Exklusiv: Deutsche Banken erleben Ertrags-GAU im Firmenkundengeschäft

Von Heinz-Roger Dohms

Erinnern Sie sich noch an unsere Recherche neulich, die zeigte, dass die ING Diba ihre Erträge im Geschäft mit deutschen (und, wie man hinzufügen muss: österreichischen) Firmenkunden in wenigen Jahren mehr als verdreifacht hat? In einem boomenden Umfeld wäre das für die Konkurrenz vermutlich kein großes Problem. Bloß: Der Markt stagniert ja eher, als dass er wächst, der Wettbewerbsdruck ist riesig, die Zinsen niedrig, die Margen dünn. Drum: Wenn die einen (ING Diba, BNP Paribas …) trotz schwieriger Umstände gewinnen  –  wer sind dann die Verlierer? Genau dieser Frage ist „Finanz-Szene.de“ nachgegangen und hat auf Basis von Halbjahreszahlen (2014 bis 2018) die Ertragsentwicklung von sieben klassischen deutschen Firmenkundenbanken analysiert. Was dabei herausgekommen ist? Nun, wir wollen nicht alles vorwegnehmen. Aber so viel dann doch: Bei einigen der untersuchten Banken sieht es nicht nur düster aus. Sondern so richtig düster.

1.) Commerzbank

Die Commerzbank weist ihre Zahlen transparent aus. So lässt sich anhand von Zwischenberichten und diversen Präsentationen exakt nachverfolgen, wie brutal die Erträge sowohl im Mittelstandsbereich als auch im Geschäft mit internationalen Großkonzernen zwischen dem ersten Halbjahr 2016 (addiert 1475 Mio. Euro) und dem ersten Halbjahr 2018 (addiert 1290 Mio. Euro) eingebrochen sind. Noch weiter zurückzugucken ist schwierig, weil die Commerzbank ihre Teilsegmente innerhalb der Firmenkundensparte zwischenzeitlich neu zugeschnitten hat.

2.) BayernLB

Das Firmenkundengeschäft der BayernLB firmiert unter dem Namen „Corporates & Mittelstand“. Da die Münchner Landesbank die verschiedenen Ertragsquellen innerhalb dieser Sparte einzeln ausweisen, war es möglich, das Handelsergebnis auszuklammern und sich rein auf Zins- und Provisionsüberschuss zu konzentrieren. Die Tabelle zeigt die jeweiligen Summen dieser beiden Positionen, wiederum jeweils bezogen auf das erste Halbjahr (wie übrigens bei allen untersuchten Banken).

3.) LBBW

Bei der LBBW gestalten sich die Dinge ein bisschen schwieriger, weil die Stuttgarter Landesbank ihr Segment „Corporates“ vor einem Jahr in zwei Bereiche aufgespalten hat, nämlich zum einen in „Unternehmenskunden“ und zum anderen in „Immobilien/Projektfinanzierung“. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, haben wir die beiden Segmente für den 2017er und den 2018er-Graphen zusammengefasst, während sich die Graphen für 2014, 2015 und 2016 jeweils auf das alte Segment „Corporates“ beziehen. Mag nicht zu 1000% sauber und trennscharf sein, gibt aber trotzdem einen Eindruck davon, dass es auch bei der LBBW zumindest nicht aufwärts gegangen ist die letzten Jahre. Sonst noch was? Ja: Wir haben (weil die Ertragspositionen einzeln ausgewiesen sind) auch hier ausschließlich den Zins- und den Provisionsüberschuss erfasst und das dann addiert.

4.) Hypo-Vereinsbank

Bei der Hypo-Vereinsbank mussten wir uns zwischen dem „Corporate & Investmentbanking“ (große Konzerne plus Kapitalmarktgeschäft) und dem „Commercial Banking“ (Privatkunden und KMU) entscheiden. Da sich aus dem „Commercial Banking“ die Privatkunden-Zahlen nicht extrahieren lassen, haben wir für unseren Überblick das Segment „CIB“ herangezogen uns hier aber wiederum auf Zins- und Provisionsüberschuss beschränkt, um das  – im Falle der HVB recht üppige – Handelsergebnis zu eliminieren. Ist alles nicht optimal. Aber was will man machen? Wir hoffen, dass sich trotzdem eine halbwegs valide Aussage ergibt, auch wenn sich die „CIB“-Sparte der HVB wegen ihrer internationalen Ausrichtung nicht wirklich für einen Vergleich z.B. mit einer deutschen Landesbank eignet.

5.) NordLB

Vergleichsweise leicht und trennscharf lassen sich die Firmenkunden-Erträge derweil bei der NordLB ermitteln (zumal das entsprechende Segment praktischerweise auch „Firmenkunden“ heißt und der Zuschnitt zumindest seit 2015 der gleiche ist). Auch hier zeigen wir ihnen jeweils die Summe aus Zins- und Provisionsüberschuss. Ergebnis: Im Vergleich zu anderen Banken sind die Erträge bei der NordLB relativ stabil.

6.) HSH Nordbank

Im Falle der HSH Nordbank lassen sich zumindest die Ergebnisse von 2016 (damals wurde das Segment „Unternehmenskunden“ gebildet) bis 2018 vergleichen. Wieder haben wir uns auf Zins- und Provisionsüberschuss beschränkt – und wieder ist die Tendenz: fallend (wenn auch nur leicht und womöglich mit begrenzter Aussagekraft). Noch eine Anmerkung: Die HSH Nordbank zählt auch die Finanzierung von „Renewables“-Projekten zum Segment „Unternehmenskunden“.

7. Helaba

Bei der Helaba (die ja aber ohnehin lieber Immobilien als Unternehmen finanziert) ist es nun wiederum so, dass die „Corporate-Finance“-Sparte in diesem Jahr mit dem Kapitalmarktgeschäft zusammengelegt wurde, sodass wir nur bis 2017 vergleichbare Zahlen haben. Allerdings haben sich die Ertragszahlen in dem neuen Segment im ersten Halbjahr dergestalt entwickelt (nämlich: schwach), dass sich die Entwicklung der beiden vorangegangenen Jahres (nämlich: stark fallend) zumindest nicht krass umgekehrt haben dürfte.

Disclaimer

Mit dem Disclaimer zu diesen Zahlen könnten wir fast ein Buch füllen. Drum nur die zwei wichtigsten Punkt:

  • Die Deutsche Bank haben wir uns nicht angeschaut, weil uns Menschen, denen wir vertrauen, gesagt haben, wir sollten gar nicht erst versuchen, aus den Bilanzen valide Zahlen fürs Firmenkundengeschäft zu destillieren. Falls dies doch möglich sein sollte – lassen Sie es uns wissen.
  • Methodische Fußnoten in den Geschäftsberichten (z.B. zu irgendwelchen IFRS-127-Neuinterpretationen) haben wir geflissentlich ignoriert. Mag also sein, dass die ein oder andere Zahl irgendwann mal nachträglich um 0,7% nach oben oder unten revidiert worden ist, wir das aber übersehen haben. Trotzdem sind wir uns bei den Grundaussagen ziemlich sicher.

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2 Gedanken zu „Exklusiv: Deutsche Banken erleben Ertrags-GAU im Firmenkundengeschäft“

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