angebote zu erweitern, „die über das klassische Bankgeschäft hinausgehen“. Was daraus wurde? Siehe Yunar …
Yunar
  • Was soll das? Eine kostenlose App, mit der die Kunden verschiedenste Bonusprogramme wie Payback, BahnBonus oder Miles &More verwalten können. Sukzessive soll das Ganze nun zu einer mobilen Geldbörse ausgewalzt werden.
  • Status: Noch ’ne Initiative. Aber eine sehr ambitionierte!
  • Und??? Warten wir’s ab.
Norisbank
  • Was soll das? Ist eine auf Ratenkredite spezialisierte Onlinebank, von der man bis gestern dachte, der Deutschen Bank sei es ganz recht, dass die Menschen gar nicht wissen, dass sie zur Deutschen Bank gehört.
  • Status: Mehr Stief als Tochter.
  • Und??? Hat gestern eine überraschende Aufwertung erfahren. Die Norisbank solle bei besagter digitaler Geldbörse nämlich  „eine ganz wesentliche Rolle“  spielen, sagte Privatkundenvorstand Strauß dem „Handelsblatt“.
Kundenwachstum
  • Was soll das? Digitale Angebote sollen ja kein Selbstzweck sein.
  • Status: Mitte 2017 sagte Digitalchef Pertlwieser in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“: „Mit Abschluss der Neuaufstellung konzentrieren wir uns jetzt wieder ganz aufs Wachstum, auch bei der Anzahl der Kunden.“
  • Und??? In unserem Exklusivstück „Warum die Deutsche Bank plötzlich zwei Millionen Kunden weniger hat“ berichteten wir neulich über den mysteriösen Kundenschwund beim größten Geldhaus der Republik. Freilich: Wenn man „technische Effekte“ berücksichtigt, dürfte sich der reale Rückgang eher im sechs- als im siebenstelligen Millionenbereich bewegen. Von einem irgendwie digital induzierten Kundenwachstum allerdings  sehen wir bislang nichts.
Digitalfabrik
  • Was soll das? Ist das digitale Kraftzentrum der deutschen Bank.
  • Status: Legte vor zwei Jahren mit „rund 400″Mitarbeitern“ los, bis Ende 2018 sollte sich die Zahl verdoppelt haben.
  • Und??? So ist es gekommen. Stand heute hat die Digitalfabrik gut 800 Mitarbeiter.

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