Exklusiv: Deutsche Robo-Adviser durchbrechen 2-Mrd.-Euro-Grenze

Von Heinz-Roger Dohms

Die digitalen Vermögensverwalter entwachsen der Nische – und werden zu einem echten Herausforderer für die klassische Finanzindustrie. Das zeigen Berechnungen von Barkow Consulting, die „Finanz-Szene.de“ bereits am Sonntag exklusiv vorlagen. Der Düsseldorfer Datenspezialist stützt sich dabei auf die Angaben jener vier Robo-Adviser, die regelmäßig ihre „Assets under Management“ veröffentlichen, nämlich Scalable Capital, Liqid, Quirion und Cominvest. Deren Wachstum hat Barkow über die vergangenen Wochen fortgeschrieben – und seine Rechnung dann mit plausibel klingenden Annahmen über die sonstigen Wettbewerber angereichert. Die Conclusio: Die deutschen Robos müssten die 2-Milliarden-Euro-Grenze inzwischen mit einiger Sicherheit geknackt haben.

Öffentlich sind bislang folgende Angaben:

  • Scalable Capital: 600 Millionen Euro, Stand Anfang 2018
  • Cominvest: über 300 Millionen Euro, Stand Ende März 2018
  • Liqid: 200 Millionen Euro, Stand Anfang März 2018
  • Quirion: gut 100 Millionen Euro, Stand Ende 2017

Barkow schreibt nun:

This leads us to assume that the above Top4 German Robos manage a total of €1.5bn already. We consider this to be a conservative number as we feel that major cooperations are running extremely well providing upside to our number.

Tatsächlich dürften die 1,5 Mrd. Euro eher unter- als übertrieben sein, weil speziell Scalable Capital und Cominvest stabil zu wachsen scheinen. So schrieb Finanz-Szene.de bereits Ende Januar, dass Scalable zum damaligen Zeitpunkt auf die 750-Mio.-Euro-Marke zugesteuert sei „und schon im Frühjahr die Milliardengrenze durchbrechen dürfte“.

Exklusiv: Warum Scalable dank der ING Diba bald der erste deutsche Milliarden-Robo sein wird

Mitte April analysierten wird in einem weiteren Artikel, wie sehr vor allem die Kooperation mit der ING Diba (u.a. darauf dürfte sich auch Barkows Anspielung mit den „major cooperations“ beziehen …) das Wachstum von Scalable treibt:

Exklusiv: Schon jetzt kommen mehr als 50% der Scalable-(Bestands!!!-)Kunden von der ING Diba

Barkow setzt seine Analyse nun wie folgt fort:

  • We estimate that Next 6 German Robos manage another €300m+ of assets.
  • We estimate that remaining 30+ German Robos manage another €200m+ of assets.

Diesen beiden Annahmem sind naturgemäß mit etwas größerer Unsicherheit verbunden, weil sich die meisten Robos – darunter viele vermutlich aufgrund fehlender Erfolge – mit der Veröffentlichung von Zahlen zurückhalten.

Allerdings: Eine zumindest ordentliche zweistellige Millionensumme dürften einige der bekannteren unabhängigen Robos wie Whitebox, Vaamo oder Investify dann doch auf die Waage bringen – zumal Investify mit der Hamburger Sparkasse eine ähnliche Kooperation unterhält wie Scalable mit der ING Diba. Hinzukommt, dass die Deutsche Bank Ende vergangenen Jahres ebenfalls ins Robo-Geschäft eingestiegen ist und bis Ende 2018 bei einer Milliarde Euro sein will. Will sie dieses Ziel erreichen, dann wäre es allein schon aus mathematischen Gründen nicht verkehrt, wenn Stand heute zumindest mal 200 bis 300 Millionen Euro  beisammen wären.

Ergebnis: Nimmt man wirklich alles Robos zusammen, dann könnten es unterm Strich vielleicht sogar schon 2,5 Mrd. Euro sein. Das würde sich auch mit einer Ende letzten Jahres geäußerten Prognose von Deutsche-Bank-Digitalchef Markus Pertlwieser decken. Der geht nämlich davon aus, dass der Robo-Markt hierzulande Ende 2018 rund fünf Mrd. Euro schwer sein wird. Dann wäre die Hälfte erreicht.